Camping-Trends 2026: Die Schweiz zeltet, rollt und glampt wie nie
5,2 Millionen Logiernächte auf Schweizer Campingplätzen, ein Rekordbestand an Wohnmobilen und ein Fahrzeugmarkt, der sich vom Boom verabschiedet. Sieben Trends zeigen, wohin die Outdoor-Bewegung steuert und wo es eng wird.

Wer in diesem Sommer am Thunersee, am Vierwaldstättersee oder im Engadin einen Stellplatz suchte, kennt das Bild: volle Plätze, Wartelisten, Wohnmobile mit deutschen, holländischen und immer öfter mit Zürcher Kennzeichen. Was während der Pandemie als Notlösung begann, hat sich zur festen Ferienform gewandelt. 2025 zählte das Bundesamt für Statistik rund 5,2 Millionen Logiernächte auf Schweizer Campingplätzen, ein Plus von 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kein anderes Segment der Parahotellerie wuchs schneller. Und die Saison 2026 begann mit einem Buchungsstand, der beim TCS Camping im Frühling 14 Prozent über dem Vorjahr lag.
Gleichzeitig kippt der Fahrzeugmarkt. Die Neuzulassungen von Wohnmobilen sind in der Schweiz seit 2023 rückläufig, im ersten Quartal 2025 brachen sie um über ein Drittel ein. «Die Rückkehr zur Normalität», nannte das Thomas Rücker, Direktor von auto-schweiz, gegenüber SRF. Mehr Camper, weniger neue Camper: Dieser scheinbare Widerspruch ist der Schlüssel zum Verständnis der Branche im Jahr 2026. Wer ein Fahrzeug wollte, hat eines. Jetzt geht es darum, wie, wo und wie lange damit gereist wird.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert | Veränderung | Quelle |
|---|---|---|---|
| Logiernächte Campingplätze Schweiz 2025 | rund 5,2 Mio. | +8,2 % | BFS via htr.ch |
| davon inländische Gäste | rund 3,1 Mio. | BFS via htr.ch | |
| davon Gäste aus Deutschland | rund 875’000 | +13 % | BFS via htr.ch |
| Parahotellerie Schweiz gesamt 2025 | rund 18,1 Mio. | +4,7 % | BFS via htr.ch |
| Logiernächte TCS Camping 2025 | rund 900’000 | stabil | TCS |
| TCS-Camping-Mitgliedschaften 2025 | 28’700 | +4 % | TCS |
| Buchungsstand TCS Camping Sommer 2026 (Stand Mai) | +14 % | Parahotellerie Schweiz | |
| Wohnmobilbestand Schweiz 2025 | rund 110’000 | Rekord | Branchenmeldung unter Berufung auf BFS/ASTRA* |
| Neuzulassungen Campingfahrzeuge Schweiz Q1 2025 | rund 1’000 | −35,8 % | auto-schweiz via SRF |
| Neuzulassungen Freizeitfahrzeuge Deutschland 2025 | 94’134 | −2,3 % | CIVD |
| Gebrauchtmarkt Deutschland 2025 (Besitzumschreibungen) | 192’239 | +2,7 %, Rekord | CIVD |
| Durchschnittspreis Familiennacht Hochsaison Schweiz | CHF 55 | +3 % | Swisscamps |
| Campingplätze im Verband Swisscamps | 216 | Swisscamps | |
| Besucher Caravan Salon Düsseldorf 2026 | über 259’000 | Messe Düsseldorf |
*Die Bestandszahl von 110’368 Wohnmobilen stammt aus einer Firmenmitteilung, die sich auf BFS und ASTRA beruft. Wir konnten sie nicht direkt in der Bundesstatistik verifizieren; die Grössenordnung ist plausibel, die Zahl sollte vor Weiterverwendung geprüft werden.


