Sonntag, 18. Oktober 2026
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Die Schweiz. Ungeschminkt. Diskutiert.
Gesellschaft · KI-Musik · Hitparade · Hollywood
Hintergrund

Die Stars, die es nicht gibt: Wie KI-Sänger die Hitparaden kapern

Ein KI-Cover von Stromae stürmte die Schweizer Hitparade, eine erfundene Soulsängerin eroberte Platz 1 bei iTunes. Bei Deezer stammt an Spitzentagen schon jeder zweite neue Song aus der Maschine, Kelly Clarkson fordert eigene Charts für KI. Eine Analyse über Täuschung, Betrug und das doppelte Spiel der Musikbranche.

Mischpult und Bildschirme in einem Tonstudio
Bild: Dayron Villaverde from Miami, USA, CC0, via Wikimedia Commons

Der Sänger, der im Januar 2026 die Schweizer Hitparade aufmischte, existiert nicht. Seine Soul-Version von Stromaes «Papaoutai» stieg bis in die Top 10, auf Spotify kam sie bis Mitte Juni auf 155 Millionen Abrufe. Die Instrumente stammen grösstenteils von Menschen, die Stimme stammt von einer künstlichen Intelligenz (KI). Die Radios von SRF nahmen den Titel nicht ins Tagesprogramm auf. In der Hitparade zählte er trotzdem, denn eine Regel gegen KI-Musik kennt sie bis heute nicht.

Was in der Schweiz wie ein Kuriosum wirkte, ist international zum Muster geworden. Eine erfundene Soulsängerin namens IngaRose stand im April 2026 auf Platz 1 der amerikanischen iTunes-Charts. Bei Deezer stammte im Juni 2026 an Spitzentagen erstmals mehr als die Hälfte aller neu hochgeladenen Songs von einer KI. Und Kelly Clarkson, die erste Siegerin von «American Idol», verglich die Lage Ende September mit Olympischen Spielen, an denen Roboter gegen Menschen antreten. Die Musikbranche wehrt sich mit Klagen, Kennzeichnungen und neuen Chartregeln. Zugleich verdient sie an der Technik, die sie bekämpft. Hollywood zieht derweil erste Grenzen gegen synthetische Schauspieler. Eine Vermessung: wer hinter den Phantomen steckt, wer an ihnen verdient und wer den Preis bezahlt.

Olympische Spiele mit Robotern

Der Satz fiel in einem Podcast, nicht auf einer Bühne. In der Folge von «Las Culturistas» vom Mittwoch, 30.09.2026, sprach Kelly Clarkson mit den Komikern Bowen Yang und Matt Rogers über künstliche Intelligenz. Sie liebe KI, sagte die Sängerin, sie habe Spass daran wie alle anderen auch. Aber wenn KI-Künstler in einer Hitparade gegen Menschen antreten, habe sie ein Problem. Es brauche eine eigene Hitparade. «Das ist im Grunde, als gäbe es Olympische Spiele und Roboter träten gegen Menschen an», sagte Clarkson. Man dürfe das menschliche Element nicht verlieren.

Kelly Clarkson bei «Las Culturistas» (30.09.2026): Der Ausschnitt beginnt bei ihrer Forderung nach getrennten Charts. Video: Youtube

Die Reaktionen fielen heftig aus, allerdings nicht in erster Linie wegen der getrennten Charts. Viele Fans störten sich an Clarksons Begeisterung für KI an sich. Früher in der Sendung hatte sie geschwärmt, wie ChatGPT ihr bei der Renovation ihres Hauses helfe. In den Kommentaren hielt man ihr die Umweltfolgen von KI vor und die Gefahr für die Jobs in der Kreativbranche.

Die Sängerin Kelly Clarkson bei einem Auftritt 2018
Kelly Clarkson liebt KI nach eigenen Worten, will KI-Künstler aber nicht in denselben Charts sehen wie Menschen. Bild: Marc Piscotty, Public domain, via Wikimedia Commons

Clarksons Vorschlag klingt nach gesundem Menschenverstand. Er setzt aber voraus, dass sich sauber trennen lässt, was vom Menschen und was von der Maschine stammt. Genau das wird schwieriger. Hinter fast jedem KI-Star steht ein Mensch, der Texte schreibt, Prompts formuliert, Videos schneidet und Rechnungen stellt. Und viele Songs entstehen hybrid. SRF-Digitalexperte Guido Berger nennt das Beispiel eines Titels, bei dem Beat und Stimme von Menschen stammen und nur ein Synthesizer im Hintergrund von einer KI erzeugt wurde. «Die Frage, wann hier ein Label ‹KI-generiert› fair ist, ist einfach schwieriger zu beantworten.»

Die Hitparade der Phantome: KI-Musik in den Charts

Die Liste der KI-Acts in den Hitparaden ist innerhalb eines Jahres lang geworden. Die wichtigsten Fälle zeigen vier Muster: Täuschung, Industrialisierung, Manipulation und Fehlalarm.

