Hogwarts im Abo: Die neue Harry-Potter-Serie und das Milliardengeschäft mit der Nostalgie
Am 25.12.2026 startet HBO die neue Harry-Potter-Serie. Sie soll eine Generation an ein Abo binden, einen Konzernverkauf für rund 111 Milliarden Dollar rechtfertigen und die Rowling-Debatte aushalten. Eine Analyse, auch zur Frage, warum die Schweiz mehr bezahlt.

Am Weihnachtstag öffnet sich der Schrank unter der Treppe ein zweites Mal. Am Freitag, 25.12.2026, zeigt HBO die erste Folge von «Harry Potter und der Stein der Weisen». Es ist der Auftakt zu einer Serie, die sieben Bücher in sieben Staffeln erzählen und rund zehn Jahre laufen soll. Der erste Teaser wurde in 48 Stunden 277 Millionen Mal abgerufen, so oft wie kein Trailer in der Geschichte des Senders. Doch hinter dem Zauber steht eine nüchterne Rechnung: Ein Konzern, der eben für rund 111 Milliarden Dollar den Besitzer gewechselt hat, braucht eine Marke, die eine ganze Generation an ein Abo bindet. Und wer in der Schweiz nach Hogwarts will, zahlt dafür deutlich mehr als die Fans in Deutschland.
Die neue Harry-Potter-Serie ist deshalb mehr als ein Remake. Sie ist ein Geschäftsmodell, ein Kulturkampf und ein Experiment mit drei Kindern, die das Projekt über ein Jahrzehnt tragen sollen. Bei Warner Bros. Discovery nannte man das Projekt das grösste Streaming-Ereignis in der Geschichte von HBO Max. Ob es das wird, entscheidet sich ab Weihnachten. Was bereits feststeht, was offen ist und was die Serie die Schweizer Zuschauer kostet: eine Vermessung.
| Steckbrief | Harry Potter und der Stein der Weisen |
|---|---|
| Start | Freitag, 25.12.2026, auf HBO und HBO Max, in der Schweiz auf HBO Max |
| Umfang | Staffel 1 mit acht Folgen; der Ausstrahlungsrhythmus ist offiziell noch nicht bestätigt |
| Plan | Sieben Bücher in sieben Staffeln, Laufzeit rund zehn Jahre |
| Macher | Showrunnerin Francesca Gardiner, Regie bei mehreren Folgen Mark Mylod (beide «Succession») |
| Hauptrollen | Dominic McLaughlin (Harry), Arabella Stanton (Hermine), Alastair Stout (Ron) |
| Erwachsene | John Lithgow (Dumbledore), Janet McTeer (McGonagall), Paapa Essiedu (Snape), Nick Frost (Hagrid) |
| Musik | Hans Zimmer mit Bleeding Fingers Music |
| Drehort | Warner Bros. Studios Leavesden, Grossbritannien |
| J.K. Rowling | Ausführende Produzentin, schreibt nicht mit |
| Preis Schweiz | HBO Max ab 9.90 Franken im Monat (mit Werbung) |
Ein Weihnachtsgeschenk mit Kalkül
Lange sah es nach 2027 aus. Noch im November 2024 und erneut Ende Januar 2026 sprach HBO-Chef Casey Bloys von einem Start «Anfang 2027». Zwei Monate später kam die Kehrtwende: Mit dem ersten Teaser kündigte der Sender am 25.03.2026 Weihnachten 2026 an, einen Tag bevor HBO Max in Grossbritannien und Irland startete. Eine nähere Begründung für das frühere Datum lieferte HBO nicht. Wer nachrechnet, erkennt allerdings, dass sich am Kern wenig ändert. Sollte HBO die acht Folgen wie bei seinen grossen Serien üblich im Wochenrhythmus ausstrahlen, läge der grösste Teil der Staffel ohnehin im Jahr 2027. Einen offiziellen Sendeplan gibt es bis heute nicht; die Kalender, die im Netz kursieren, sind Hochrechnungen von Fans.