Hintergrund: Vom Corona-Boom zur neuen Normalität
Die Geschichte des Schweizer Campings der letzten sechs Jahre lässt sich in drei Akten erzählen. Erster Akt, 2020 bis 2022: Grenzen zu, Flugreisen unsicher, Hotels geschlossen. Wer Ferien wollte, kaufte ein Wohnmobil oder mietete eines. Die Neuzulassungen erreichten Rekordwerte, Händler meldeten Lieferfristen von über einem Jahr. TCS Camping zählte 2020 rund 783’000 Übernachtungen.
Zweiter Akt, 2023 bis 2025: Die Fahrzeugverkäufe normalisieren sich. 2015 wurden in der Schweiz laut SRF in einem ganzen Jahr rund 3’000 Campingfahrzeuge zugelassen, im Boomjahr deutlich mehr, 2025 bricht der Markt ein. Der Occasionsmarkt schwillt an: Im ersten Quartal 2025 wuchs das Angebot um 12,7 Prozent, die Preise fielen um 7 Prozent. In Deutschland sank die Produktion 2025 um 17 Prozent, der Branchenumsatz um 6,5 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Der Verband CIVD spricht selbst von einem «Käufermarkt».
Dritter Akt, 2026: Die Nutzung bleibt, das Kaufverhalten ändert sich. Die Übernachtungen wachsen weiter, weil die Fahrzeuge, die zwischen 2020 und 2022 gekauft wurden, jetzt genutzt werden. «Der Trend zum Campen ist nach wie vor da und nachhaltig», sagt TCS-Sprecherin Vanessa Flack. «Viele haben in der Pandemie ein Wohnmobil gekauft, aber sie nutzen dieses jetzt immer noch aktiv.» Und im Juli 2026 formulierte sie es gegenüber Blick noch deutlicher: «Campingferien sind längst kein Trend mehr, sondern fest in der Schweizer Ferienkultur verankert.»
Dazu kommt ein geopolitischer Faktor. Laut einer Umfrage, die Parahotellerie Schweiz im Mai 2026 zitierte, stufen 33 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Auslandreisen als «eher unsicher» ein, 35 Prozent haben ihr Reiseziel angepasst, ein Rekordwert. Wer nicht fliegen will, campt im eigenen Land. Die Schweiz profitiert doppelt: als Ziel für Einheimische und als sichere Destination für Deutsche, deren Logiernächte auf Schweizer Campingplätzen 2025 um 13 Prozent zulegten.

Trend 1: Kleiner, leichter, günstiger
Der auffälligste Trend an den grossen Messen des Jahres, der CMT in Stuttgart im Januar und dem Caravan Salon in Düsseldorf im September, ist die Rückkehr des Preisbewusstseins. Nach Jahren, in denen jedes neue Modell teurer und schwerer wurde, reagiert die Industrie auf einen gesättigten Markt mit Einsteigerfahrzeugen. Der ADAC nennt als Beispiel den Bürstner Papillon, der «einen einfachen Einstieg ins Vanlife für unter 40’000 Euro» bieten soll, allerdings mit Abstrichen bei der Ausstattung.
Parallel dazu boomen superleichte Wohnwagen. Der Dethleffs c.fold, ein Klappcaravan, wiegt 775 Kilogramm und lässt sich flach auf 1,65 Meter zusammenlegen. Der Hersteller hält laut ADAC eine Optimierung auf 600 Kilogramm für möglich. Solche Anhänger sind die Antwort auf zwei Probleme gleichzeitig: die 3,5-Tonnen-Grenze des Führerausweises der Kategorie B und die begrenzte Reichweite von Elektroautos als Zugfahrzeug.
In Deutschland kommt eine Führerscheinreform hinzu, die Inhabern eines nach 1999 ausgestellten B-Ausweises künftig Wohnmobile bis 4,25 Tonnen erlauben soll. Der ADAC schreibt, «fast eine Million Camper» interessierten sich dafür. Ob und wann die Schweiz nachzieht, ist nach unserem Wissensstand offen; wir haben dazu keinen verifizierten Entscheid gefunden.