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Gehören KI-Songs in die Hitparade?
Ja, Hit ist Hit 50 %Nein, eigene KI-Charts 50 %
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Täuschung: The Velvet Sundown

Den Anfang machte im Sommer 2025 eine Band, die es nicht gab. The Velvet Sundown veröffentlichte in kurzer Folge mehrere Alben mit Retro-Rock im Stil der Siebzigerjahre und kam auf Spotify binnen eines Monats auf über 1,2 Millionen monatliche Hörer. Konzerte gab es keine. Ein angeblicher Sprecher, von dem sich die Band später distanzierte, gab Interviews. Auf X wurde der KI-Verdacht zunächst bestritten. Am 05.07.2025 räumte sie ein, ein «synthetisches Musikprojekt» unter menschlicher Leitung zu sein.

Industrialisierung: Xania Monet

Xania Monet ist das Gegenmodell, ein KI-Act mit offenem Visier. Hinter der R&B-Sängerin steht die Lyrikerin Telisha «Nikki» Jones aus Mississippi. Sie schreibt die Texte selbst, Musik und Stimme erzeugt sie mit dem KI-Dienst Suno. Im September 2025 unterschrieb sie bei Hallwood Media einen Plattenvertrag, dessen Wert Medien auf 3 Millionen Dollar bezifferten. Zur gleichen Zeit stand ihr Song «How Was I Supposed to Know?» auf Platz 1 der Billboard-Verkaufscharts für R&B. Wenige Wochen später schaffte sie als erste bekannte KI-Künstlerin den Sprung in eine Billboard-Radiohitparade.

Telisha Jones, die Schöpferin der KI-Sängerin Xania Monet, bei «CBS Mornings» (05.11.2025). Video: Youtube

Manipulation: Breaking Rust, Eddie Dalton und IngaRose

Wie wenig es für einen Spitzenplatz braucht, zeigte im November 2025 der Country-Act Breaking Rust. Sein Song «Walk My Walk» stand auf Platz 1 der Billboard-Charts für Country-Downloads und kam in weniger als einem Monat auf über 3 Millionen Spotify-Streams. Das klingt nach Triumph, ist aber eine Nische: Weil kaum noch jemand Songs kauft, genügen laut «Time» wenige tausend Käufe für die Spitze dieser Liste. In den täglichen Streamingcharts für Country tauchte der Song nicht auf.

Im Frühling 2026 verlagerte sich das Geschehen in die iTunes-Charts. Anfang April belegte der KI-Bluessänger Eddie Dalton laut dem Branchenportal Showbiz411 elf Plätze in den amerikanischen iTunes-Top-100, sein Album «The Years Between» erreichte Platz 3. Dahinter steht der Produzent Dallas Little mit seiner Firma Crunchy Records. Jedes Video in den sozialen Medien sei als KI gekennzeichnet, sagt Little. Die Songs habe er alle selbst geschrieben. Auf seinem Youtube-Kanal fehlte laut «Newsweek» allerdings ein solcher Hinweis.

Kurz darauf folgte IngaRose, eine Soulsängerin aus dem Rechner. Ihr Song «Celebrate Me», erschienen am 31.03.2026, stand Mitte April auf Platz 1 der iTunes-Charts in den USA und weltweit, dazu in Grossbritannien, Frankreich, Kanada und Neuseeland. Auf Tiktok lief er in über 300’000 Videos. Laut ihrem Instagram-Profil sind die Texte von Menschen geschrieben, Arrangement und Tonspuren mit Suno verfeinert. Wer dahintersteht, ist offiziell nicht bekannt. Showbiz411 vermutet ebenfalls Dallas Little, bestätigt hat er das nicht. In den Streamingcharts spielte IngaRose kaum eine Rolle. Kritiker sehen darin ein Indiz für Massenkäufe oder Bots, bewiesen ist das nicht.

Am Freitag, 21.08.2026, meldete sich Bette Midler zu Wort. Sie nannte «Celebrate Me» auf Instagram einen «#culturalgenocide», einen kulturellen Völkermord. Der Sänger und Schauspieler Tyrese Gibson hielt dagegen: KI werde nicht mehr verschwinden.

Fehlalarm: Maphra und Sienna Rose

Wie schwierig die Unterscheidung ist, zeigt der umgekehrte Fall. Die anonyme Metal-Sängerin Maphra stand Ende März 2026 mit einer Coverversion von «Doomed» der britischen Band Bring Me the Horizon auf Platz 1 der Billboard-Charts für Hard Rock. Im Netz galt sie vielen als KI-Produkt. Im Mai trat sie live auf, am Festival Welcome to Rockville mit Ice Nine Kills und eine Woche später mit Bring Me the Horizon selbst. Bei der Sängerin Sienna Rose, die im Januar 2026 mit drei Songs in Spotifys «Viral 50» der USA stand, ist der Verdacht dagegen bis heute weder bestätigt noch ausgeräumt. Deezer stuft viele ihrer Titel als KI ein. Selena Gomez hatte einen ihrer Songs in einem Beitrag verwendet, inzwischen ist er daraus verschwunden.

