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Samstag, 12. September 2026
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Testbericht & Analyse

Zeekr 9X: Der Chinese, der die deutsche Oberklasse das Fürchten lehren will

897 PS, sechs Sitze, Laden in unter zehn Minuten und ein Benziner als Reserve: Der Zeekr 9X kommt im ersten Quartal 2027 in die Schweiz und soll 117 500 Franken kosten. Ein ausführlicher Bericht über Technik, Markt, Preis und die Frage, ob die Schweiz so ein Auto braucht.

Zeekr 9X tilted side
Zeekr 9X Ultra AWD: Die Front zitiert Rolls-Royce Cullinan und Range Rover. Bild: Zeekr

Ein 5,24 Meter langes SUV mit 897 PS, sechs Sitzen und 32 Lautsprechern, das in unter zehn Minuten lädt und trotzdem einen Benzinmotor an Bord hat: Mit dem 9X greift die Geely-Tochter Zeekr ab Ende 2026 in Europa an. Seit dieser Woche ist auch klar, was das Auto in der Schweiz kosten soll. Ein ausführlicher Bericht über Technik, Markt, Preis und die Frage, ob die Schweiz so ein Auto überhaupt braucht.

Redaktion Expertistan · Lesezeit ca. 15 Minuten · Stand der Recherche: Freitag, 11.09.2026

Ein Flaggschiff aus Ningbo

Wer den Zeekr 9X zum ersten Mal sieht, denkt nicht an China. Die aufrechte Front mit dem breiten, senkrecht verstrebten Kühlergrill, die lange Motorhaube, die fast waagrechte Dachlinie und die wuchtigen 22-Zoll-Räder zitieren unverhohlen die Formensprache von Rolls-Royce Cullinan und Range Rover. Entworfen wurde das Auto unter Designchef Stefan Sielaff im Zeekr-Designzentrum in Göteborg, also dort, wo auch Volvo und Polestar ihre Formen finden. Gebaut wird es in Ningbo in der Provinz Zhejiang. Nau.ch nannte den 9X darum treffend einen «chinesischen Amerikaner in Europa»: amerikanisch im Auftritt, schwedisch in der Linie, chinesisch in der Technik.

Zeekr 9X Frontansicht
Der senkrecht verstrebte Kühlergrill und die «Starlight»-Leuchten prägen die Front des Zeekr 9X. Bild: Zeekr

Die Eckdaten setzen den Rahmen: 5239 Millimeter Länge, 2029 Millimeter Breite ohne Spiegel, 1819 Millimeter Höhe, 3169 Millimeter Radstand. Damit überragt der 9X einen Mercedes GLS um gut drei Zentimeter in der Länge und um siebeneinhalb Zentimeter in der Breite. Leer wiegt die Europa-Version rund 2900 Kilogramm; die chinesischen Top-Versionen bringen bis zu 3095 Kilogramm auf die Waage. Sechs Personen sitzen in drei Reihen zu je zwei Einzelsitzen, der Kofferraum fasst 677 Liter und bei umgeklappten Sitzen 2148 Liter. Die Anhängelast von 2000 Kilogramm ist für ein Fahrzeug dieser Klasse eher bescheiden.

Zeekr ist die 2021 gegründete Premiummarke des Geely-Konzerns, zu dem auch Volvo, Polestar, Lotus und Smart gehören. Bis Mitte 2026 hat die Marke nach eigenen Angaben über 800 000 Fahrzeuge ausgeliefert. Der 9X ist das erste Modell der Marke, das nicht rein elektrisch fährt, und gleichzeitig das erste, das mit dem neuen Assistenzsystem G-Pilot H9 samt zwei Nvidia-Thor-Rechnern und fünf Lidar-Sensoren ausgeliefert wird. In China ist das Auto seit dem 29.09.2025 auf dem Markt, in Europa wurde es am 29.07.2026 in Amsterdam vorgestellt, die Schweizer Premiere fand am 08.09.2026 statt.