Die Wirkung des Datums ist dagegen messbar. Der erste Teaser kam laut Warner Bros. Discovery in 48 Stunden auf 277 Millionen organische Abrufe, mehr als doppelt so viele wie der bisherige Rekordhalter des Senders, die zweite Staffel von «The Last of Us». Nach 72 Stunden waren es 308 Millionen. Der zweite offizielle Teaser folgte am 02.09.2026, einen Tag nach dem Datum, an dem in den Büchern der Hogwarts-Express abfährt. Dass HBO diesen symbolischen 1. September verpasste, nahmen ihm Fans im Netz übel. Es ist ein Detail, aber es zeigt, wie genau dieses Publikum hinschaut.
Die Harry-Potter-Serie: sieben Bücher, zehn Jahre, ein Versprechen
Das Konzept ist schnell erklärt und schwer umzusetzen. Jede Staffel soll ein Buch erzählen, vollständig und werkgetreu. Für das erste Buch nehmen sich Showrunnerin Francesca Gardiner und Regisseur Mark Mylod acht Folgen Zeit, der erste Kinofilm dauerte gut zweieinhalb Stunden. Gardiner schrieb an der HBO-Serie «Succession» mit, Mylod führte dort Regie; beide stehen für das Prestigefernsehen, auf das HBO seinen Ruf gebaut hat. Mit David Heyman ist zudem der Produzent aller acht Kinofilme wieder dabei.
Die auffälligste Abkehr von den Filmen betrifft die Musik. Statt des berühmten Themas von John Williams komponiert Hans Zimmer mit seiner Firma Bleeding Fingers Music. Für viele Fans ist das ein Sakrileg, für HBO eine bewusste Entscheidung: Die Serie soll nach etwas Eigenem klingen. Ob das gelingt, lässt sich nach zwei Teasern nicht beurteilen.
Die eigentliche Herausforderung ist die Zeit. Eine zweite Staffel, «Die Kammer des Schreckens», hat HBO am 06.05.2026 bestellt, noch bevor eine einzige Folge ausgestrahlt war. Der Dreh war für den Herbst 2026 angekündigt, mit Jon Brown als zusätzlichem Showrunner. Einen Jahresrhythmus wird es nicht geben. Die Serie sei dafür «zu gross und zu gewaltig», sagte Bloys im März der «Times». Im September stellte er gegenüber «Deadline» in Aussicht, der Abstand zwischen den Staffeln werde keine zwei Jahre betragen. Rechnet man das hoch, würde die letzte Staffel weit in den 2030er-Jahren ausgestrahlt. Die Kinder, die heute elfjährige Zauberlehrlinge spielen, wären dann erwachsen. Der britische Boulevard meldete im September zudem überarbeitete Drehbücher und einen verschobenen Drehstart für die zweite Staffel; HBO hat das nicht bestätigt.
Auch personell musste HBO bereits umbauen. Für die zweite Staffel übernimmt Kit Harington, bekannt als Jon Snow aus «Game of Thrones», die Rolle des eitlen Lehrers Gilderoy Lockhart. Er ersetzt Nicholas Hoult, der wegen Terminkonflikten ausstieg. Und die wichtigste Figur der ganzen Saga war im März 2026 laut Bloys noch gar nicht besetzt: Lord Voldemort.

Die neuen Gesichter und der Preis des Ruhms
Über 30’000 Kinder kamen laut BBC zum offenen Casting. Ausgewählt wurden Dominic McLaughlin als Harry, Arabella Stanton als Hermine und Alastair Stout als Ron. Das Ensemble der Erwachsenen ist hochkarätig besetzt: John Lithgow spielt Dumbledore, Janet McTeer Professor McGonagall, Nick Frost den Wildhüter Hagrid und Paapa Essiedu den Zaubertrankmeister Severus Snape. Dazu kommen unter anderen Warwick Davis, der schon in den Filmen Professor Flitwick spielte, sowie Paul Whitehouse als Hausmeister Filch und Johnny Flynn als Lucius Malfoy. Lithgow, Jahrgang 1945, wäre am Ende einer zehnjährigen Laufzeit um die 90 Jahre alt; auch das gehört zu den Wetten, die HBO eingeht.
