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Schweiz · Bond 26 · Amazon MGM · Denis Villeneuve
Analyse

Lizenz zum Warten: Das Milliardenpoker um den neuen James Bond

Seit fünf Jahren ist James Bond tot, einen Nachfolger gibt es noch immer nicht. Amazon hat die Kontrolle über 007 übernommen, Denis Villeneuve führt Regie, an Prognosebörsen werden die Kandidaten gehandelt wie Aktien. Eine Analyse über Kunst und «Content», einen rätselhaften Kaufpreis und die Frage, was die Schweiz mit Bond verbindet.

Das Drehrestaurant Piz Gloria auf dem Schilthorn vor dem Alpenpanorama
Bild: Schilthornbahn, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Am Ende von «No Time to Die» stirbt James Bond. Daniel Craigs 007 bleibt auf einer Insel zurück, auf die britische Raketen zufliegen. Dann läuft der Abspann mit dem alten Versprechen: «James Bond will return.» Das war am 30.09.2021. Seither hat niemand mehr einen Bond-Film gedreht. Die Familie Broccoli, die 007 über sechzig Jahre lang führte, hat die kreative Kontrolle an Amazon abgegeben. Regie führt der Kanadier Denis Villeneuve, das Drehbuch schreibt der Brite Steven Knight. Offen ist nur die wichtigste Frage: Wer wird Bond?

Seit Mai 2026 wird offiziell ein neuer James Bond gesucht. An Prognosebörsen wetten Menschen mit echtem Geld auf die Kandidaten, jede Äusserung eines Schauspielers bewegt die Kurse. Die Pause dauert inzwischen über fünf Jahre. Erscheint der nächste Film wie berichtet frühestens 2028, dürfte sie die längste in der Geschichte der Reihe werden. Sie ist zugleich ein Lehrstück darüber, was geschieht, wenn ein Kulturgut zum Inhalt eines Konzerns wird. Und sie führt, wie so oft bei Bond, auch in die Schweiz.

SteckbriefBond 26
ProjektArbeitstitel Bond 26, der erste Bond-Film unter Amazon MGM
RechteAmazon MGM Studios mit kreativer Kontrolle seit 24.03.2025 (angekündigt am 20.02.2025); Barbara Broccoli und Michael G. Wilson bleiben Miteigentümer
ProduktionAmy Pascal, David Heyman
RegieDenis Villeneuve («Dune», «Blade Runner 2049»)
DrehbuchSteven Knight («Peaky Blinders»)
CastingNina Gold, laut Variety
Hauptrolleoffen; eine Ankündigung bis Ende 2026 sei «eine gute Wette», sagt Pascal
Drehstarterwartet 2027, nicht offiziell
Kinostartlaut Berichten nicht vor 2028, nicht offiziell
Letzter Film«No Time to Die», 30.09.2021
Der finale Trailer zu «No Time to Die» (2021): Daniel Craigs letzter Einsatz als 007. Seither ist kein Bond-Film mehr gedreht worden. Video: Youtube

Wie 007 zu Amazon kam

Der Bruch hatte sich angekündigt. Im Dezember 2024 machte das «Wall Street Journal» den Machtkampf öffentlich. Barbara Broccoli, die Bond seit «GoldenEye» 1995 mit ihrem Halbbruder Michael G. Wilson produzierte, soll Amazon-Manager im Freundeskreis als Idioten bezeichnet haben, laut der Zeitung mit einem derben Zusatz. Gestört habe sie besonders, dass die damalige Studiochefin Jennifer Salke neue Bond-Projekte als «Content» bezeichnete. Pläne für eine Serie über Moneypenny und weitere Ableger blockierte Broccoli. Zugelassen hatte sie nur die Spielshow «007: Road to a Million».

Dabei besass Amazon bereits die Hälfte. Mit dem Kauf des Hollywood-Studios MGM, für den der Konzern 8,5 Milliarden Dollar bezahlt hatte, war ihm der halbe Bond zugefallen, allerdings ohne Mitsprache bei kreativen Entscheiden. Am 20.02.2025 kündigten die Partner an, dass Amazon MGM die kreative Kontrolle übernimmt. Vollzogen war der Wechsel am 24.03.2025. Die Rechte liegen seither bei einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem Broccoli und Wilson beteiligt bleiben. Sie wolle sich nun auf andere Projekte konzentrieren, liess Broccoli verlauten. Laut Deadline verglich jemand, der die Nachricht von ihr am Telefon erfahren hatte, den Anruf mit der Nachricht von einem Todesfall in der Familie.