Stefan Sielaff mit dem Zeekr 9X
Stefan Sielaff, Designchef von Zeekr, verantwortete den 9X im Studio in Göteborg. Bild: Zeekr

Die Technik: 900 Volt, drei Motoren und ein Benziner als Stromlieferant

Zeekr nennt das Antriebskonzept «Super-Hybrid». Im Kern ist der 9X ein Range-Extender-Fahrzeug mit Plug-in-Batterie: Ein 2,0-Liter-Turbobenziner mit rund 275 bis 280 PS arbeitet in erster Linie als Generator und lädt die Batterie nach; nur in bestimmten Fahrsituationen treibt er die Räder direkt mit an. Den Vortrieb besorgen Elektromotoren, in Europa zwei (je einer vorne und hinten), in den chinesischen Spitzenversionen drei mit zusammen 1030 kW oder 1400 PS. Das ganze System läuft auf einer 900-Volt-Siliziumkarbid-Architektur, wie sie sonst nur wenige reine Elektroautos bieten.

Zwischenfrage · Abstimmen, dann weiterlesen
Soll die Schweiz chinesischen Luxus-SUV wie dem Zeekr 9X den roten Teppich ausrollen, oder ist ein 2,9-Tonnen-Hybrid mit 897 PS das falsche Auto zur falschen Zeit?
Ja, Wettbewerb belebt 100 %Nein, falsches Auto 0 %
2 Stimmen
Zeekr 9X 900-Volt-Plattform SEA-S
Die 900-Volt-Plattform SEA-S: Benziner als Generator, zwei E-Motoren, 55-kWh-Batterie von CATL. Bild: Zeekr

Die Batterie stammt von CATL. In China gibt es zwei Grössen: 55,1 kWh und 70 kWh, letztere die grösste Batterie, die je in einem Plug-in-Hybrid verbaut wurde. Nach dem chinesischen CLTC-Zyklus, der bekanntlich optimistisch rechnet, ergibt das 220 bis gut 300 Kilometer rein elektrische Reichweite und bis zu 1250 Kilometer Gesamtreichweite. Europa bekommt vorerst nur die kleine 55-kWh-Batterie, und nach dem strengeren WLTP-Zyklus bleiben davon 179 Kilometer elektrisch und 737 Kilometer gesamt. Frühe Pressemitteilungen sprachen noch von 223 respektive 767 Kilometern; auf der Website von Emil Frey stehen diese höheren Werte bis heute, ausdrücklich als vorläufig markiert. Die Schweizer Zeekr-Website nennt inzwischen 179 und 737 Kilometer, 77 Gramm CO₂ pro Kilometer und die Energieeffizienz-Kategorie G.

Das eigentliche Argument ist die Ladeleistung. Die Batterie verträgt eine Laderate von 6C; in Europa gibt Zeekr bis zu 330 kW Gleichstrom an, in China bis 500 kW. Von 10 auf 80 Prozent soll der 9X in rund 9,5 Minuten laden. Zum Vergleich: Ein Range Rover P550e braucht mit seiner 38-kWh-Batterie und maximal 50 kW dafür deutlich über eine halbe Stunde, ein Mercedes GLE 400 e ähnlich lang. Wer den 9X konsequent an Schnellladern lädt, könnte den Benziner im Alltag also fast nie brauchen. An der Wallbox lädt das Auto mit 11 kW in etwa fünfeinhalb Stunden voll.

