Sonntag, 18. Oktober 2026
Zürich · SMI · EUR/CHF
Die Schweiz. Ungeschminkt. Diskutiert.
Wirtschaft · HBO Max · Weihnachten 2026 · J.K. Rowling
Analyse

Hogwarts im Abo: Die neue Harry-Potter-Serie und das Milliardengeschäft mit der Nostalgie

Am 25.12.2026 startet HBO die neue Harry-Potter-Serie. Sie soll eine Generation an ein Abo binden, einen Konzernverkauf für rund 111 Milliarden Dollar rechtfertigen und die Rowling-Debatte aushalten. Eine Analyse, auch zur Frage, warum die Schweiz mehr bezahlt.

Der Dampfzug The Jacobite auf dem Glenfinnan-Viadukt in Schottland, aus den Filmen als Hogwarts-Express bekannt
Bild: Daniel Kraft, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Am Weihnachtstag öffnet sich der Schrank unter der Treppe ein zweites Mal. Am Freitag, 25.12.2026, zeigt HBO die erste Folge von «Harry Potter und der Stein der Weisen». Es ist der Auftakt zu einer Serie, die sieben Bücher in sieben Staffeln erzählen und rund zehn Jahre laufen soll. Der erste Teaser wurde in 48 Stunden 277 Millionen Mal abgerufen, so oft wie kein Trailer in der Geschichte des Senders. Doch hinter dem Zauber steht eine nüchterne Rechnung: Ein Konzern, der eben für rund 111 Milliarden Dollar den Besitzer gewechselt hat, braucht eine Marke, die eine ganze Generation an ein Abo bindet. Und wer in der Schweiz nach Hogwarts will, zahlt dafür deutlich mehr als die Fans in Deutschland.

Die neue Harry-Potter-Serie ist deshalb mehr als ein Remake. Sie ist ein Geschäftsmodell, ein Kulturkampf und ein Experiment mit drei Kindern, die das Projekt über ein Jahrzehnt tragen sollen. Bei Warner Bros. Discovery nannte man das Projekt das grösste Streaming-Ereignis in der Geschichte von HBO Max. Ob es das wird, entscheidet sich ab Weihnachten. Was bereits feststeht, was offen ist und was die Serie die Schweizer Zuschauer kostet: eine Vermessung.

SteckbriefHarry Potter und der Stein der Weisen
StartFreitag, 25.12.2026, auf HBO und HBO Max, in der Schweiz auf HBO Max
UmfangStaffel 1 mit acht Folgen; der Ausstrahlungsrhythmus ist offiziell noch nicht bestätigt
PlanSieben Bücher in sieben Staffeln, Laufzeit rund zehn Jahre
MacherShowrunnerin Francesca Gardiner, Regie bei mehreren Folgen Mark Mylod (beide «Succession»)
HauptrollenDominic McLaughlin (Harry), Arabella Stanton (Hermine), Alastair Stout (Ron)
ErwachseneJohn Lithgow (Dumbledore), Janet McTeer (McGonagall), Paapa Essiedu (Snape), Nick Frost (Hagrid)
MusikHans Zimmer mit Bleeding Fingers Music
DrehortWarner Bros. Studios Leavesden, Grossbritannien
J.K. RowlingAusführende Produzentin, schreibt nicht mit
Preis SchweizHBO Max ab 9.90 Franken im Monat (mit Werbung)

Ein Weihnachtsgeschenk mit Kalkül

Lange sah es nach 2027 aus. Noch im November 2024 und erneut Ende Januar 2026 sprach HBO-Chef Casey Bloys von einem Start «Anfang 2027». Zwei Monate später kam die Kehrtwende: Mit dem ersten Teaser kündigte der Sender am 25.03.2026 Weihnachten 2026 an, einen Tag bevor HBO Max in Grossbritannien und Irland startete. Eine nähere Begründung für das frühere Datum lieferte HBO nicht. Wer nachrechnet, erkennt allerdings, dass sich am Kern wenig ändert. Sollte HBO die acht Folgen wie bei seinen grossen Serien üblich im Wochenrhythmus ausstrahlen, läge der grösste Teil der Staffel ohnehin im Jahr 2027. Einen offiziellen Sendeplan gibt es bis heute nicht; die Kalender, die im Netz kursieren, sind Hochrechnungen von Fans.