Was Amazon dafür bezahlte, ist bis heute ein Rätsel. Deadline meldete damals rund 1 Milliarde Dollar. Im Jahresabschluss von Broccolis Produktionsfirma Eon, der am 22.10.2025 im britischen Handelsregister einging, stehen dagegen 20 Millionen Dollar für Eons Anteil samt zwei Tochterfirmen. Ob weitere Leistungen geflossen sind, etwa Optionen oder Boni, ist nicht offengelegt. Amazon äusserte sich nicht dazu.

Für Amazon ist Bond mehr als eine Filmreihe. Der Konzern will mindestens 15 Kinofilme pro Jahr herausbringen, wie Prime-Video-Chef Mike Hopkins im April 2026 an der Branchenmesse Cinemacon bekräftigte. Laut Deadline war der wichtigste Grund für die Übernahme der Plan, Bond zu einem eigenen Filmuniversum nach dem Vorbild von Marvel und «Star Wars» auszubauen, mit Ablegern im Kino und als Serie. Genau das hatte Broccoli verhindern wollen.

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Wer soll der neue James Bond werden?
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Hochkarätig besetzt, nur nicht die Hauptrolle

Personell hat Amazon nicht gespart. Als Produzenten holte der Konzern im März 2025 zwei Schwergewichte: David Heyman, der alle acht «Harry Potter»-Filme produzierte, sowie Amy Pascal, die frühere Chefin von Sony Pictures, die als Produzentin die jüngsten «Spider-Man»-Filme verantwortete. Im Juni 2025 folgte Denis Villeneuve als Regisseur, im Juli Steven Knight als Drehbuchautor, der Schöpfer der Serie «Peaky Blinders».

Villeneuve ist die eigentliche Wette. Der Kanadier gehört zu den wenigen Regisseuren, die Blockbuster mit Autorenanspruch drehen, von «Arrival» über «Blade Runner 2049» bis zur «Dune»-Saga, deren dritter Teil im Dezember 2026 in die Kinos kommt. Bond ist für ihn auch eine Flucht. «Ich brauche eine sehr starke Rakete, die mich von Arrakis wegzieht», sagte er im Oktober dem Filmmagazin «Empire». Er sei «Dune» müde. Für den Abschluss der Trilogie wolle er trotzdem streng mit dem Stoff sein, nicht selbstgefällig. Laut dem Fanportal The James Bond Dossier hat Villeneuve nur für einen Film unterschrieben.

Der Regisseur Denis Villeneuve
Denis Villeneuve führt beim ersten Bond der Amazon-Ära Regie. Zuvor muss er den dritten «Dune»-Film in die Kinos bringen. Bild: Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Steven Knight scheint mit dem ersten Entwurf fertig zu sein. Auf die Frage im britischen Radio, ob er ihn abgeschlossen habe, antwortete er im September: «Ich nicke stumm.» Ob er für einen bestimmten Schauspieler schreibe? Es sei ein bisschen von beidem, sagte Knight. Man müsse aber die Figur schreiben, nicht den Schauspieler.

Gesucht: ein Rätsel unter 30

Am Donnerstag, 14.05.2026, bestätigte Amazon, was längst alle wussten: «Die Suche nach dem nächsten James Bond hat begonnen.» Zu Details äussere man sich während des Castings nicht. Geleitet wird die Suche laut Variety von der britischen Casterin Nina Gold, die «Game of Thrones» und «The Crown» besetzt hat.

Das Profil, das die Branchenpresse seither herumreicht, ist eng. Variety berichtete schon im Juni 2025, gesucht werde «ein britischer Schauspieler unter 30». Deadline meldete im September 2025: männlich, aus dem Vereinigten Königreich, eher unbekannt, Ende zwanzig bis Anfang dreissig. Frühere Favoriten wie Aaron Taylor-Johnson, Henry Cavill oder Idris Elba passen damit kaum noch ins Raster. Barbara Broccoli hatte laut Berichten noch im November 2024 jemanden in den Dreissigern gesucht, der die Rolle rund ein Jahrzehnt spielen könne.

Ein Bond unter 30 wäre ein Bruch mit der Tradition. Im Schnitt waren die sechs bisherigen Darsteller bei ihrem ersten Einsatz 38 Jahre alt. Sean Connery war 32, Roger Moore 45. Der jüngste war George Lazenby mit 30. Er blieb bei einem einzigen Film.