ActWer dahinterstehtHöhepunktKI-Status
The Velvet Sundown (Retro-Rock)anonymüber 1,2 Mio. monatliche Spotify-Hörer, Juli 2025nach Dementi eingeräumt
Xania Monet (R&B)Telisha «Nikki» JonesPlatz 1 der R&B-Verkaufscharts von Billboard, erste KI in einer Billboard-Radiohitparade, 2025offen deklariert
Breaking Rust (Country)laut Billboard einem Songwriter zugeschriebenPlatz 1 der Country-Downloads von Billboard, November 2025von Billboard als KI-Act geführt
Eddie Dalton (Blues)Dallas Little, Crunchy Recordself Titel in den iTunes-Top-100 der USA, April 2026deklariert, nicht überall
IngaRose (Soul)offiziell unbekanntPlatz 1 bei iTunes in den USA und weltweit, April 2026deklariert, erzeugt mit Suno
«Papaoutai (Afro Soul)»Mikael Daghighi alias mikeeysmind und zwei ProduzentenTop 10 der Schweizer Hitparade, Januar 2026Gesang KI, Instrumente grösstenteils menschlich
«Like a Prayer» (Dance)DJ Josh Fawaz, Brisbaneüber 48 Mio. Spotify-Streams, Platz 1 der australischen Dance-Chartserst nach Kritik eingeräumt
Maphra (Metal)anonyme SängerinPlatz 1 der Billboard Hot Hard Rock Songs, März 2026Verdacht, tritt live auf
Sienna Rose (Soul)unbekanntdrei Titel in Spotifys «Viral 50» der USA, Januar 2026Verdacht, nicht bestätigt
Die KI-Acts im Überblick. Quellen: Billboard, Time, Newsweek, TV4, Al Jazeera, Stereogum, Wikipedia. Stand 18.10.2026.

Der Fall Schweiz: «Papaoutai» und eine Hitparade ohne Regeln

Die Schweiz hat ihren eigenen Präzedenzfall. «Papaoutai (Afro Soul)» ist eine Neufassung von Stromaes Hit aus dem Jahr 2013, einem Lied über einen abwesenden Vater. Sie erschien am 20.12.2025 auf Spotify und ging im Januar viral. Viele Hörer hielten den Gesang für echt, entsprechend gross war die Überraschung, als die KI-Herkunft bekannt wurde.

Hinter dem Titel steht ein 25-jähriger Produzent aus Göteborg, Mikael Daghighi, der als mikeeysmind auftritt. Dem schwedischen Sender TV4 erzählte er im Juni, die Instrumente seien grösstenteils ohne KI entstanden, nur für den Gesang habe er sie eingesetzt. Das Ergebnis sei dadurch viel stärker geworden, denn KI erreiche Töne, die Menschen nicht schaffen. Zugleich mahnte er, ein Song müsse ein wenig von Menschen gemacht sein, sonst werde er zu KI-Ramsch, im Netzjargon «AI slop». Bis Mitte Juni lief der Titel laut TV4 in über 1,7 Millionen Tiktok-Clips. Allein mit Spotify dürfte er nach einer groben Schätzung des Senders 5 bis 8 Millionen schwedische Kronen eingespielt haben.

In der Schweizer Hitparade stieg der Titel bis in die Top 10. Die französische Verwertungsgesellschaft Sacem sah keinen Betrug, da Melodie und Text unverändert blieben. Stromaes Co-Komponist Aron Ottignon erkannte die KI nach eigenen Angaben sofort und nannte sie «nur ein neues Instrument». Stromae selbst hat sich bisher nicht geäussert.

Hören Sie selbst: die KI-Version von «Papaoutai», die im Januar 2026 bis in die Top 10 der Schweizer Hitparade stieg. Video: Youtube

Die Radios von SRF nahmen den Titel nicht ins Tagesprogramm auf, mit Verweis auf die unklare Herkunft und die eigenen Richtlinien zu KI-Inhalten. Die Hitparade zählte ihn dennoch, denn sie kennt keine KI-Sperre. Das soll sich ändern. Die IFPI Schweiz, der Verband der Musiklabels, in dessen Auftrag die offizielle Hitparade erstellt wird, prüft laut SRF eine Regel gegen ganz oder fast ganz KI-generierte Titel. Erkannt werden könnten sie über die KI-Kennzeichnungen der Streamingdienste. Wer zu Unrecht ausgeschlossen wird, soll sich wehren können. «Wir wollen Musik von Menschen für Menschen», sagt Geschäftsführer Lorenz Haas.