Trend 2: Allrad und Autarkie: der Expeditionsmobil-Kult
Am anderen Ende der Preisskala wächst ein Segment, das vor zehn Jahren eine Nische für Weltreisende war: Allradwohnmobile und Offroad-Caravans. «Lang sei mittlerweile die Liste der Hersteller, die 4×4-Fahrzeuge anbieten», fasst der ADAC zusammen, die meisten auf Basis des Mercedes Sprinter, teilweise mit 4,9 Tonnen Gesamtgewicht. Die Basler Zeitung zählte den «Boom bei Expeditionsmobilen und Offroad-Fahrzeugen» im September 2026 zu den fünf wichtigsten Trends des Jahres.
Dazu gehört die Technik der Selbstversorgung: Lithiumbatterien, Solaranlagen mit über 800 Watt, Frischwassertanks von 220 Litern, digitale Steuerungen über Touchpanel und App. Der Wunsch dahinter ist nicht der Campingplatz, sondern die Unabhängigkeit davon. Wer autark ist, kann dort stehen, wo es keine Infrastruktur gibt. Genau das führt zum Konflikt, der weiter unten diskutiert wird.
Bemerkenswert ist auch die «Toiletten-Revolution», wie Auto Bild sie nach der CMT nannte: Trockentrenntoiletten und Verschweisssysteme wie die Clesana X1 (über 1’100 Euro) ersetzen die klassische Chemietoilette. Das ist mehr als ein Detail: Wer keine Entsorgungsstation braucht, ist noch unabhängiger vom Platz.

Trend 3: Dachzelt und modulare Systeme
Der demokratischste Trend des Jahres passt auf jedes Autodach. Dachzelte, einst Zubehör für Safari-Fahrzeuge, sind zum Massenprodukt geworden. In Düsseldorf zeigte die Branche 2026 aufblasbare Varianten (Rhön Camp «The New Ultimate» mit 2,30 Metern Stehhöhe, aufblasbar in sechs bis acht Minuten) und Montagesysteme, die selbst Sportwagen zum Camper machen. Die Messe Düsseldorf nennt «Dachzelte und innovative Montagesysteme» explizit als einen der Trends der Leitmesse.
Die Logik dahinter: Ein Dachzelt kostet einen Bruchteil eines Wohnmobils, braucht keinen Stellplatz in der Garage und keine zweite Versicherung. Es macht aus dem Familienauto ein Wochenendfahrzeug. Dazu kommen modulare Lösungen: herausnehmbare Küchenboxen, Klappbetten, aufblasbare Markisen. Der Anbieter Stuff Bubble zeigte laut ADAC ein System, bei dem Küche, Bett und Markise aufblasbar sind und im Rucksack Platz finden. Der Camper der Zukunft ist kein Fahrzeug, sondern ein Baukasten.
Für die Schweiz mit ihren hohen Fahrzeugpreisen, knappen Parkplätzen und kleinen Wohnungen ist dieser Trend besonders relevant. Wer in Zürich oder Lausanne kein Wohnmobil abstellen kann, kauft ein Dachzelt.

Trend 4: Glamping: Camping ohne Camping
Während die einen unabhängiger werden wollen, wollen die anderen bequemer. Glamping, die Verbindung von Glamour und Camping, ist vom Marketingbegriff zum Geschäftsmodell geworden. TCS Camping baut in La Tène am Neuenburgersee ein Glamping-Village mit Bungalows und Zeltlodges im Pfahlbaustil, in Laax entsteht ein neues Glamping-Angebot. Blick beschreibt einen «Glamping-Boom» mit wachsender Nachfrage nach luxuriösen Stellplätzen.