Die Wirkung des Datums ist dagegen messbar. Der erste Teaser kam laut Warner Bros. Discovery in 48 Stunden auf 277 Millionen organische Abrufe, mehr als doppelt so viele wie der bisherige Rekordhalter des Senders, die zweite Staffel von «The Last of Us». Nach 72 Stunden waren es 308 Millionen. Der zweite offizielle Teaser folgte am 02.09.2026, einen Tag nach dem Datum, an dem in den Büchern der Hogwarts-Express abfährt. Dass HBO diesen symbolischen 1. September verpasste, nahmen ihm Fans im Netz übel. Es ist ein Detail, aber es zeigt, wie genau dieses Publikum hinschaut.

Der erste Teaser vom 25.03.2026: 277 Millionen Abrufe in 48 Stunden, ein Rekord für HBO. Video: Youtube

Die Harry-Potter-Serie: sieben Bücher, zehn Jahre, ein Versprechen

Das Konzept ist schnell erklärt und schwer umzusetzen. Jede Staffel soll ein Buch erzählen, vollständig und werkgetreu. Für das erste Buch nehmen sich Showrunnerin Francesca Gardiner und Regisseur Mark Mylod acht Folgen Zeit, der erste Kinofilm dauerte gut zweieinhalb Stunden. Gardiner schrieb an der HBO-Serie «Succession» mit, Mylod führte dort Regie; beide stehen für das Prestigefernsehen, auf das HBO seinen Ruf gebaut hat. Mit David Heyman ist zudem der Produzent aller acht Kinofilme wieder dabei.

Die auffälligste Abkehr von den Filmen betrifft die Musik. Statt des berühmten Themas von John Williams komponiert Hans Zimmer mit seiner Firma Bleeding Fingers Music. Für viele Fans ist das ein Sakrileg, für HBO eine bewusste Entscheidung: Die Serie soll nach etwas Eigenem klingen. Ob das gelingt, lässt sich nach zwei Teasern nicht beurteilen.

Zwischenfrage · Abstimmen, dann weiterlesen
Harry Potter als Serie: Pflichttermin an Weihnachten oder überflüssiges Remake?
Pflichttermin 0 %Überflüssig, die Filme reichen 100 %
1 Stimme

Die eigentliche Herausforderung ist die Zeit. Eine zweite Staffel, «Die Kammer des Schreckens», hat HBO am 06.05.2026 bestellt, noch bevor eine einzige Folge ausgestrahlt war. Der Dreh war für den Herbst 2026 angekündigt, mit Jon Brown als zusätzlichem Showrunner. Einen Jahresrhythmus wird es nicht geben. Die Serie sei dafür «zu gross und zu gewaltig», sagte Bloys im März der «Times». Im September stellte er gegenüber «Deadline» in Aussicht, der Abstand zwischen den Staffeln werde keine zwei Jahre betragen. Rechnet man das hoch, würde die letzte Staffel weit in den 2030er-Jahren ausgestrahlt. Die Kinder, die heute elfjährige Zauberlehrlinge spielen, wären dann erwachsen. Der britische Boulevard meldete im September zudem überarbeitete Drehbücher und einen verschobenen Drehstart für die zweite Staffel; HBO hat das nicht bestätigt.

Auch personell musste HBO bereits umbauen. Für die zweite Staffel übernimmt Kit Harington, bekannt als Jon Snow aus «Game of Thrones», die Rolle des eitlen Lehrers Gilderoy Lockhart. Er ersetzt Nicholas Hoult, der wegen Terminkonflikten ausstieg. Und die wichtigste Figur der ganzen Saga war im März 2026 laut Bloys noch gar nicht besetzt: Lord Voldemort.