Der belgische Musiker Stromae bei einem Konzert im Madison Square Garden
Stromae hat sich zur KI-Version seines Hits bisher nicht geäussert. Das Original von 2013 erreichte in der Schweizer Hitparade Platz 4. Bild: Capsule1234, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Haas beschwichtigt zugleich. Auf den vorderen Rängen sehe man heute kaum Titel, die im Verdacht stünden, KI-generiert zu sein. KI-Musik werde «praktisch nicht gehört». Das stimmt für die Masse der Uploads. Für Ausreisser wie «Papaoutai» stimmt es nicht. Gerade sie prägen aber die Wahrnehmung. Und jeder Platz, den sie in der Hitparade belegen, fehlt einem Menschen.

Die Vorlage für eine Schweizer Regel liefert der Weltverband. Am 30.07.2026 veröffentlichte die IFPI Grundsätze, nach denen KI-Aufnahmen aus offiziellen Hitparaden ausgeschlossen werden können: wenn sie nicht «substanziell von Menschen gemacht» sind, wenn die genutzten KI-Dienste nicht lizenziert sind, wenn Verdacht auf Manipulation besteht oder wenn die KI-Nutzung dem Publikum nicht angezeigt wird. Offizielle Hitparaden erfassten mehr als Verkäufe, sie würdigten «menschliche Kunst und menschliches Schaffen», sagt IFPI-Chefin Victoria Oakley. Über ihre Landesgruppen will die IFPI die Grundsätze auf mehr als 20 weitere Hitparaden ausdehnen.

Australien ist bereits weiter. Seit Ende August 2026 zählen die offiziellen ARIA-Charts keine vollständig KI-generierten Titel mehr, KI in einer unterstützenden Rolle bleibt erlaubt. Auslöser war eine Version von Madonnas «Like a Prayer» des Brisbaner DJs Josh Fawaz mit KI-Gesang und KI-Schlagzeug, über 48 Millionen Mal auf Spotify gestreamt. Fawaz hatte die KI erst eingeräumt, als Fans und Produzenten nachfragten. Die neuen Regeln nannte er einen «grossartigen Schritt».

Die Flut: An Spitzentagen ist jeder zweite neue Song KI

Wie gross das Phänomen ist, lässt sich bei Deezer ablesen. Der französische Streamingdienst erkennt vollständig KI-generierte Musik seit Januar 2025 mit einem eigenen Werkzeug und kennzeichnet sie seit Juni 2025. Anfangs zählte er rund 10’000 solcher Titel pro Tag, etwa ein Zehntel aller neuen Uploads. Im April 2026 waren es fast 75’000 Titel oder 44 Prozent. Im Juni 2026 lag der Anteil an Spitzentagen erstmals über der Hälfte, bei fast 90’000 Titeln täglich. Allein 2025 markierte Deezer über 13,4 Millionen KI-Titel.

Grafik: Anteil vollständig KI-generierter Titel an den täglichen Uploads bei Deezer
Der Anteil vollständig KI-generierter Titel an den täglichen Uploads bei Deezer, gemäss Angaben des Unternehmens. Grafik: Expertistan

Die Zahl ist spektakulär, die Wirkung weniger. Auf KI-Titel entfallen nur 1 bis 3 Prozent aller Streams. Bis zu 85 Prozent dieser Streams waren 2025 laut Deezer betrügerisch, also künstlich erzeugt, um Tantiemen abzuschöpfen. Deezer zahlt für solche Abrufe nichts aus. Der Dienst nimmt KI-Titel aus den algorithmischen Empfehlungen und den redaktionellen Playlists. Künftig löscht er zudem Titel, die für Betrug genutzt oder sechs Monate lang nicht gehört wurden. «Da nun die Hälfte aller täglichen Uploads KI-Tracks sind, ergreifen wir weitere Massnahmen», sagte Konzernchef Alexis Lanternier im Juli.

Grafik: KI-Titel bei Deezer, Anteil an Uploads, Streams und Betrug
Viele Uploads, wenig Publikum, viel Betrug: KI-Titel bei Deezer im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Nutzung. Grafik: Expertistan

Wie das Geschäft mit falschen Streams funktioniert, zeigt ein Urteil aus New York. Am Dienstag, 06.10.2026, wurde der Amerikaner Michael Smith zu 18 Monaten Haft verurteilt. Er hatte von 2017 bis 2024 Hunderttausende KI-generierte Songs auf Spotify, Apple Music, Amazon Music und Youtube Music gestellt und sie von Tausenden Bot-Konten abspielen lassen, zeitweise von 10’000 gleichzeitig. Laut Anklage rechnete Smith in einer eigenen Kalkulation damit, mit seinen Bot-Konten rund 661’440 Streams pro Tag zu erzeugen. Über 8 Millionen Dollar an Tantiemen flossen so auf seine Konten. Das Gericht ordnete die Einziehung von 8,09 Millionen Dollar an. Die Anklage galt als erster Strafprozess wegen künstlich aufgeblähter Musikstreams in den USA.