Grafik Batterie und Ladeleistung im Vergleich
Batteriegrösse und Ladeleistung im Vergleich mit den grossen Plug-in-Hybriden. Grafik: Expertistan

Das Fahrwerk kombiniert eine Zweikammer-Luftfederung mit 110 Millimetern Verstellbereich, adaptive Dämpfer mit zwei Ventilen und ein aktives 48-Volt-Wankstabilisierungssystem. Die Bodenfreiheit lässt sich auf bis zu 288 Millimeter anheben. Die Karosserie besteht nach Herstellerangaben zu 91 Prozent aus hochfestem Stahl und Aluminium und erreicht eine Torsionssteifigkeit von 41 600 Newtonmetern pro Grad, ein Wert, mit dem sich sonst Sportwagenhersteller schmücken. Zeekr betont zudem, das Auto habe als erstes einen Vier-Richtungs-Crashtest bei 105 km/h bestanden; unabhängige Euro-NCAP-Ergebnisse liegen noch nicht vor.

China-Version und Europa-Version im Vergleich

China (Top-Version)Europa (Ultra AWD)
Systemleistung1030 kW / 1400 PS (drei Motoren)660 kW / 897 PS (zwei Motoren)
Drehmomentk. A.935 Nm
0 bis 100 km/h3,1 s4,1 s
Höchstgeschwindigkeit240 km/h240 km/h
Batterie55,1 oder 70 kWh (CATL, NMC)55,1 kWh (CATL, NMC)
Elektrische Reichweitebis 302 km (CLTC)bis 179 km (WLTP)
Gesamtreichweitebis 1250 km (CLTC)bis 737 km (WLTP)
DC-Ladenbis 500 kW, 20 bis 80 % in ca. 9 minbis 330 kW, 10 bis 80 % in ca. 9,5 min
Verbrauch (WLTP, gewichtet)k. A.8,8 l/100 km, 28 kWh/100 km, 77 g CO₂/km
AssistenzG-Pilot H9, 2× Nvidia Thor-U, 5 LidarLidar-basiert, Autobahn-Navigation, Remote-Parken
Preis465 900 bis 599 900 Yuan (ca. CHF 52 000 bis 67 000)CHF 117 500 (gemäss vybe.ch), Deutschland EUR 119 500
Umrechnung Yuan in Franken zum Kurs von Anfang September 2026, gerundet; chinesische Preise enthalten Steuern des Heimmarkts und sind nicht mit Schweizer Listenpreisen vergleichbar.

Innenraum: Ein rollendes Kino

Zeekr 9X Cockpit
Cockpit mit 16-Zoll-OLED-Bildschirm, 13-Zoll-Instrumentendisplay und 47-Zoll-AR-Head-up-Display. Bild: Zeekr

Innen setzt Zeekr auf Überfluss. Nappaleder, echtes Holz, Metallapplikationen, ein Dachhimmel aus Mikrofaser und gesteppte Sitze mit Perforation gehören zur Serie. Vor dem Fahrer spannt sich ein 47 Zoll grosses Augmented-Reality-Head-up-Display über die Windschutzscheibe, dazu kommen ein 13-Zoll-Instrumentendisplay und ein 16-Zoll-OLED-Touchscreen mit 3,5K-Auflösung. Für die zweite Reihe fährt ein 17-Zoll-OLED-Bildschirm aus dem Dach; daher das Bild vom «rollenden Kino», das die deutsche Fachpresse geprägt hat. Ein Kühl- und Wärmefach mit automatischer Temperaturregelung, Kristall-Drehregler und ein Naim-Soundsystem mit 32 Lautsprechern und 3800 Watt runden das Paket ab.

Zeekr 9X zweite Sitzreihe
Der Ehrenplatz: «Cloud Lounge»-Sitze in der zweiten Reihe mit Liegefunktion, Massage und 17-Zoll-Bildschirm. Bild: Zeekr

Die zweite Reihe ist der eigentliche Ehrenplatz. Die beiden Einzelsitze lassen sich in eine «Zero-Gravity»-Liegeposition fahren, mit ausfahrbaren Beinauflagen, Massage, Heizung und Belüftung. Zeekr nennt sie «Cloud Lounge»-Sitze. Auch die dritte Reihe bietet zwei Einzelsitze statt einer Notbank; bei 3169 Millimetern Radstand haben dort auch Erwachsene Platz. Die Heckklappe ist elektrisch geteilt, wie bei Range Rover und Rolls-Royce.