Der Grund ist ökonomisch. Ein Mietbungalow oder eine Safarilodge bringt dem Platzbetreiber pro Quadratmeter ein Vielfaches einer Zeltparzelle, verlängert die Saison und spricht Gäste an, die nie ein Zelt kaufen würden. Die Schweizer Campingplätze sind mit durchschnittlich 55 Franken pro Familiennacht in der Hochsaison bereits teurer als der europäische Durchschnitt (laut Swisscamps rund 45 Euro). Glamping erlaubt es, diese Preise nach oben zu verlassen, ohne den klassischen Camper zu vergraulen.

Trend 5: Wintercamping und Ganzjahresbetrieb
«Camping ist längst keine reine Sommersache mehr», sagt Oliver Grützner, CEO von TCS Camping. Die sechs ganzjährig geöffneten TCS-Plätze (Flims, Lugano-Muzzano, Olivone, Samedan, Sion, Solothurn) verzeichneten im Winter 2025/26 fünf Prozent mehr Logiernächte. Wintercamping war lange eine Sache von Hartgesottenen mit Skiern auf dem Dach. Heute ist es ein Angebot mit beheizten Sanitärgebäuden, Stromanschluss für die Standheizung und Wellnessbereich.
Für die Betreiber ist der Ganzjahresbetrieb eine Frage der Rentabilität: Fixkosten fallen zwölf Monate an, Einnahmen bisher nur in fünf. Für die Bergregionen ist er eine Chance, weil Camper im Winter Gäste sind, die im Skigebiet ausgeben, aber kein Hotelbett belegen.
Trend 6: Elektrisch reisen: das ungelöste Problem
Die Elektrifizierung ist beim Camping der Trend mit der grössten Lücke zwischen Ankündigung und Realität. VW zeigt mit dem ID.California Cruise eine vollelektrische Variante des Kultbusses, Mercedes-Benz Trucks und der Umrüster Etarki bieten laut ADAC batterieelektrische Lösungen. In der Schweiz hat Expertistan bereits über den Xiaomi SkyNomad N90 berichtet, dessen Explorer Edition mit Camping-Ausstattung zeigt, wie chinesische Hersteller das Thema angehen.
Doch die Physik ist unerbittlich: Ein Wohnmobil mit drei Tonnen Gewicht und der Aerodynamik eines Kühlschranks braucht viel Energie und Ladesäulen auf Campingplätzen sind rar. Realistischer ist derzeit die Kombination aus Elektroauto und Leichtcaravan (Trend 1) oder Dachzelt (Trend 3). Die Branche weiss das. Deshalb fliesst die Entwicklungsarbeit in Gewichtsreduktion, nicht in grössere Batterien.

Trend 7: Digital buchen, kürzer bleiben
Zwei leise Veränderungen prägen das Verhalten der Gäste. Erstens die Digitalisierung der Buchung: Plattformen wie Nomady, das private Stellplätze auf Bauernhöfen und in Gärten vermittelt, oder Campnow machen aus dem Anruf beim Platzwart eine App-Buchung. Nomady meldete laut Blick bis Juni 2026 ein Buchungswachstum von 20 Prozent, im Juli von 45 Prozent. «Wir konnten bis inklusive Juni ein Buchungswachstum von 20 Prozent verzeichnen», sagte Sprecher Jannis Hiller.
Zweitens die Verkürzung der Aufenthalte. Die Messe Düsseldorf nennt «kürzere Aufenthaltsdauern bei Campingurlauben» als Branchentrend. Statt drei Wochen an der Adria werden es mehrere Kurztrips: ein verlängertes Wochenende im Tessin, drei Tage am Bielersee, eine Nacht auf dem Pass. Das erhöht den Druck auf die Plätze in Stadtnähe und an den Seen und entlastet die Ferienregionen kaum. Und es befeuert die Nachfrage nach Stellplätzen ausserhalb der klassischen Campingplätze.