Smith ist kein Einzelfall. Apple identifizierte 2025 nach Angaben seines Musikchefs Oliver Schusser rund 2 Milliarden betrügerische Streams und hielt Tantiemen von etwa 17 Millionen Dollar zurück. Spotify entfernte nach eigenen Angaben innert zwölf Monaten über 75 Millionen Spam-Titel.

Serverschränke in einem Rechenzentrum
Rechenzentren als neue Tonstudios: KI-Dienste wie Suno erzeugen Songs in Sekunden. Suno räumt ein, öffentlich zugängliche Daten aus dem Netz gesammelt zu haben, unter anderem von Youtube. Bild: Victorgrigas, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Die Flut trifft auf ein System, das schon vorher Musik ohne Gesicht schätzte. Die Journalistin Liz Pelly beschrieb im Magazin «Harper’s» und in ihrem Buch «Mood Machine» ein Spotify-Programm namens «Perfect Fit Content»: günstig eingekaufte Stimmungsmusik, die unter Fantasienamen in Playlists für Konzentration oder Entspannung landet. Spotify bestreitet, «Fake Artists» zu betreiben. Mit KI lässt sich dieses Modell beliebig skalieren.

Das Publikum ist gespalten, aber nicht naiv. In einer Umfrage von Deezer und Ipsos unter 9000 Erwachsenen in acht Ländern, darunter Deutschland und Frankreich, konnten 97 Prozent in einem Blindtest KI-Musik nicht von menschlicher unterscheiden. 80 Prozent verlangen eine klare Kennzeichnung vollständig KI-generierter Musik. 70 Prozent sehen die Existenz von Musikern bedroht. 52 Prozent finden, solche Songs gehörten nicht in die Hauptcharts; nur 11 Prozent wollen sie gleich behandeln wie menschliche Musik. Die Schweiz war nicht Teil der Befragung.

Grafik: Umfrage von Deezer und Ipsos zur Haltung des Publikums gegenüber KI-Musik
Was das Publikum von KI-Musik hält: ausgewählte Ergebnisse einer Umfrage von Deezer und Ipsos vom Oktober 2025. Grafik: Expertistan

Das doppelte Spiel der Plattenfirmen

In diesem Konflikt präsentiert sich die Musikindustrie gern als Anwältin der Künstler. Ihre Rolle ist komplizierter. Im Juni 2024 verklagten Universal, Sony und Warner die beiden grössten KI-Musikdienste, Suno und Udio, wegen massenhafter Urheberrechtsverletzungen. Gut ein Jahr später sassen zwei der drei Konzerne mit den Beklagten am Verhandlungstisch. Universal einigte sich am 29.10.2025 mit Udio und kündigte für 2026 einen gemeinsamen lizenzierten Dienst an. Warner schloss im November Vergleiche mit Udio und Suno. Suno hat inzwischen auch mit BMG und Believe Lizenzverträge, sein neues Modell v6 lancierte es gemeinsam mit Warner, BMG und Believe. Investoren bewerteten Suno im November 2025 mit 2,45 Milliarden Dollar.

Der Streit ist damit nicht beendet, er hat sich verlagert. Sony reichte im Juli 2026 eine zweite Klage gegen Udio ein, nun wegen über 30’000 Aufnahmen. Laut dem Branchendienst CMU könnten sich die gesetzlichen Schadenersatzansprüche auf über 4,5 Milliarden Dollar summieren. Am 18.09.2026 verklagten Sony und Universal Suno erneut, diesmal wegen des Modells v6. Wer ein neues Modell mit den Ergebnissen eines rechtsverletzenden Modells trainiere, beseitige die Verletzung nicht, sondern wasche sie, heisst es in der Klageschrift. Suno hält die Vorwürfe für grundlegend falsch. Dazu kommen eine Klage des Musikverlags Round Hill über 1 Milliarde Dollar und eine Sammelklage des Musikers Jason Isbell.

Die Logik dahinter ist kommerziell, nicht moralisch. Die neuen Chartregeln der IFPI richten sich nicht gegen KI an sich: Zugelassen bleiben Aufnahmen, die substanziell von Menschen stammen und mit lizenzierten KI-Diensten entstanden sind. Richtig lizenziert biete KI «spannende Möglichkeiten», sagt IFPI-Chefin Oakley. Spotify kündigte im August an, Profile mit dem neuen Hinweis «AI Persona» ab Mitte September aus allen Empfehlungen und Playlists zu nehmen. Zugleich plant der Dienst mit Universal und der Lizenzagentur Merlin, die unabhängige Labels vertritt, KI-Remixe von Songs als kostenpflichtiges Zusatzangebot für Premium-Kunden.

Für manche Produzenten ist das die Zukunft. Timbaland, der Hits für Missy Elliott, Justin Timberlake und Nelly Furtado produzierte, lancierte 2025 mit seiner Firma Stage Zero die KI-Künstlerin TaTa, erzeugt mit Suno. «Ich produziere nicht mehr nur Tracks, sondern Systeme, Geschichten und Stars aus dem Nichts», sagte er.