Zeekr 9X Naim-Lautsprecher
Naim-Soundsystem mit 32 Lautsprechern und 3800 Watt. Bild: Zeekr
Zeekr 9X Bordkühlschrank
Kühl- und Wärmefach mit automatischer Temperaturregelung in der Mittelkonsole. Bild: Zeekr

Was auffällt: Der 9X kopiert nicht die nüchterne Bauhaus-Ästhetik, mit der Zeekr in Europa bisher auftrat, sondern zielt bewusst auf eine Klientel, die Opulenz sucht. Für Schweizer Augen, die an die Zurückhaltung eines Audi Q7 oder Volvo XC90 gewöhnt sind, ist das gewöhnungsbedürftig. Für Kunden aus dem Nahen Osten, dem ersten Exportmarkt, dürfte es genau richtig sein.

Zeekr 9X Interieur Nappaleder
Nappaleder Charcoal Black, echtes Holz, Kristall-Drehregler. Bild: Zeekr

Fahreindruck: Rolls-Royce-Manieren, nicht M-Sport

Einen unabhängigen Schweizer Test gibt es noch nicht; die ersten Fahrberichte stammen von einer kurzen Testfahrt auf einem abgesperrten Gelände, die Zeekr internationalen Journalisten ermöglicht hat. Das australische Portal CarExpert beschreibt den Vortrieb als «geschmeidig und mühelos, eher Rolls-Royce als BMW M». Die Beschleunigung baut sich ohne Ruck auf, die Lenkung ist leichtgängig und stark unterstützt, was das 5,2-Meter-Auto handlicher wirken lässt, als es ist. Luftfederung und aktive Wankstabilisierung halten die Karosserie ruhig. Allerdings gaben Schwellen und Kanten «schärfere Stösse» in den Innenraum weiter, als man bei einem Komfort-SUV erwartet. Die Bremsen wurden als vertrauenswürdig beschrieben.

Zeekr 9X Seitenansicht
5,24 Meter Länge, 2,03 Meter Breite, 22-Zoll-Räder: Der 9X ist grösser als ein Mercedes GLS. Bild: Zeekr

Was fehlt, ist der Alltagstest: Verbrauch bei leerer Batterie, Geräuschverhalten des Range-Extenders unter Last, Traktion auf Schnee mit 2,9 Tonnen und 285er-Reifen, das Verhalten der Assistenzsysteme auf Schweizer Bergstrassen. Hier bleibt der 9X vorerst ein Versprechen. Der WLTP-Verbrauch von 8,8 Litern pro 100 Kilometer bezieht sich auf den gewichteten Zyklus mit teilweise geladener Batterie; im reinen Benzinbetrieb dürfte ein Auto dieser Masse zweistellige Verbräuche erreichen.

Der Heimmarkt: Erst Höhenflug, dann Ernüchterung

In China war der 9X vom Start weg ein Erfolg. Sieben Monate in Folge führte er das Segment der grossen SUV ab 500 000 Yuan an und erreichte dort einen Marktanteil von rund einem Drittel. Im März 2026 wurden 10 060 Fahrzeuge ausgeliefert, bis Ende Mai waren es kumuliert knapp 62 000. Ein chinesisches Auto, das in der Preisklasse eines Mercedes GLS oder BMW X7 mehr verkauft als die deutschen Originale: Das gab es vorher nicht.