Ein dritter Effekt kommt vom Klima. Blick beschreibt eine «Nordwärts-Migration»: Camper weichen wegen der Hitze in die Berge und nach Norden aus, Schottland, Skandinavien und Kanada gewinnen, die Adria im Hochsommer verliert. Die Schweizer Alpen sind davon Nutzniesser.

Der Streitpunkt: Wildcampen
Nirgends prallen die Trends härter aufeinander als beim freien Stehen. Autarke Fahrzeuge (Trend 2), Dachzelte (Trend 3) und kurze Trips (Trend 7) führen dazu, dass immer mehr Menschen ausserhalb von Campingplätzen übernachten wollen. Die Rechtslage ist ein Flickenteppich. Ein generelles Bundesverbot gibt es nicht; das Zivilgesetzbuch regelt in Artikel 699 das Betretungsrecht von Wald und Weide, nicht das Übernachten. Laut TCS-Ratgeber erlauben Aargau und Obwalden eine Nacht auf öffentlichen Parkplätzen, Luzern gestattet es auf Gemeindeboden, sofern nicht ausdrücklich verboten. Generell verboten ist Wildcampen dagegen unter anderem in Zürich, Graubünden, Wallis, Tessin, St. Gallen, Thurgau, Genf, Freiburg und Basel-Stadt. Einzelne Übernachtungen oberhalb der Waldgrenze werden in praktisch allen Kantonen toleriert, solange keine Gruppen campieren und Zelte tagsüber abgebaut werden. Für Wohnmobile auf Parkplätzen gelten die Bestimmungen der jeweiligen Gemeinde.
Pro: Freiheit mit Anstand
Die Befürworter argumentieren mit der Tradition der Bewegungsfreiheit in der Schweizer Natur. Wer autark reist, seinen Abfall mitnimmt und morgens weiterfährt, hinterlässt weniger Spuren als ein Wanderer mit Grillkohle. Die Campingplätze sind im Sommer voll; wer keinen Platz findet, soll nicht kriminalisiert werden. Plattformen wie Nomady zeigen, dass private Stellplätze auf Bauernhöfen eine Win-win-Lösung sind: Der Landwirt verdient, der Gast steht legal. Ein Flickenteppich aus 26 kantonalen Regelungen ist für Gäste aus dem Ausland schlicht nicht nachvollziehbar und sollte durch eine einfache, national einheitliche Regel ersetzt werden: eine Nacht, kein Lärm, kein Abfall, keine Gruppen.
Contra: Die Natur ist kein Gratisparkplatz
Die Gegner verweisen auf die Erfahrungen der Pandemiejahre, als Passhöhen, Seeufer und Waldparkplätze zu inoffiziellen Campingplätzen wurden, mit Fäkalien im Gebüsch, Feuerstellen im Trockenwald und Anwohnern, die morgens um sechs von Standheizungen geweckt wurden. Wer die Infrastruktur eines Campingplatzes nutzt, bezahlt für Wasser, Abwasser, Abfall und Kurtaxe; wer wild steht, wälzt diese Kosten auf die Allgemeinheit ab. Die Plätze investieren Millionen in Glamping und Ganzjahresbetrieb (Trends 4 und 5) und stehen in direkter Konkurrenz mit dem Gratisstellplatz am See. Und die autarke Technik verschärft das Problem: Je unabhängiger ein Fahrzeug, desto länger bleibt es dort, wo es nicht hingehört.

Risiken: Wo es eng wird
Übernutzung der Hotspots. Die Konzentration auf Thunersee, Vierwaldstättersee und Engadin führt zu Auslastungen, die in der Hochsaison kaum mehr steigerbar sind. Das Wachstum von 8,2 Prozent ist nur möglich, weil neue Kapazitäten entstehen (La Tène, rund 100 neue Parzellen) und die Saison sich verlängert. Wächst die Nachfrage weiter, steigt der Druck auf Wildcampen und Stellplätze.