Daniel Radcliffe, der Harry der Filme, hat seinem Nachfolger einen Brief geschrieben. Einen Gastauftritt in der Serie lehnte er schon 2024 ab. Damit überlässt er der neuen Generation die Bühne.
Wie rau das Klima ist, in das diese Generation tritt, zeigte sich früh. Paapa Essiedu, der als Schwarzer die von Alan Rickman geprägte Rolle übernimmt, erhielt nach eigenen Angaben rassistische Hassnachrichten und Morddrohungen. «Niemand sollte so etwas erleben müssen, nur weil er seine Arbeit macht», sagte er der «Sunday Times». HBO reagierte laut «Variety» mit Social-Media-Schulungen und einem Sicherheitsteam für die Besetzung. Pikant: Essiedu gehört zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes für die Rechte von Trans-Personen. Er arbeitet nun an einer Serie, die J.K. Rowling mitproduziert.



Noch heikler ist die Lage der Kinder. Wer mit elf Jahren unterschreibt, bindet sich für bis zu zehn Jahre an eine Rolle, die weltweit beobachtet wird. Der britische Kritiker Caspar Salmon bezweifelte im Magazin «Prospect», dass Kinder die Folgen eines solchen Ruhms abschätzen können. Er erinnerte an Jake Lloyd, den jungen Anakin Skywalker aus «Star Wars», sowie an Maisie Williams aus «Game of Thrones». Welche Schutzmassnahmen HBO speziell für die drei Hauptdarsteller getroffen hat, ist öffentlich nicht beschrieben.
Die Rowling-Frage
Keine Figur prägt die Debatte um die Serie so stark wie die Frau, die Harry Potter erfunden hat. J.K. Rowling vertritt spätestens seit Dezember 2019 öffentlich genderkritische Positionen: Für sie bleibt das biologische Geschlecht für Frauenrechte und geschützte Räume massgeblich. LGBTQ-Organisationen und ein Teil der Fangemeinde werten ihre Äusserungen als transfeindlich, Rowling weist diesen Vorwurf zurück. Seit der Ankündigung der Serie gibt es Aufrufe zum Boykott. Rowling reagierte schon 2023 mit Spott darauf.
Seither hat sich der Konflikt verschärft. Im April 2025 entschied der britische Supreme Court einstimmig, dass mit «Frau» im Gleichstellungsgesetz von 2010 das biologische Geschlecht gemeint ist; das Gericht betonte zugleich, dass Trans-Personen vor Diskriminierung geschützt bleiben. Rowling hatte For Women Scotland finanziell unterstützt, Berichten zufolge mit Zehntausenden Pfund. Das Urteil feierte sie öffentlich. Ende Mai 2025 lancierte sie den J.K. Rowling Women’s Fund, der aus ihrem Privatvermögen Rechtsverfahren zu den geschlechtsbasierten Rechten von Frauen in Grossbritannien und Irland finanziert.

HBO hält dennoch an ihr fest. Rowlings Ansichten seien persönlich und politisch, sie habe ein Recht darauf, sagte Bloys im Mai 2025. Massgebend sei, was auf dem Bildschirm laufe. «Harry Potter wird nicht heimlich mit irgendetwas aufgeladen», so der HBO-Chef im Podcast «The Town». Auf die Frage, ob ihre Ansichten Besetzung oder Produktion erschwert hätten, antwortete er im September gegenüber «Deadline»: «Nicht im Geringsten.» Ihre Rolle ist formal die einer ausführenden Produzentin. Sie schreibt laut eigener Aussage nicht mit, arbeitet aber eng mit den Autoren und hat die ersten zwei Drehbücher gelesen. Wie sie finanziell an der Serie beteiligt ist, ist öffentlich nicht bekannt.