Grafik: Alter der Bond-Darsteller bei ihrem ersten Film
Das Alter der Bond-Darsteller bei ihrem ersten Film im Vergleich zum gemeldeten Profil für den Neuen. Grafik: Expertistan

Eine, die es wissen muss, hält wenig von bekannten Namen. Debbie McWilliams war rund vierzig Jahre lang Casterin der Reihe und hat Timothy Dalton, Pierce Brosnan und Daniel Craig mitausgewählt. Der Neue müsse ein völliges Rätsel bleiben, sagte sie im Juni der Zeitung «The Independent». «Wir wollen so wenig wie möglich über sie persönlich wissen, denn genau das sind Spione.» Bond habe die Lizenz zum Töten. Man müsse ihm glauben, dass er das könne.

Wer wird neuer James Bond? Die Börse der Gerüchte

Weil offizielle Informationen fehlen, blüht die Spekulation. Sie ist längst ein Geschäft. Auf den Prognosebörsen Kalshi und Polymarket wetten Nutzer mit echtem Geld darauf, wer Bond wird. Am 02.10.2026 lag bei Kalshi der Schotte Jack Lowden, bekannt aus der Agentenserie «Slow Horses», mit 44 Prozent vorn. Dahinter folgten Callum Turner, der in «Masters of the Air» einen Bomberpiloten spielte, mit 39 Prozent und Jack O’Connell mit 11 Prozent. Die Führung wechselte mehrmals.

Wie dünn die Faktenlage ist, zeigte Anfang September Gary Oldman. Der Schauspieler, Lowdens Kollege aus «Slow Horses», sagte in einem kanadischen Fernsehinterview, die Wahl sei getroffen. Gerüchten zufolge stehe Lowden auf der engeren Auswahl. Er hoffe, sein Kollege bekomme die Rolle. Danach stieg Lowden an den Prognosebörsen zum Favoriten auf. Später stellte Oldman klar, er habe keine Insiderinformationen.

Ende August hatte «Page Six» sechs Namen für Probeaufnahmen genannt: Jack Barton, Jacob Elordi, Paul Mescal, Callum Turner, Jack Lowden und Harris Dickinson. Der gut vernetzte Hollywood-Journalist Matt Belloni widersprach Anfang September in seinem Newsletter «Puck». Die kursierenden Listen seien Unsinn, Probeaufnahmen fänden erst später im Herbst statt. Amazon verschicke derzeit sogenannte Test-Deals, Vorverträge, die Gage, Optionen und Verfügbarkeit regeln, bevor ein Kandidat ernsthaft vorspricht. «Wer jetzt behauptet zu wissen, wer Bond ist, weiss es nicht.» Als einzigen Namen, von dem ein Vorsprechen bei Villeneuve bekannt sei, nannte das Portal «The Playlist» im Juni den britischen Musicaldarsteller Tom Francis.

Auffällig ist, wie wenig die Favoriten zum gemeldeten Profil passen. Lowden, Turner und O’Connell sind alle 36 Jahre alt. Von den meistgenannten Namen ist nur der Australier Jacob Elordi unter 30. Ein Brite ist er nicht. Paul Mescal ist Ire, Harris Dickinson wurde im Juni 30. Entweder stimmt das Profil nicht, oder die Wettenden wissen weniger, als die Kurse vermuten lassen.

KandidatAlter, HerkunftBekannt ausStand
Jack Lowden36, Schottland«Slow Horses», «Dunkirk»44 % bei Kalshi (02.10.2026)
Callum Turner36, England«Masters of the Air», «The Boys in the Boat»39 % bei Kalshi
Jack O’Connell36, England«Skins», «Unbroken»11 % bei Kalshi
Jacob Elordi29, Australien«Euphoria», «Frankenstein»von «Page Six» genannt
Harris Dickinson30, England«The Iron Claw», «Beach Rats»von «Page Six» genannt
Paul Mescal30, Irland«Normal People», «Gladiator II»von «Page Six» genannt
Die meistgenannten Kandidaten. Bestätigt ist keiner von ihnen. Alter Stand 18.10.2026. Quellen: Kalshi, «Page Six», Wikipedia.
Der Schauspieler Jack Lowden, an Prognosebörsen als neuer James Bond gehandeltDer Schauspieler Callum Turner am Filmfestival Venedig 2025Der Schauspieler Jacob Elordi am Filmfestival Venedig 2025
Laut Prognosebörsen und Medienberichten im Rennen: Jack Lowden, Callum Turner und Jacob Elordi. Bestätigt ist keiner von ihnen. Bilder: Ibsan73, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; LucaFazPhoto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons; LucaFazPhoto, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Produzentin gibt sich gelassen. Eine Ankündigung bis Ende Jahr sei «eine gute Wette», sagte Amy Pascal im August der Branchenzeitung Deadline. Der Prozess sei «sehr, sehr methodisch». Und: «Daniel Craig ist schwer zu ersetzen.»