04.2023 Warner Bros. Discovery kündigt die Serie an
27.05.2025 Das Trio Dominic McLaughlin, Arabella Stanton und Alastair Stout wird vorgestellt
13.01.2026 HBO Max startet in der Schweiz, in Deutschland und Österreich
25.03.2026 Erster Teaser, Premiere auf Weihnachten 2026 vorgezogen
05.04.2026 Making-of «Finding Harry» auf HBO, erzählt von Nick Frost
06.05.2026 HBO bestellt die zweite Staffel
24.08.2026 Kit Harington ersetzt Nicholas Hoult als Gilderoy Lockhart
02.09.2026 Zweiter offizieller Teaser
06.10.2026 Die Übernahme durch Skydance ist vollzogen
25.12.2026 Premiere der ersten Folge
Das Modell von Hogwarts in den Warner Bros. Studios Leavesden, wo die Harry-Potter-Serie gedreht wird
Das Modell von Hogwarts in den Studios von Leavesden. Hier entstanden die Filme, hier wird auch die neue Serie gedreht. Bild: CapStudio / Clementp.fr, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die neuen Gesichter und der Preis des Ruhms

Über 30’000 Kinder kamen laut BBC zum offenen Casting. Ausgewählt wurden Dominic McLaughlin als Harry, Arabella Stanton als Hermine und Alastair Stout als Ron. Das Ensemble der Erwachsenen ist hochkarätig besetzt: John Lithgow spielt Dumbledore, Janet McTeer Professor McGonagall, Nick Frost den Wildhüter Hagrid und Paapa Essiedu den Zaubertrankmeister Severus Snape. Dazu kommen unter anderen Warwick Davis, der schon in den Filmen Professor Flitwick spielte, sowie Paul Whitehouse als Hausmeister Filch und Johnny Flynn als Lucius Malfoy. Lithgow, Jahrgang 1945, wäre am Ende einer zehnjährigen Laufzeit um die 90 Jahre alt; auch das gehört zu den Wetten, die HBO eingeht.

Daniel Radcliffe, der Harry der Filme, hat seinem Nachfolger einen Brief geschrieben. Einen Gastauftritt in der Serie lehnte er schon 2024 ab. Damit überlässt er der neuen Generation die Bühne.

Wie rau das Klima ist, in das diese Generation tritt, zeigte sich früh. Paapa Essiedu, der als Schwarzer die von Alan Rickman geprägte Rolle übernimmt, erhielt nach eigenen Angaben rassistische Hassnachrichten und Morddrohungen. «Niemand sollte so etwas erleben müssen, nur weil er seine Arbeit macht», sagte er der «Sunday Times». HBO reagierte laut «Variety» mit Social-Media-Schulungen und einem Sicherheitsteam für die Besetzung. Pikant: Essiedu gehört zu den Unterzeichnern eines offenen Briefes für die Rechte von Trans-Personen. Er arbeitet nun an einer Serie, die J.K. Rowling mitproduziert.

Der Schauspieler John LithgowDer Schauspieler Paapa Essiedu an der Berlinale 2024Der Schauspieler Nick Frost
Die erfahrenen Kräfte des Ensembles: John Lithgow (Dumbledore), Paapa Essiedu (Snape) und Nick Frost (Hagrid). Bilder: David Shankbone, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons; Martin Kraft, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; Super Festivals from Ft. Lauderdale, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Noch heikler ist die Lage der Kinder. Wer mit elf Jahren unterschreibt, bindet sich für bis zu zehn Jahre an eine Rolle, die weltweit beobachtet wird. Der britische Kritiker Caspar Salmon bezweifelte im Magazin «Prospect», dass Kinder die Folgen eines solchen Ruhms abschätzen können. Er erinnerte an Jake Lloyd, den jungen Anakin Skywalker aus «Star Wars», sowie an Maisie Williams aus «Game of Thrones». Welche Schutzmassnahmen HBO speziell für die drei Hauptdarsteller getroffen hat, ist öffentlich nicht beschrieben.

Die Rowling-Frage

Keine Figur prägt die Debatte um die Serie so stark wie die Frau, die Harry Potter erfunden hat. J.K. Rowling vertritt spätestens seit Dezember 2019 öffentlich genderkritische Positionen: Für sie bleibt das biologische Geschlecht für Frauenrechte und geschützte Räume massgeblich. LGBTQ-Organisationen und ein Teil der Fangemeinde werten ihre Äusserungen als transfeindlich, Rowling weist diesen Vorwurf zurück. Seit der Ankündigung der Serie gibt es Aufrufe zum Boykott. Rowling reagierte schon 2023 mit Spott darauf.