Auch die alte Filmfamilie ist gespalten. Daniel Radcliffe und Rupert Grint stellten sich 2020 öffentlich hinter Trans-Personen. Emma Watson bedauerte 2025 in einem Podcast, dass mit Rowling nie ein Gespräch zustande gekommen sei. Die Autorin antwortete auf X mit einer Spitze: «Kein Schauspieler, der einst eine meiner Figuren spielte, schuldet mir ewige Zustimmung.» Zugleich warf sie Watson Unkenntnis vor. Für die Zuschauer stellt sich eine alte Frage neu: Lässt sich das Werk von seiner Urheberin trennen? Die einen sehen in jedem Abo eine Unterstützung für Rowling, die anderen halten genau diese Gleichsetzung für den eigentlichen Übergriff, weil sie Kunst unter Gesinnungsvorbehalt stellt.
Wem Hogwarts jetzt gehört
Die Serie startet in einem Konzern, den es so nicht mehr gibt. Im Dezember 2025 hatte sich Netflix mit Warner Bros. Discovery auf den Kauf von Filmstudio und HBO Max geeinigt, für 27.75 Dollar je Aktie. Dann bot Paramount Skydance 31 Dollar je Aktie für den ganzen Konzern, rund 111 Milliarden Dollar. Der Verwaltungsrat stufte das als überlegen ein, Netflix stieg im Februar 2026 aus. Zwölf US-Bundesstaaten klagten im Juli gegen die Fusion und erzwangen einen Vollzugsstopp. Der Vergleich vom September kostete Auflagen: 1,5 Milliarden Dollar für die Filmproduktion in den USA, mindestens 30 Kinofilme pro Jahr und ein Gremium, das die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN und CBS sichern soll.
Seit dem 06.10.2026 ist die Übernahme vollzogen. Der neue Konzern heisst Skydance, an der Spitze steht David Ellison. Finanziert wurde der Deal unter anderem mit 47 Milliarden Dollar neuem Eigenkapital, das auch von den Staatsfonds Saudi-Arabiens und Katars sowie vom Abu-Dhabi-Investor L’IMAD stammt. Zusammen zählt der Konzern über 200 Millionen Streaming-Abos. HBO Max und Paramount+ sollen laut Ellison zunächst gebündelt und später zu einem Dienst verschmolzen werden; einen Zeitplan gibt es nicht. Wer heute ein HBO-Max-Abo für Harry Potter abschliesst, weiss also nicht, unter welchem Namen er die zweite Staffel sieht.
Für den neuen Eigentümer ist Harry Potter die wertvollste Marke im Regal. HBO Max kam Ende 2025 auf 131,6 Millionen Abos, im ersten Quartal 2026 auf deutlich über 140 Millionen. Für das zweite Quartal nannte der Konzern keine Gesamtzahl mehr. Die Serie soll diese Kurve wieder steiler machen. Und sie ist nur die Eingangstür zu einem ganzen Ökosystem.
| Das Harry-Potter-Geschäft | Kennzahl |
|---|---|
| Acht Kinofilme, Einspiel weltweit | rund 7,8 Milliarden Dollar |
| Erfolgreichster Film | «Die Heiligtümer des Todes, Teil 2»: rund 1,36 Milliarden Dollar mit Wiederaufführungen |
| Videospiel «Hogwarts Legacy» | über 40 Millionen verkaufte Exemplare |
| Studio Tour London (2024) | 263,5 Millionen Pfund Umsatz, 113,4 Millionen Pfund Gewinn vor Steuern |
| Bühnenstück «Cursed Child», London | über 3 Millionen verkaufte Tickets |
| Themenparks von Universal | Umsatz im ersten Quartal 2026: 2,3 Milliarden Dollar (+24,2 %), getrieben vom neuen Park Epic Universe |
| In Planung | Studio Tour in Shanghai (2027), Harry-Potter-Welt in Abu Dhabi |

Die Studios in Leavesden, wo die Serie entsteht, werden um zehn Bühnen und mehr als die Hälfte ihrer Kapazität erweitert, fertig im Jahr 2027. Die Zahlen erklären, warum ein Konzern bereit ist, eine Geschichte ein zweites Mal zu verfilmen, die er schon einmal erfolgreich erzählt hat. Es geht nicht um ein Remake. Es geht darum, eine Marke für die nächsten zwanzig Jahre zu sichern, mit Kindern, die die Filme nie im Kino gesehen haben.