Hollywood: Tilly Norwood und die Grenze bei den Oscars

Was die Musik vorlebt, erreicht nun den Film. Ihren grossen Auftritt hatte die bekannteste KI-«Schauspielerin» ausgerechnet in Zürich. Am 27.09.2025 präsentierte die niederländische Schauspielerin und Produzentin Eline Van der Velden am Zurich Summit, dem Branchentreffen des Zurich Film Festival, ihre Kunstfigur Tilly Norwood. Mehrere Agenturen interessierten sich für eine Vertretung, sagte sie. Die Antwort aus Hollywood kam drei Tage später. Die Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA erklärte, Tilly Norwood sei keine Schauspielerin, sondern eine von einem Computerprogramm erzeugte Figur, trainiert mit der Arbeit von Darstellern ohne deren Erlaubnis oder Bezahlung. Die Agenturen Gersh und WME lehnten eine Vertretung ab.

Van der Velden liess sich nicht beirren. Im Juli 2026 kündigte ihre Firma Particle6 einen Spielfilm an: «Misaligned», eine Coming-of-Age-Geschichte in einem Multiversum namens «Tillyverse». Die Werbetour geriet zur Lehrstunde über die Grenzen der Technik. Im Interview mit Piers Morgan am 18.09.2026 hatte die Figur einen Aussetzer und sprach unvermittelt Kantonesisch. Kurz zuvor hatte sie bei CNN eigene Oscar-Kategorien für KI gefordert.

Tilly Norwood bei Piers Morgan (18.09.2026): Mitten im Gespräch wechselt die KI-Figur ins Kantonesische. Video: Youtube

Die Filmakademie hat die Frage für sich bereits beantwortet. Ab der 99. Oscarverleihung, die Filme aus dem Jahr 2026 auszeichnet, sind in den Schauspielkategorien nur Rollen zugelassen, die nachweislich von Menschen mit deren Einwilligung gespielt wurden. Drehbücher müssen von Menschen verfasst sein.

Die Gewerkschaften haben ihre Lehren aus dem Streik von 2023 gezogen. Der Vertrag, mit dem SAG-AFTRA den 118 Tage langen Ausstand beendete, verlangt für digitale Repliken Einwilligung und Bezahlung. Wer einen synthetischen Darsteller anstelle eines Menschen einsetzt, muss die Gewerkschaft informieren und mit ihr verhandeln. Für Sprecherinnen und Sprecher in Videospielen gelten seit Juli 2025 ähnliche Regeln, nach einem Streik von fast einem Jahr.

Streikposten der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA im Sommer 2023
Streikposten der Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA im Sommer 2023. Der Schutz vor digitalen Doppelgängern war eine Kernforderung. Bild: Phil Roeder from Des Moines, IA, USA, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Wie abhängig KI-Filme von einzelnen Werkzeugen sind, zeigt «Critterz». Der Animationsfilm geht auf einen Kurzfilm zurück, den OpenAI-Kreativspezialist Chad Nelson 2023 mit Dall-E und frühen Versionen des Videogenerators Sora gestaltet hatte. Mit einem Budget unter 30 Millionen Dollar und rund neun Monaten Produktionszeit sollte er im Mai 2026 in Cannes Premiere feiern. Daraus wurde nichts. Am Filmmarkt wurden lediglich erste Ausschnitte für Einkäufer gezeigt. Zuvor hatte OpenAI angekündigt, Sora einzustellen.

Künstliche Stars sind nicht neu. Neu sind das Tempo, die Masse und die Frage, wer zugestimmt hat. Die japanische Vocaloid-Figur Hatsune Miku singt seit 2007 mit einer synthetischen Stimme, die aus Aufnahmen der Sprecherin Saki Fujita gewonnen wird. Als projiziertes Hologramm füllt sie Konzerthallen. ABBA treten seit Mai 2022 in London als digitale Avatare auf, erstellt per Motion-Capture von Industrial Light & Magic; über 4 Millionen Menschen haben die Show gesehen. Und die Beatles gewannen am 02.02.2025 mit «Now and Then» als erster KI-gestützter Song einen Grammy. Die KI half dort, John Lennons Stimme aus einem alten Demo herauszulösen. Hinter all diesen Projekten standen Künstler, die zugestimmt hatten, oder ihre Erben.

Die ABBA Arena im Queen Elizabeth Olympic Park in London
Die ABBA Arena in London: Seit 2022 treten hier die digitalen Avatare der Band auf, über 4 Millionen Menschen haben die Show gesehen. Bild: Bartholomeus Thoth, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Recht hinkt hinterher

Die Gesetzgeber reagieren, aber langsamer als die Technik. In der EU gelten seit dem 02.08.2026 die Transparenzpflichten des AI Act. Generative Systeme müssen ihre Erzeugnisse maschinenlesbar als künstlich markieren. Wer täuschend echte Inhalte verbreitet, die realen Personen oder Ereignissen gleichen, muss dies offenlegen. Für Systeme, die schon vorher auf dem Markt waren, gilt die technische Markierung erst ab dem 02.12.2026. Ob ein erfundener Sänger, der keinem realen Menschen gleicht, unter die Deepfake-Regel fällt, ist nicht abschliessend geklärt.