Seither hat sich der Konflikt verschärft. Im April 2025 entschied der britische Supreme Court einstimmig, dass mit «Frau» im Gleichstellungsgesetz von 2010 das biologische Geschlecht gemeint ist; das Gericht betonte zugleich, dass Trans-Personen vor Diskriminierung geschützt bleiben. Rowling hatte For Women Scotland finanziell unterstützt, Berichten zufolge mit Zehntausenden Pfund. Das Urteil feierte sie öffentlich. Ende Mai 2025 lancierte sie den J.K. Rowling Women’s Fund, der aus ihrem Privatvermögen Rechtsverfahren zu den geschlechtsbasierten Rechten von Frauen in Grossbritannien und Irland finanziert.

J.K. Rowling im Jahr 2010
J.K. Rowling ist ausführende Produzentin der Serie. Laut eigener Aussage schreibt sie nicht mit, arbeitet aber eng mit den Autoren zusammen. Bild: Daniel Ogren, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

HBO hält dennoch an ihr fest. Rowlings Ansichten seien persönlich und politisch, sie habe ein Recht darauf, sagte Bloys im Mai 2025. Massgebend sei, was auf dem Bildschirm laufe. «Harry Potter wird nicht heimlich mit irgendetwas aufgeladen», so der HBO-Chef im Podcast «The Town». Auf die Frage, ob ihre Ansichten Besetzung oder Produktion erschwert hätten, antwortete er im September gegenüber «Deadline»: «Nicht im Geringsten.» Ihre Rolle ist formal die einer ausführenden Produzentin. Sie schreibt laut eigener Aussage nicht mit, arbeitet aber eng mit den Autoren und hat die ersten zwei Drehbücher gelesen. Wie sie finanziell an der Serie beteiligt ist, ist öffentlich nicht bekannt.

Auch die alte Filmfamilie ist gespalten. Daniel Radcliffe und Rupert Grint stellten sich 2020 öffentlich hinter Trans-Personen. Emma Watson bedauerte 2025 in einem Podcast, dass mit Rowling nie ein Gespräch zustande gekommen sei. Die Autorin antwortete auf X mit einer Spitze: «Kein Schauspieler, der einst eine meiner Figuren spielte, schuldet mir ewige Zustimmung.» Zugleich warf sie Watson Unkenntnis vor. Für die Zuschauer stellt sich eine alte Frage neu: Lässt sich das Werk von seiner Urheberin trennen? Die einen sehen in jedem Abo eine Unterstützung für Rowling, die anderen halten genau diese Gleichsetzung für den eigentlichen Übergriff, weil sie Kunst unter Gesinnungsvorbehalt stellt.

Wem Hogwarts jetzt gehört

Die Serie startet in einem Konzern, den es so nicht mehr gibt. Im Dezember 2025 hatte sich Netflix mit Warner Bros. Discovery auf den Kauf von Filmstudio und HBO Max geeinigt, für 27.75 Dollar je Aktie. Dann bot Paramount Skydance 31 Dollar je Aktie für den ganzen Konzern, rund 111 Milliarden Dollar. Der Verwaltungsrat stufte das als überlegen ein, Netflix stieg im Februar 2026 aus. Zwölf US-Bundesstaaten klagten im Juli gegen die Fusion und erzwangen einen Vollzugsstopp. Der Vergleich vom September kostete Auflagen: 1,5 Milliarden Dollar für die Filmproduktion in den USA, mindestens 30 Kinofilme pro Jahr und ein Gremium, das die redaktionelle Unabhängigkeit von CNN und CBS sichern soll.

Seit dem 06.10.2026 ist die Übernahme vollzogen. Der neue Konzern heisst Skydance, an der Spitze steht David Ellison. Finanziert wurde der Deal unter anderem mit 47 Milliarden Dollar neuem Eigenkapital, das auch von den Staatsfonds Saudi-Arabiens und Katars sowie vom Abu-Dhabi-Investor L’IMAD stammt. Zusammen zählt der Konzern über 200 Millionen Streaming-Abos. HBO Max und Paramount+ sollen laut Ellison zunächst gebündelt und später zu einem Dienst verschmolzen werden; einen Zeitplan gibt es nicht. Wer heute ein HBO-Max-Abo für Harry Potter abschliesst, weiss also nicht, unter welchem Namen er die zweite Staffel sieht.