Die längste Pause der Geschichte

Bond war einmal ein Uhrwerk. In den Sechzigerjahren kam fast jährlich ein neuer Film, danach meist alle zwei Jahre. Die längste Pause lag bisher zwischen «Licence to Kill» und «GoldenEye»: Von der Premiere im Juni 1989 bis zur britischen Premiere im November 1995 vergingen knapp sechseinhalb Jahre. Damals blockierte ein Rechtsstreit um das Studio MGM die Reihe. Seit «No Time to Die» sind nun über fünf Jahre vergangen. Kommt Bond 26 wie berichtet frühestens 2028 ins Kino, dürfte der Rekord fallen.

Grafik: Jahre zwischen den Bond-Filmen seit 1962
Die Abstände zwischen den Bond-Filmen in Jahren. Die aktuelle Pause läuft noch. Grafik: Expertistan

Die Pointe: Als Amazon die Kontrolle übernahm, galt gerade das Tempo der alten Garde als Problem. «Bei der alten Garde brauchten Produktionen, im Guten wie im Schlechten, lange, um zu reifen», sagte der Branchenanalyst Jeff Bock damals der Variety. Unter Amazon droht nun ausgerechnet die längste Wartezeit der Seriengeschichte. Ein Start vor 2028 sei angesichts der Grösse des Projekts unmöglich zu schaffen, berichtete Variety schon im Juni 2025 unter Berufung auf Insider. Der Drehstart wird für 2027 erwartet. Offiziell ist keiner dieser Termine.

Bond lebt, nur nicht im Kino

Während das Kino wartet, zeigt ein anderes Medium, dass der junge Bond funktioniert. Das dänische Studio IO Interactive, bekannt für die «Hitman»-Reihe, veröffentlichte am 27.05.2026 das Videospiel «007 First Light», eine Ursprungsgeschichte über Bonds erste Mission. Den jungen Agenten verkörpert der irische Schauspieler Patrick Gibson. In knapp drei Monaten verkaufte sich das Spiel über 4 Millionen Mal, die Kritiken fielen sehr gut aus.

Der Launch-Trailer zu «007 First Light»: Der junge Bond auf seiner ersten Mission. Video: Youtube

Das Spiel ist auch ein Argument in der Besetzungsdebatte. Es zeigt, dass ein Bond Mitte zwanzig das Publikum nicht abschreckt. Ob das im Kino ebenso gilt, wo ein Darsteller über Jahre und mehrere Filme tragen muss, ist eine andere Frage.

Wer Bond sein darf

Jede Besetzung ist auch eine Debatte darüber, wer Bond sein darf. Barbara Broccoli hatte 2018 im «Guardian» klargestellt: «Bond ist männlich.» Man müsse männliche Figuren nicht in Frauen verwandeln, sondern mehr weibliche Figuren schaffen. Forderungen nach einem schwarzen Bond, oft verbunden mit dem Namen Idris Elba, begleiten die Reihe seit Jahren. Mit dem gemeldeten Profil setzt Amazon auf Kontinuität: männlich, britisch, jung.

Zugleich wird die Figur selbst behutsam umgebaut. 2023 liess Ian Fleming Publications, die Hüterin der Romane, die Bücher von sogenannten Sensitivity-Readern prüfen. Neuauflagen tragen seither einen Hinweis, dass manche Begriffe und Haltungen heute als verletzend gelten. Rassistische Bezeichnungen wurden ersetzt. Einen Teil der Änderungen hatte Fleming schon zu Lebzeiten für die amerikanische Ausgabe von «Live and Let Die» autorisiert.

Vor allem aber ist Bond ein Geschäft. Die 25 Eon-Filme spielten zusammen rund 7,6 Milliarden Dollar ein, inflationsbereinigt über 20 Milliarden. Die Ära Craig war nominal die kommerziell erfolgreichste, inflationsbereinigt auch im Schnitt pro Film. In der Summe spielten Connerys sechs Filme inflationsbereinigt allerdings mehr ein. «Skyfall» überschritt 2012 als erster Bond die Milliardengrenze. Danach ging es abwärts, «No Time to Die» kam mitten in der Pandemie auf rund 771 Millionen Dollar. Dazu kommen Werbepartner, die mit 007 seit Jahrzehnten verbunden sind, von Aston Martin seit «Goldfinger» bis zur Bieler Uhrenmarke Omega seit «GoldenEye».