Was der Zauber die Schweiz kostet
Seit dem 13.01.2026 ist HBO Max in der Schweiz verfügbar, gleichzeitig mit Deutschland und Österreich. Das Basis-Abo mit Werbung kostet 9.90 Franken im Monat, das Standard-Abo 16.90 und das Premium-Abo mit 4K und vier Streams 23.90 Franken. Für Sport kommen 7 Franken dazu. In Deutschland kosten die gleichen Stufen 5.99, 11.99 und 16.99 Euro, die Sport-Option 3 Euro. Nominal, also ohne Wechselkurs verglichen, zahlen Schweizer Kunden damit 41 bis 65 Prozent mehr, beim Sport sogar mehr als das Doppelte. In Deutschland steigen die Preise ab 01.01.2027 um je einen Euro. Ob die Schweiz folgt, ist offen.

Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland erklärt das Muster nüchtern: «Viele Streamingdienste versuchen, die hohe Kaufkraft der Schweizer Kundinnen und Kunden abzuschöpfen.» HBO Max ist dabei kein Ausreisser, sondern die Regel. Wer die sechs grossen Dienste Netflix, Disney+, Prime Video, Apple TV, Sky Show und HBO Max gleichzeitig abonniert, zahlt in den Einstiegs-Abos 68.49 Franken im Monat, in den Standard-Abos 95.49 Franken und in den Premium-Abos 122.99 Franken. Aufs Jahr gerechnet sind das zwischen 822 und 1’476 Franken.

Für die Schweiz hat der Start von HBO Max zudem eine Eigenheit. Bisher liefen HBO-Serien hierzulande vor allem bei Sky Show. Ein Teil dieser Inhalte verschwand dort per 01.01.2026. Laut Sky-Schweiz-Chef Eric Grignon kommen neue Staffeln grosser HBO-Titel wie «House of the Dragon» oder «The Last of Us» aber weiterhin zu Sky; HBO mache weniger als 20 Prozent des Serienkatalogs aus. Die neue Potter-Serie dagegen läuft exklusiv bei HBO Max. Wer beides will, das volle HBO-Programm und Hogwarts, zahlt für Sky Show Standard und HBO Max Standard zusammen 34.80 Franken im Monat.
Es gibt eine günstigere Strategie, die Streaming-Anbieter ungern sehen: Erscheint die Staffel wie erwartet im Wochenrhythmus, reichen zwei Monatsabos. Das wären 19.80 Franken im Basis-Abo oder 47.80 Franken in der Premium-Stufe. Alle acht Kinofilme sind in der Schweiz ebenfalls bei HBO Max abrufbar.
Die Schweiz war übrigens immer Potter-Land. «Der Gefangene von Askaban» war 2004 mit 608’204 Eintritten der meistbesuchte Kinofilm des Jahres. Heute füllt die Saga Konzertsäle: Im KKL Luzern spielt das 21st Century Orchestra unter Ludwig Wicki die Filmmusik live zum Film, im Februar 2027 steht «Die Heiligtümer des Todes, Teil 2» auf dem Programm.

Kann das gutgehen?
Die ersten Reaktionen auf den Teaser fielen gespalten aus. Nostalgie stand gegen Kritik an fahlen Farben, an der fehlenden John-Williams-Musik und an der grossen Nähe zu den Filmen. Manche Kommentatoren fragten, wozu man eine Geschichte neu verfilmt, die in den Filmen bereits auf derselben Plattform abrufbar ist. Der zweite Teaser wirkte farbiger und abenteuerlicher, als hätte HBO zugehört. Kritiken gibt es bis Mitte Oktober keine.