Für den neuen Eigentümer ist Harry Potter die wertvollste Marke im Regal. HBO Max kam Ende 2025 auf 131,6 Millionen Abos, im ersten Quartal 2026 auf deutlich über 140 Millionen. Für das zweite Quartal nannte der Konzern keine Gesamtzahl mehr. Die Serie soll diese Kurve wieder steiler machen. Und sie ist nur die Eingangstür zu einem ganzen Ökosystem.

Das Harry-Potter-GeschäftKennzahl
Acht Kinofilme, Einspiel weltweitrund 7,8 Milliarden Dollar
Erfolgreichster Film«Die Heiligtümer des Todes, Teil 2»: rund 1,36 Milliarden Dollar mit Wiederaufführungen
Videospiel «Hogwarts Legacy»über 40 Millionen verkaufte Exemplare
Studio Tour London (2024)263,5 Millionen Pfund Umsatz, 113,4 Millionen Pfund Gewinn vor Steuern
Bühnenstück «Cursed Child», Londonüber 3 Millionen verkaufte Tickets
Themenparks von UniversalUmsatz im ersten Quartal 2026: 2,3 Milliarden Dollar (+24,2 %), getrieben vom neuen Park Epic Universe
In PlanungStudio Tour in Shanghai (2027), Harry-Potter-Welt in Abu Dhabi
Quellen: Box-Office-Daten, Push Square, City AM, The Ticketing Business, Blooloop, Aktionärsbrief Warner Bros. Discovery (Q2 2026).
Die Grosse Halle von Hogwarts in der Warner Bros. Studio Tour London
Die Grosse Halle in der Studio Tour London: 2024 setzte die Attraktion 263,5 Millionen Pfund um. Bild: Ank Kumar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Studios in Leavesden, wo die Serie entsteht, werden um zehn Bühnen und mehr als die Hälfte ihrer Kapazität erweitert, fertig im Jahr 2027. Die Zahlen erklären, warum ein Konzern bereit ist, eine Geschichte ein zweites Mal zu verfilmen, die er schon einmal erfolgreich erzählt hat. Es geht nicht um ein Remake. Es geht darum, eine Marke für die nächsten zwanzig Jahre zu sichern, mit Kindern, die die Filme nie im Kino gesehen haben.

Was der Zauber die Schweiz kostet

Seit dem 13.01.2026 ist HBO Max in der Schweiz verfügbar, gleichzeitig mit Deutschland und Österreich. Das Basis-Abo mit Werbung kostet 9.90 Franken im Monat, das Standard-Abo 16.90 und das Premium-Abo mit 4K und vier Streams 23.90 Franken. Für Sport kommen 7 Franken dazu. In Deutschland kosten die gleichen Stufen 5.99, 11.99 und 16.99 Euro, die Sport-Option 3 Euro. Nominal, also ohne Wechselkurs verglichen, zahlen Schweizer Kunden damit 41 bis 65 Prozent mehr, beim Sport sogar mehr als das Doppelte. In Deutschland steigen die Preise ab 01.01.2027 um je einen Euro. Ob die Schweiz folgt, ist offen.

Grafik: HBO-Max-Monatspreise in der Schweiz und in Deutschland im Vergleich
HBO Max in der Schweiz und in Deutschland: gleiche Abo-Stufen, unterschiedliche Preise. Grafik: Expertistan

Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland erklärt das Muster nüchtern: «Viele Streamingdienste versuchen, die hohe Kaufkraft der Schweizer Kundinnen und Kunden abzuschöpfen.» HBO Max ist dabei kein Ausreisser, sondern die Regel. Wer die sechs grossen Dienste Netflix, Disney+, Prime Video, Apple TV, Sky Show und HBO Max gleichzeitig abonniert, zahlt in den Einstiegs-Abos 68.49 Franken im Monat, in den Standard-Abos 95.49 Franken und in den Premium-Abos 122.99 Franken. Aufs Jahr gerechnet sind das zwischen 822 und 1’476 Franken.