Die schärfsten Urteile kommen bisher aus München. Das Landgericht München I entschied am 11.11.2025 im Verfahren der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA gegen OpenAI, dass ein Sprachmodell, das Liedtexte memoriert, diese vervielfältigt; die Ausnahme für Text- und Data-Mining greife nicht. Am 31.07.2026 folgte das Urteil gegen Suno. Sechs Werke, darunter «Atemlos durch die Nacht», «Rasputin» und «Daddy Cool», seien in den Modellen reproduzierbar enthalten gewesen. Für die Ergebnisse sei Suno verantwortlich, nicht die Nutzer. Das Gericht gab der GEMA bei Unterlassung, Auskunft und Schadenersatz überwiegend recht. Beide Urteile waren bei ihrer Verkündung nicht rechtskräftig.

Eingang des Landgerichts München I
Eingang des Landgerichts München I. Das Gericht hat in zwei Verfahren der GEMA gegen KI-Firmen geurteilt. Bild: Callipides, CC BY-SA 2.0 de, via Wikimedia Commons

In den USA bleibt der Schutz an den Menschen gebunden. Das Copyright Office hielt im Januar 2025 fest, dass Prompts allein keinen Urheberschutz begründen. Am 02.03.2026 lehnte es der Supreme Court ab, den Fall Thaler v. Perlmutter zu überprüfen; menschliche Urheberschaft bleibt Voraussetzung. Was eine Maschine allein erzeugt, ist damit urheberrechtlich nicht geschützt.

Die Schweiz hat im Urheberrecht noch keine KI-spezifischen Regeln. Nach Auffassung des Eidgenössischen Instituts für Geistiges Eigentum ist nur geschützt, was von einem Menschen stammt. Das Parlament hat eine Motion von FDP-Ständerätin Petra Gössi in abgeschwächter Fassung überwiesen. Ursprünglich verlangte sie, dass KI-Anbieter für die Nutzung geschützter Werke die Zustimmung der Rechteinhaber einholen müssen. Diese Zustimmungspflicht strich der Nationalrat im September 2025. Nun sollen geschützte Inhalte vor Missbrauch durch KI-Anbieter bewahrt werden, ohne den KI-Standort Schweiz zu schwächen. Die vorberatende Kommission bevorzugt eine Opt-out-Lösung, bei der Rechteinhaber der Nutzung widersprechen können. Das Institut arbeitet an einem Vorentwurf, der bis Ende 2026 in die Vernehmlassung gehen soll. Am 17.06.2026 schickte das Parlament zudem die Revision des Urheberrechtsgesetzes, die ein Leistungsschutzrecht für Medien bringen sollte, an den Bundesrat zurück. Er soll prüfen, was die künstliche Intelligenz für die Vorlage bedeutet. Justizminister Beat Jans rechnet mit rund zwei Jahren Verzögerung. Die Suisa, die Genossenschaft der Komponisten, Textautoren und Musikverleger, untersagt seit März 2024 das Text- und Data-Mining ihres Repertoires ohne Lizenz.

Für die Schweiz geht es um einen Markt, der dank Streaming wieder wächst. Die Labels setzten 2025 laut IFPI Schweiz knapp 259 Millionen Franken um, 237 Millionen oder 92 Prozent davon mit Streaming. Die Suisa nahm 2025 mit über 238 Millionen Franken so viel ein wie nie und verteilte 191 Millionen an Komponisten, Textautoren und Verlage. Eine Studie im Auftrag der Cisac, des internationalen Dachverbands der Verwertungsgesellschaften, warnt, dass bis 2028 knapp ein Viertel der Einnahmen von Musikschaffenden gefährdet sein könnte, weltweit bis zu 4 Milliarden Euro.

Chronik: Vom Hologramm zur Hitparade

31.08.2007 Hatsune Miku erscheint, eine synthetische Stimme mit Gesicht
27.05.2022 ABBA Voyage startet in London
24.06.2024 Universal, Sony und Warner verklagen Suno und Udio
02.02.2025 Grammy für «Now and Then» der Beatles
05.07.2025 The Velvet Sundown gibt zu, ein KI-Projekt zu sein
27.09.2025 Tilly Norwood wird am Zurich Summit präsentiert
29.10.2025 Universal einigt sich mit Udio
11.11.2025 Landgericht München I: GEMA gewinnt gegen OpenAI
01.2026 «Papaoutai (Afro Soul)» in den Top 10 der Schweizer Hitparade
04.2026 IngaRose auf Platz 1 der iTunes-Charts
02.05.2026 Die Oscars verlangen menschliche Darsteller
21.07.2026 Deezer: An Spitzentagen ist über die Hälfte der Uploads KI
30.07.2026 Die IFPI veröffentlicht Chartregeln für KI
31.07.2026 Landgericht München I: GEMA gewinnt gegen Suno
02.08.2026 Die Transparenzpflichten des AI Act gelten
08.2026 Australien nimmt KI-Titel aus den Charts
01.09.2026 SRF: IFPI Schweiz prüft eine KI-Regel für die Hitparade
30.09.2026 Kelly Clarkson fordert getrennte Charts
06.10.2026 18 Monate Haft für den Streamingbetrüger Michael Smith

Arena: Gehören KI-Songs in die Hitparade?