Für die Serie spricht, was die Filme nicht leisten konnten. Ein Buch auf acht Folgen zu verteilen, lässt Raum für Nebenfiguren, für die Welt jenseits der Hauptschauplätze und für die leisen Momente, die im Kino der Dramaturgie geopfert wurden. HBO hat mit «Game of Thrones» und «The Last of Us» bewiesen, dass es grosse Vorlagen ernst nehmen kann. Und eine neue Generation von Kindern wird Hogwarts nicht als Remake erleben, sondern als Erstbegegnung.
Gegen die Serie spricht die Summe der Risiken: eine Laufzeit bis weit in die 2030er-Jahre, Kinder, die schneller altern als die Drehbücher, ein neuer Eigentümer mit eigenen Plänen für seine Streamingdienste und eine Autorin, deren Name für viele Zuschauer zur Gewissensfrage geworden ist. Hinzu kommt der Massstab. Die Filme sind für Millionen Menschen Kindheitserinnerung. Gegen Erinnerungen hat noch kein Remake gewonnen.
Arena: Pflichttermin oder überflüssig?
Pro: Pflichttermin an Weihnachten
- Werktreue durch Länge: Acht Stunden pro Buch statt zweieinhalb im Kino geben Figuren und Nebensträngen Raum, die in den Filmen fehlten.
- Belegte Nachfrage: 277 Millionen Abrufe des Teasers in 48 Stunden sind ein Rekord für HBO.
- Neue Generation: Familien können die Geschichte gemeinsam neu entdecken, Woche für Woche.
- Starkes Ensemble: Über 30’000 Kinder beim Casting, dazu Lithgow, McTeer, Essiedu und Frost.
- Qualitätsversprechen: Die Macher von «Succession» und ein Sender mit Erfahrung bei grossen Vorlagen.
Contra: Überflüssig, die Filme reichen
- Remake ohne Not: Die Filme sind 15 bis 25 Jahre alt und auf derselben Plattform abrufbar.
- Rowling-Faktor: Boykott-Befürworter argumentieren, wer abonniere, stärke indirekt eine Autorin, die ihr Vermögen für einen umstrittenen gesellschaftspolitischen Kampf einsetzt.
- Kinderschutz: Ein auf zehn Jahre angelegtes Projekt mit Elfjährigen, in einem Klima von Hass im Netz.
- Preis: Schweizer zahlen nominal 41 bis 65 Prozent mehr als Deutsche, sechs Dienste kosten bis 123 Franken im Monat.
- Unsicherheit: Neuer Eigentümer, angekündigte Fusion der Dienste, keine jährlichen Staffeln.
Kommentar: Hogwarts verdient eine Chance, die Preise nicht
Man kann diese Serie aus vielen Gründen ablehnen. Einige davon sind gut. Doch der Reflex, ein Werk wegen der Haltung seiner Urheberin zu meiden, ist eine private Entscheidung, keine moralische Pflicht. Wer Rowlings Positionen falsch findet, darf das sagen und darf abschalten. Wer die Geschichte eines Jungen sehen will, der lernt, dass Mut und Freundschaft stärker sind als Herkunft, sollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen. Gerade eine Plattform wie diese, die Positionen angreift und nicht Menschen, sollte diesen Unterschied verteidigen.
Kritischer als die Kulturfrage ist die Geschäftsfrage. HBO hat das Recht, Harry Potter neu zu erzählen. Aber die Rechnung, die dem Schweizer Publikum präsentiert wird, ist schwer zu rechtfertigen. Wenn derselbe Dienst in Zürich nominal bis zu 65 Prozent mehr kostet als in München, dann ist das keine Zauberei, sondern Preisdifferenzierung nach Kaufkraft. Die Antwort darauf ist so alt wie das Abo selbst: abschliessen, schauen, kündigen.
Und eine Bitte an HBO gehört auch hierher. Drei Kinder tragen ab Weihnachten eine Milliardenmarke auf ihren Schultern, in einem Netz, das schon den erwachsenen Kollegen mit Morddrohungen begegnet. Ein Konzern, der für diese Serie Milliarden bewegt, sollte offenlegen, wie er sie schützt. Das wäre der Zauber, der am meisten zählt.