Grafik: Monatspreise der Standard-Abos von sechs Streamingdiensten in der Schweiz
Sechs Dienste, ein Haushalt: Monatspreise der Standard-Abos in der Schweiz. Grafik: Expertistan

Für die Schweiz hat der Start von HBO Max zudem eine Eigenheit. Bisher liefen HBO-Serien hierzulande vor allem bei Sky Show. Ein Teil dieser Inhalte verschwand dort per 01.01.2026. Laut Sky-Schweiz-Chef Eric Grignon kommen neue Staffeln grosser HBO-Titel wie «House of the Dragon» oder «The Last of Us» aber weiterhin zu Sky; HBO mache weniger als 20 Prozent des Serienkatalogs aus. Die neue Potter-Serie dagegen läuft exklusiv bei HBO Max. Wer beides will, das volle HBO-Programm und Hogwarts, zahlt für Sky Show Standard und HBO Max Standard zusammen 34.80 Franken im Monat.

Es gibt eine günstigere Strategie, die Streaming-Anbieter ungern sehen: Erscheint die Staffel wie erwartet im Wochenrhythmus, reichen zwei Monatsabos. Das wären 19.80 Franken im Basis-Abo oder 47.80 Franken in der Premium-Stufe. Alle acht Kinofilme sind in der Schweiz ebenfalls bei HBO Max abrufbar.

Die Schweiz war übrigens immer Potter-Land. «Der Gefangene von Askaban» war 2004 mit 608’204 Eintritten der meistbesuchte Kinofilm des Jahres. Heute füllt die Saga Konzertsäle: Im KKL Luzern spielt das 21st Century Orchestra unter Ludwig Wicki die Filmmusik live zum Film, im Februar 2027 steht «Die Heiligtümer des Todes, Teil 2» auf dem Programm.

Das Kultur- und Kongresszentrum Luzern
Das KKL Luzern: Hier läuft die Filmmusik der Harry-Potter-Filme regelmässig live, im Februar 2027 der letzte Teil. Bild: Photones, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kann das gutgehen?

Die ersten Reaktionen auf den Teaser fielen gespalten aus. Nostalgie stand gegen Kritik an fahlen Farben, an der fehlenden John-Williams-Musik und an der grossen Nähe zu den Filmen. Manche Kommentatoren fragten, wozu man eine Geschichte neu verfilmt, die in den Filmen bereits auf derselben Plattform abrufbar ist. Der zweite Teaser wirkte farbiger und abenteuerlicher, als hätte HBO zugehört. Kritiken gibt es bis Mitte Oktober keine.

Für die Serie spricht, was die Filme nicht leisten konnten. Ein Buch auf acht Folgen zu verteilen, lässt Raum für Nebenfiguren, für die Welt jenseits der Hauptschauplätze und für die leisen Momente, die im Kino der Dramaturgie geopfert wurden. HBO hat mit «Game of Thrones» und «The Last of Us» bewiesen, dass es grosse Vorlagen ernst nehmen kann. Und eine neue Generation von Kindern wird Hogwarts nicht als Remake erleben, sondern als Erstbegegnung.

Gegen die Serie spricht die Summe der Risiken: eine Laufzeit bis weit in die 2030er-Jahre, Kinder, die schneller altern als die Drehbücher, ein neuer Eigentümer mit eigenen Plänen für seine Streamingdienste und eine Autorin, deren Name für viele Zuschauer zur Gewissensfrage geworden ist. Hinzu kommt der Massstab. Die Filme sind für Millionen Menschen Kindheitserinnerung. Gegen Erinnerungen hat noch kein Remake gewonnen.

Der zweite offizielle Teaser vom 02.09.2026 zeigt die Ankunft in Hogwarts, die Zeremonie mit dem Sprechenden Hut und einen Blick auf Quidditch. Video: Youtube

Arena: Pflichttermin oder überflüssig?

Pro: Pflichttermin an Weihnachten

  • Werktreue durch Länge: Acht Stunden pro Buch statt zweieinhalb im Kino geben Figuren und Nebensträngen Raum, die in den Filmen fehlten.
  • Belegte Nachfrage: 277 Millionen Abrufe des Teasers in 48 Stunden sind ein Rekord für HBO.
  • Neue Generation: Familien können die Geschichte gemeinsam neu entdecken, Woche für Woche.
  • Starkes Ensemble: Über 30’000 Kinder beim Casting, dazu Lithgow, McTeer, Essiedu und Frost.
  • Qualitätsversprechen: Die Macher von «Succession» und ein Sender mit Erfahrung bei grossen Vorlagen.