Preisspirale. Die Schweiz ist mit 55 Franken pro Familiennacht bereits teurer als Europa. Zusätzliche Investitionen in Glamping und Infrastruktur müssen refinanziert werden. Gleichzeitig zeigt die Konjunktur im Frühjahr 2026 erste Bremsspuren: Die Parahotellerie insgesamt verlor im ersten Quartal 2026 sechs Prozent Logiernächte, vor allem bei inländischen Gästen.
Fahrzeugmarkt und Händler. Der Einbruch der Neuzulassungen trifft Schweizer Händler und Vermieter. Wer im Boom Lagerbestände aufgebaut hat, sitzt heute auf Fahrzeugen, deren Occasionspreise fallen. Der Suisse Caravan Salon in Bern (22.10. bis 26.10.2026, letzte Ausgabe 57’000 Besucher und 380 Aussteller) wird zeigen, ob die Einsteigerstrategie der Hersteller in der Schweiz verfängt.
Klima und Wetter. Camping ist wetterabhängig wie kein anderes Segment. Die Regenperiode im Juli 2025 hat die Nachfrage laut TCS nicht gebremst, aber Hitzewellen im Mittelland und Unwetter in den Bergen sind ein wachsendes Risiko. Die «Nordwärts-Migration» kann sich auch gegen die Schweiz wenden, wenn der Alpenraum zu heiss oder zu unberechenbar wird.
Regulierung. Die Kantone und Gemeinden reagieren auf den Druck mit Verboten, nicht mit Angeboten. Ohne eine koordinierte Stellplatzstrategie, wie sie Frankreich oder Deutschland mit ihren Tausenden kommunalen Stellplätzen kennen, wird der Konflikt zwischen Campern, Anwohnern und Naturschutz härter.
Kommentar: Die Schweiz muss sich entscheiden
Die Zahlen sind eindeutig: Camping ist in der Schweiz keine Modeerscheinung, sondern die am schnellsten wachsende Form des Übernachtens. Das ist eine gute Nachricht für ein Land, das Wertschöpfung im Tourismus in die Regionen bringen will und eine gute Nachricht für alle, die Ferien ohne Flug wollen. Doch die Politik behandelt Camper immer noch wie ein Ärgernis. 26 kantonale Regelungen zum Wildcampen, eine Stellplatzinfrastruktur, die dem Zufall überlassen wird und Gemeinden, die auf volle Parkplätze mit Fahrverboten statt mit Angeboten reagieren: Das ist kein Konzept, das ist Verweigerung.
Wer 5,2 Millionen Logiernächte generiert, verdient eine Antwort auf die Frage, wo er stehen darf. Die Lösung liegt nicht im Verbot und nicht in der Anarchie, sondern in dem, was Nomady und die Landwirte vormachen: legale, bezahlte, einfache Stellplätze in der Fläche, damit die Hotspots entlastet werden. Und eine nationale Minimalregel für die eine Nacht unterwegs, die jeder versteht. Die Branche liefert 2026 die leichten, autarken und bezahlbaren Fahrzeuge. Jetzt ist der Staat dran.
Termine
- Suisse Caravan Salon, BERNEXPO Bern: 22.10. bis 26.10.2026
- Caravan Salon Düsseldorf 2027: 27.08. bis 05.09.2027
Hinweise zur Datenlage
Die Zahlen zu Logiernächten stammen aus der Parahotellerie-Statistik des BFS, zitiert nach htr.ch, sowie aus Medienmitteilungen von TCS Camping und Parahotellerie Schweiz. Die europäische Zahl von rund 413 Millionen Campingübernachtungen 2025 und die Umsatzschätzung von 120 bis 150 Millionen Franken für Schweizer Campingplätze wurden in der Basler Zeitung (10.09.2026) genannt; wir konnten sie nicht in einer Primärquelle verifizieren und haben sie deshalb nicht in die Tabelle aufgenommen. Eine offizielle Jahreszahl der Wohnmobil-Neuzulassungen 2025 für die Schweiz lag uns nicht vor; auto-schweiz weist Wohnmobile innerhalb der Personentransportfahrzeuge aus (2025: −19 Prozent auf 5’518 Einheiten, inklusive Kleinbusse).