Alle Angaben Stand 18.10.2026. Der Ausstrahlungsrhythmus, das Budget und die finanzielle Beteiligung von J.K. Rowling sind offiziell nicht bestätigt. Streaming-Preise gemäss Moneyland (Dezember 2025) und PCtipp (Januar 2026), Änderungen vorbehalten; HBO Max Schweiz und Deutschland nominal und ohne Wechselkurs verglichen.
Mehr zum Thema: Lizenz zum Warten: Das Milliardenpoker um den neuen James Bond · Die Stars, die es nicht gibt: Wie KI-Sänger die Hitparaden kapern · Grand Theft Auto VI: Dreizehn Jahre Warten und ein Fieber, das die Welt erfasst
Quellen
- Warner Bros. Discovery: Mitteilung zum Trailer und zur Premiere (27.03.2026)
- The Hollywood Reporter India: Erster Trailer und Premiere
- Advanced Television: Rekord für den Teaser (30.03.2026)
- Variety: Zweite Staffel bestellt (06.05.2026)
- Variety: Casey Bloys über die Serie (24.03.2026)
- Gulf News, nach «The Times»: Kein Jahresrhythmus (30.03.2026)
- ComicBookMovie, nach «Deadline»: Bloys zum Staffelabstand und zu Rowling (16.09.2026)
- TVLine: Kit Harington ersetzt Nicholas Hoult (24.08.2026)
- CNN, via CP24: Was der Trailer verrät (26.03.2026)
- The Hollywood Reporter: Reaktionen auf den Teaser (25.03.2026)
- kino.de: Trailer einen Tag zu spät (02.09.2026)
- CBS News: Die Besetzung des Trios (27.05.2025)
- SlashFilm: Paapa Essiedu über die Anfeindungen (23.03.2026)
- Variety, nach der «Sunday Times»: Paapa Essiedu über Morddrohungen (22.03.2026)
- Prospect: Caspar Salmon über die Kinderdarsteller (03.06.2025)
- PinkNews: Casey Bloys zu J.K. Rowling (05.05.2025)
- AP, via Boston Globe: Urteil des britischen Supreme Court (16.04.2025)
- Complex: Rowling verteidigt Maya Forstater (19.12.2019)
- PinkNews: Der J.K. Rowling Women’s Fund (26.05.2025)
- PinkNews: Rowling antwortet Emma Watson (29.09.2025)
- Far Out: Rowlings Rolle bei der Serie (22.06.2025)
- Sky News, via kmfm: Netflix zieht sich zurück (27.02.2026)
- Washington State Standard: Vergleich mit den Bundesstaaten (21.09.2026)
- Skydance: Mitteilung zum Vollzug der Übernahme (06.10.2026)
- BGR: HBO Max und Paramount+ sollen zusammengehen (08.10.2026)
- Variety: 131,6 Millionen HBO-Max-Abos (26.02.2026)
- Box Office Mojo: «Die Heiligtümer des Todes, Teil 2», weltweites Einspiel (abgerufen 18.10.2026)
- City AM: Zahlen der Studio Tour London (06.10.2025)
- Push Square: Hogwarts Legacy über 40 Millionen (17.12.2025)
- Blooloop: Universal-Themenparks im ersten Quartal 2026 (24.04.2026)
- Moneyland: HBO Max in der Schweiz (04.12.2025)
- Moneyland: Streaming-Preise in der Schweiz (18.12.2025)
- PCtipp: HBO Max startet in der Schweiz (13.01.2026)
- Serienjunkies: Preise in Deutschland (03.12.2025)
- Galaxus: Interview mit Sky-Schweiz-Chef Eric Grignon (18.12.2025)
- Swissinfo: Kinojahr 2004 in der Schweiz (13.03.2005)
- Luzern Tourismus: Filmkonzert im KKL



Kommentare 0