Contra: Überflüssig, die Filme reichen

  • Remake ohne Not: Die Filme sind 15 bis 25 Jahre alt und auf derselben Plattform abrufbar.
  • Rowling-Faktor: Boykott-Befürworter argumentieren, wer abonniere, stärke indirekt eine Autorin, die ihr Vermögen für einen umstrittenen gesellschaftspolitischen Kampf einsetzt.
  • Kinderschutz: Ein auf zehn Jahre angelegtes Projekt mit Elfjährigen, in einem Klima von Hass im Netz.
  • Preis: Schweizer zahlen nominal 41 bis 65 Prozent mehr als Deutsche, sechs Dienste kosten bis 123 Franken im Monat.
  • Unsicherheit: Neuer Eigentümer, angekündigte Fusion der Dienste, keine jährlichen Staffeln.

Kommentar: Hogwarts verdient eine Chance, die Preise nicht

Man kann diese Serie aus vielen Gründen ablehnen. Einige davon sind gut. Doch der Reflex, ein Werk wegen der Haltung seiner Urheberin zu meiden, ist eine private Entscheidung, keine moralische Pflicht. Wer Rowlings Positionen falsch findet, darf das sagen und darf abschalten. Wer die Geschichte eines Jungen sehen will, der lernt, dass Mut und Freundschaft stärker sind als Herkunft, sollte sich dafür nicht rechtfertigen müssen. Gerade eine Plattform wie diese, die Positionen angreift und nicht Menschen, sollte diesen Unterschied verteidigen.

Kritischer als die Kulturfrage ist die Geschäftsfrage. HBO hat das Recht, Harry Potter neu zu erzählen. Aber die Rechnung, die dem Schweizer Publikum präsentiert wird, ist schwer zu rechtfertigen. Wenn derselbe Dienst in Zürich nominal bis zu 65 Prozent mehr kostet als in München, dann ist das keine Zauberei, sondern Preisdifferenzierung nach Kaufkraft. Die Antwort darauf ist so alt wie das Abo selbst: abschliessen, schauen, kündigen.

Und eine Bitte an HBO gehört auch hierher. Drei Kinder tragen ab Weihnachten eine Milliardenmarke auf ihren Schultern, in einem Netz, das schon den erwachsenen Kollegen mit Morddrohungen begegnet. Ein Konzern, der für diese Serie Milliarden bewegt, sollte offenlegen, wie er sie schützt. Das wäre der Zauber, der am meisten zählt.

Alle Angaben Stand 18.10.2026. Der Ausstrahlungsrhythmus, das Budget und die finanzielle Beteiligung von J.K. Rowling sind offiziell nicht bestätigt. Streaming-Preise gemäss Moneyland (Dezember 2025) und PCtipp (Januar 2026), Änderungen vorbehalten; HBO Max Schweiz und Deutschland nominal und ohne Wechselkurs verglichen.

Mehr zum Thema: Lizenz zum Warten: Das Milliardenpoker um den neuen James Bond · Die Stars, die es nicht gibt: Wie KI-Sänger die Hitparaden kapern · Grand Theft Auto VI: Dreizehn Jahre Warten und ein Fieber, das die Welt erfasst

Quellen

Artikel teilenWhatsAppE-Mail

Kommentare 0

Hitze-Index
0 / 100 · ruhig
Abonnieren
Benachrichtigen bei
Ihre Position:
guest

0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet

Weiterlesen

Das Drehrestaurant Piz Gloria auf dem Schilthorn vor dem Alpenpanorama
Schweiz

Lizenz zum Warten: Das Milliardenpoker um den neuen James Bond

Seit fünf Jahren ist James Bond tot, einen Nachfolger gibt es noch immer nicht. Amazon hat die Kontrolle über 007 übernommen, Denis Villeneuve führt Regie, an Prognosebörsen werden die Kandidaten gehandelt wie …

17 Min.0 Kommentare
Yangwang U9 Xtreme auf der Nürburgring-Nordschleife
Mobilität

BYD: Wie ein Batterieproduzent aus Shenzhen die Autowelt umbaut

Vor dreissig Jahren baute BYD Akkus für Mobiltelefone. Heute verkauft der Konzern mehr Steckerautos als jeder andere Hersteller und hat in Europa Tesla eingeholt. Eine Vermessung von Geschichte, Technik, Modellen und Expansion.

30 Min.0 Kommentare
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x