Grafik: Weltweites Einspiel der Bond-Filme mit Daniel Craig
Das weltweite Einspiel der fünf Filme mit Daniel Craig, nominal in Millionen Dollar. Grafik: Expertistan

Bond und die Schweiz: Gipfel, Staumauer, Bikini

Die Schweiz spielt in der Bond-Geschichte eine erstaunlich grosse Rolle. Das erste grosse Bond-Girl war eine Bernerin. Ursula Andress, geboren am 19.03.1936 in Ostermundigen, stieg 1962 in «Dr. No» als Honey Ryder aus dem Meer, im weissen Bikini, der Filmgeschichte schrieb. 1964 erhielt sie einen Golden Globe als Nachwuchsdarstellerin des Jahres. Der Bikini wurde 2001 für über 35’000 Pfund versteigert. Im März 2026 feierte Andress ihren 90. Geburtstag.

Ursula Andress als Honey Ryder im weissen Bikini, Werbefoto zum James-Bond-Film «Dr. No» von 1962
Ursula Andress als Honey Ryder in «Dr. No»: Werbefoto von 1962. Die Bernerin war das erste grosse Bond-Girl. Bild: Urheber unbekannt, gemeinfrei, via Wikimedia Commons

Noch prägender war «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» von 1969. Für das Versteck des Schurken Blofeld suchte die Produktion einen Gipfel und fand ihn im Berner Oberland: das Schilthorn oberhalb von Mürren, 2970 Meter hoch, auf dem damals ein Drehrestaurant im Bau war. Die Filmleute beteiligten sich an der Fertigstellung, unter anderem an Stromversorgung und Seilbahn. Im Gegenzug durften sie dort exklusiv drehen. Die Dreharbeiten begannen am 21.10.1968, der Schweizer Teil dauerte 56 Tage länger als geplant. Der Name aus dem Film blieb: Das Restaurant heisst bis heute Piz Gloria. In Flemings Roman lag Piz Gloria übrigens im Engadin, oberhalb von Pontresina.

«Ohne den Film würde es das Schilthorn in dieser Form nicht geben», sagte Christoph Egger, Direktor der Schilthornbahn, 2019. Der Mythos zahlt sich aus. Im Sommer 2025 zählte die Bahn 1’910’962 Fahrten, 18,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Sommer 2026 stieg die Zahl der Fahrgäste nochmals um rund ein Drittel, der Umsatz um 17,8 Prozent. Auf dem Gipfel erinnern eine Ausstellung und ein «Walk of Fame» an den Film, das Restaurant dreht sich in 45 Minuten einmal um die eigene Achse.

Schon 1964 hatte «Goldfinger» die Schweiz zur Kulisse gemacht. Am Furkapass liefert sich Bonds Aston Martin DB5 ein Duell mit dem Ford Mustang von Tilly Masterson, die sich an Goldfinger rächen will.

Das Hotel Belvédère an der Furkapassstrasse
Das Hotel Belvédère an der Furkapassstrasse. Am Furkapass drehte die Crew 1964 die Verfolgungsjagd aus «Goldfinger». Bild: Edtrnchf, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

1995 sprang in «GoldenEye» der Stuntman Wayne Michaels an einem Bungeeseil von der 220 Meter hohen Verzasca-Staumauer im Tessin. Der Sprung wurde 2002 in einer Umfrage des Senders Sky Movies zum besten Filmstunt aller Zeiten gewählt. Seither können Touristen ihn nachmachen; laut dem Betreiber haben das über 10’000 Menschen getan.

Die Verzasca-Staumauer bei Contra im Tessin
Die Verzasca-Staumauer im Tessin: Der Bungeesprung aus «GoldenEye» wurde 2002 zum besten Filmstunt aller Zeiten gewählt. Bild: Audrix, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Seit 1995 trägt Bond am Handgelenk eine Omega aus Biel. Sie löste die Genfer Rolex ab, weil die Kostümbildnerin Lindy Hemming Bond «modern und europäisch» haben wollte. Roger Moore, der Bond der Siebzigerjahre, lebte lange auch in der Schweiz und starb am 23.05.2017 in Crans-Montana. Und Ian Fleming selbst studierte in jungen Jahren kurz in Genf, wo er sich mit einer Schweizerin verlobte.