Pro: Ja, Hit ist Hit

  • Charts messen Nachfrage: «Celebrate Me» lief in über 300’000 Tiktok-Videos, «Papaoutai» kam auf 155 Millionen Spotify-Abrufe. Wer Hörer findet, gehört gezählt.
  • Keine saubere Grenze: Hybride Produktionen sind die Regel. Selbst der Grammy-Song «Now and Then» gilt als KI-gestützt.
  • Fehlalarme treffen Menschen: Die Metal-Sängerin Maphra galt als KI und tritt live auf.
  • Menschen hinter den Acts: Telisha Jones schreibt ihre Texte selbst, Dallas Little seine Songs. Ein Verbot träfe auch sie.
  • Kennzeichnen statt verbannen: Hinweise wie «AI Persona» machen KI sichtbar, das Publikum entscheidet.

Contra: Nein, eigene KI-Charts

  • Verdrängung: An Spitzentagen ist über die Hälfte der neuen Uploads bei Deezer KI, 70 Prozent der Befragten sehen die Existenz von Musikern bedroht.
  • Manipulierbar: Wenige tausend Käufe reichen für Platz 1, bis zu 85 Prozent der Streams auf KI-Titeln waren Betrug.
  • Gebaut auf fremder Arbeit: Das Landgericht München I fand geschützte Werke in Sunos Modellen.
  • Charts würdigen Menschen: Hitparaden sind Bestenlisten menschlicher Leistung, so sieht es selbst die IFPI.
  • Täuschung: 97 Prozent erkennen KI-Musik im Blindtest nicht, mehrere Acts gaben die KI erst nach Kritik zu.

Kommentar: Nicht die Maschine ist das Problem, sondern die Täuschung

Kelly Clarksons Olympia-Vergleich ist eingängig, aber er führt in die Irre. An Olympischen Spielen misst sich der menschliche Körper. In der Hitparade misst sich, was Menschen hören wollen. Wer einen Song liebt, liebt ihn nicht weniger, weil die Stimme aus einem Rechner kommt. Das mag man bedauern. Eine Hitparade, die solche Erfolge unterschlägt, bildet die Wirklichkeit aber nicht ehrlicher ab, sondern schlechter.

Das eigentliche Problem liegt anderswo. Es ist die Täuschung: die Band, die ihre Herkunft zuerst bestreitet, das Profil, das einen Menschen vorgaukelt, der DJ, der die KI erst nach Kritik zugibt. Und es ist der Betrug: Bots, die Streams fälschen, Käufe, die eine Nische in einen Triumph verwandeln, Modelle, die auf fremden Werken gebaut sind. Dagegen helfen keine getrennten Charts, sondern drei Regeln. Erstens eine Kennzeichnung, die bei jedem Titel sichtbar ist. Zweitens der Ausschluss von Titeln, deren KI-Herkunft verschwiegen wird oder deren Modelle ohne Lizenz trainiert wurden. Drittens eine Zählung, die gekaufte und gefälschte Abrufe konsequent herausfiltert.

Die IFPI Schweiz ist auf gutem Weg, wenn sie sich an diesen Grundsätzen orientiert. Sie sollte aber der Versuchung widerstehen, Menschlichkeit in Prozenten zu messen. Erkennungssoftware irrt. Der Fall Maphra zeigt, wie schnell ein Verdacht die Falschen trifft. Und die Branche sollte ehrlich sein. Wer gegen KI klagt und zugleich KI lizenziert, kämpft nicht nur für die Kunst, sondern auch um seinen Anteil am Geschäft. Das ist legitim. Es sollte nur nicht als Rettung der Kultur verkauft werden.

Alle Angaben Stand 18.10.2026. Chartplatzierungen variieren je nach Quelle und Chartwoche. Bei IngaRose ist der Urheber nicht offiziell bestätigt, bei Sienna Rose ist ein KI-Ursprung nicht belegt. Die Zahlen von Deezer beruhen auf Angaben des Unternehmens. Zitate aus dem Englischen übersetzt.

Mehr zum Thema: Brüssel reguliert, Zürich baut: Wie die Schweiz das KI-Rennen gewinnt, indem sie nicht mitmacht · Hogwarts im Abo: Die neue Harry-Potter-Serie und das Milliardengeschäft mit der Nostalgie · Lizenz zum Warten: Das Milliardenpoker um den neuen James Bond

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