Quellen
- htr.ch: Campingplätze treiben Parahotellerie-Wachstum (BFS-Zahlen 2025), https://www.htr.ch/edition-francaise/article/hotellerie/campingplaetze-treiben-parahotellerie-wachstum-45833
- htr.ch: Ferienwohnungen vor Kollektivunterkünften und Camping (Q1 2026), 16.07.2026, https://www.htr.ch/story/hotellerie/ferienwohnungen-vor-kollektivunterkuenften-und-camping-46229
- Moneycab: TCS Camping blickt auf starke Saison zurück, 07.10.2025, https://www.moneycab.com/style/tcs-camping-blickt-auf-starke-saison-zurueck/
- HappyTimes.ch / Parahotellerie Schweiz: Schweizer Campingplätze verzeichnen guten Winterabschluss, 22.05.2026, https://www.happytimes.ch/news/gute-nachrichten/39028-schweizer-campingplaetze-verzeichnen-guten-winterabschluss-und-blickt-positiv-auf-den-sommer-2026-schweizer-machen-vermehrt-ferien-im-eigenen-schoenen-land/
- aboutTravel: Parahotellerie Schweiz erwartet starken Sommer 2026, 19.05.2026, https://abouttravel.ch/schweiz-incoming-mice-mice-tip/parahotellerie-schweiz-erwartet-starken-sommer-2026/
- SRF: Weniger Neuzulassungen, kein Trend mehr, 30.04.2025, https://www.srf.ch/news/wirtschaft/weniger-neuzulassungen-kein-trend-mehr-wer-einen-campingbus-wollte-hat-schon-einen
- Blick: Campingplätze fast ausgebucht, 15.07.2026, https://www.blick.ch/wirtschaft/campingplaetze-fast-ausgebucht-campingferien-haben-sich-in-schweizer-ferienkultur-etabliert-hier-findest-du-auch-spontan-noch-einen-platz-id22109353.html
- CIVD: Über 94.000 Neuzulassungen, Jahresbilanz 2025, https://www.civd.de/news/01-2026-jahresbilanz/
- ADAC: Campingtrends 2026, 12.06.2026, https://www.adac.de/reise-freizeit/ratgeber/reisetipps/camping-trends/
- Auto Bild: CMT Stuttgart 2026, 19.01.2026, https://www.autobild.de/artikel/trends-der-camping-und-vanlife-welt-cmt-stuttgart-2026-28506093.html
- wir-leben-outdoor.de / Messe Düsseldorf: Caravan Salon 2026 Bilanz, https://www.wir-leben-outdoor.de/news/duesseldorf-ist-der-wichtigste-treffpunkt-der-caravaning-welt/
- Basler Zeitung: Campingtrends 2026: Die neuen Freiheiten, 10.09.2026 (via headtopics), https://ch.headtopics.com/news/campingtrends-2026-die-neuen-freiheiten-87613285
- TCS: Wildcampen in der Schweiz, https://www.tcs.ch/de/camping-reisen/camping-insider/ratgeber/reisevorbereitung/wild-campen-in-der-schweiz.php
- BERNEXPO: Suisse Caravan Salon 2026, https://suissecaravansalon.bernexpo.ch/de
- TIR transNews: Schweizer Nutzfahrzeugmarkt 2025 im Rückwärtsgang, 16.01.2026, https://www.tir-transnews.ch/branche/schweizer-nutzfahrzeugmarkt-2025-im-rueckwaertsgang/
- Presseportal.ch: Rekordbestand bei Wohnmobilen (Firmenmitteilung), 26.05.2026, https://www.presseportal.ch/de/pm/100078044/100940220



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