Chronik: Der lange Weg zu Bond 26

30.09.2021 «No Time to Die» kommt ins Kino, Bond stirbt
20.12.2024 Der Konflikt zwischen Broccoli und Amazon wird publik
20.02.2025 Amazon MGM kündigt die Übernahme der kreativen Kontrolle an
24.03.2025 Der Wechsel zu Amazon MGM ist vollzogen
03.2025 Amy Pascal und David Heyman werden Produzenten
06.2025 Denis Villeneuve wird Regisseur
07.2025 Steven Knight schreibt das Drehbuch
22.10.2025 Der Eon-Abschluss nennt 20 Millionen Dollar
14.05.2026 Amazon bestätigt die Suche nach dem neuen Bond
27.05.2026 Das Videospiel «007 First Light» erscheint
26.08.2026 «Page Six» nennt sechs Kandidaten
03.09.2026 «Puck» meldet Test-Deals
11.09.2026 Knight deutet den fertigen ersten Entwurf an
12.2026 «Dune: Part Three» kommt in die Kinos
2027 Erwarteter Drehstart
2028 Frühester berichteter Kinostart

Arena: Unbekannter Neuling oder etablierter Star?

Pro: Ein Unbekannter

  • Das Geheimnis gehört zur Figur: Die langjährige Casterin Debbie McWilliams will «so wenig wie möglich» über den Darsteller wissen, denn genau das seien Spione.
  • Ein Neustart braucht ein neues Gesicht: Bond ist tot, Bond 26 muss neu beginnen.
  • Lange Bindung: Ein Darsteller unter 30 kann die Rolle über viele Jahre prägen. Test-Deals regeln Gage und Verfügbarkeit im Voraus.
  • Vorbild Connery: Auch der erste Bond war 1962 kaum bekannt.
  • Der junge Bond funktioniert: «007 First Light» verkaufte sich über 4 Millionen Mal.

Contra: Ein etablierter Star

  • Absicherung: Bei einem Geschäft dieser Grössenordnung senkt ein bekanntes Gesicht das Risiko.
  • Die Lehre aus Lazenby: Der jüngste Bond blieb bei einem einzigen Film.
  • Gewicht statt Jugend: Im Schnitt debütierten die Bond-Darsteller mit 38 Jahren.
  • Glaubwürdige Härte: Der Neue müsse aussehen, als könne er einen im Handumdrehen mit blossen Händen töten, zitierte Deadline einen Insider.
  • Die Märkte setzen auf Profil: Die Favoriten Lowden und Turner sind gestandene Schauspieler.

Kommentar: Bond braucht keinen Konzernplan, sondern einen guten Film

Die Suche nach dem neuen Bond ist zu einem Spektakel geworden, an dem alle verdienen ausser dem Publikum. Prognosebörsen kassieren Einsätze, Boulevardblätter Klicks, Schauspieler Aufmerksamkeit. Nur einen Film gibt es nicht. Amazon hat 007 übernommen und viel versprochen. Eingelöst ist bisher wenig.

Dabei ist die Ausgangslage glänzend. Mit Villeneuve hat Amazon einen Regisseur gewonnen, der Grösse und Ernsthaftigkeit verbinden kann. Mit Knight einen Autor, der Figuren mit Abgründen schreibt. Die grösste Gefahr liegt nicht in der Besetzung, sondern in der Versuchung, Bond als Marke zu behandeln, aus der sich beliebig Serien, Ableger und Spiele schneiden lassen. Bond war nie ein Universum. Er war ein Mann, ein Anzug und ein Versprechen alle zwei, drei Jahre.

Ob der Neue unbekannt ist oder berühmt, ist zweitrangig. Connery war ein Unbekannter, Craig galt bei seiner Wahl vielen als Fehlbesetzung. Beide wurden zu grossen Bonds, weil die Filme gut waren. Amazon sollte sich deshalb weniger um Wettquoten kümmern als um das Drehbuch. Und um die Zeit: Ein Bond, auf den man sieben Jahre warten muss, darf kein Produkt sein. Er muss ein Ereignis sein.

Alle Angaben Stand 18.10.2026. Besetzung, Drehstart, Kinostart und Budget von Bond 26 sind offiziell nicht bestätigt. Die genannten Kandidaten beruhen auf Medienberichten und Prognosebörsen. Einspielergebnisse nominal gemäss der Wikipedia-Liste der Bond-Filme. Zitate aus dem Englischen übersetzt.

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Quellen

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