Grafik Auslieferungen Zeekr 9X in China
Auslieferungen des Zeekr 9X in China pro Monat. Grafik: Expertistan

Doch seit dem Frühjahr bröckelt die Nachfrage. Im Juni sanken die Auslieferungen auf 6382 Fahrzeuge, ein Minus von 24 Prozent gegenüber dem Vormonat und der dritte Rückgang in Folge. Der Anteil des 9X an den Zeekr-Verkäufen fiel von 31 Prozent im Dezember auf 18 Prozent im Juni. Zeekr reagierte am 28.07.2026 mit einer günstigeren Fünfsitzer-Variante ab 471 900 Yuan (mit Einführungsrabatt 451 900) und verzichtete dabei bemerkenswerterweise auf jede Launch-Zeremonie. Im August meldete die Marke mit 36 981 Fahrzeugen zwar den fünften Monatsrekord in Folge und den Beginn der 9X-Exporte; wie viele davon auf den 9X entfielen, verrät Zeekr seither nicht mehr. Der chinesische Markt für Luxus-SUV ist umkämpft wie kein zweiter: Li Auto, Aito (Huawei), Yangwang (BYD) und Nio drängen mit ähnlichen Konzepten, und der Preiskrieg frisst Margen.

Für Europa heisst das zweierlei. Erstens hat Zeekr ein Interesse, Volumen zu exportieren, wenn der Heimmarkt sättigt. Zweitens zeigt der chinesische Verlauf, wie schnell ein Hype in diesem Segment verpuffen kann.

Europa und die Schweiz: Emil Frey, Zölle und ein Preis, der jetzt auf dem Tisch liegt

Zeekr Europe mit Sitz in Amsterdam ist seit 2023 aktiv und bis Sommer 2026 in 16 Märkten präsent; bis Jahresende sollen es 24 sein. In der Schweiz vertreibt die Emil Frey AG die Marke, die bisher mit den Elektromodellen 001, X und 7X vertreten ist. Der 9X ist das fünfte Modell in drei Jahren und das erste mit Verbrennungsmotor. Die Entscheidung fiel, wie Automotive News berichtete, auf Druck der europäischen Händler, die nach Hybriden für Kunden ohne Lademöglichkeit verlangten. Angeboten wird zunächst eine einzige Ausstattung, «Ultra AWD» als Sechssitzer, in den Farben Crystal White, Lava Grey und Onyx Black, optional mit schwarzem Styling-Paket «Black Line». Die Garantie beträgt fünf Jahre oder 100 000 Kilometer, auf die Batterie acht Jahre oder 200 000 Kilometer; die Schweizer Zeekr-Website wirbt zudem mit einer auf zehn Jahre oder 200 000 Kilometer verlängerbaren Garantie.

Zeekr 9X Heckansicht
Die elektrisch geteilte Heckklappe wie bei Range Rover und Rolls-Royce. Bild: Zeekr

Lange nannte Zeekr keinen Preis. Das hat sich in dieser Woche geändert. In Deutschland kostet der 9X Ultra AWD 119 500 Euro, die Variante Black Line 126 500 Euro; die Auslieferungen sollen dort zwischen Dezember 2026 und dem ersten Quartal 2027 beginnen. Für die Schweiz meldet das Portal vybe.ch nach der Schweizer Premiere vom 08.09.2026 einen Einstiegspreis von 117 500 Franken; die Bestellbücher sollen im Oktober 2026 öffnen, die Auslieferungen im ersten Quartal 2027 beginnen. Emil Frey selbst hat den Preis auf seiner Website noch nicht bestätigt und schreibt weiterhin, die Schweizer Preise würden «zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben». Zur Einordnung: Ein Mercedes GLS beginnt in der Schweiz bei rund 130 000 Franken, ein BMW X7 bei rund 125 000 Franken, ein Range Rover P550e bei rund 170 000 Franken. Der 9X liegt damit knapp unter den deutschen Diesel-Flaggschiffen und bietet dafür 897 PS, eine Sechssitzer-Lounge und 900-Volt-Technik. Das mit Abstand üppigste Angebot in dieser Preisklasse ist er trotzdem. Günstig, wie es die ersten Spekulationen von unter 100 000 Franken erhoffen liessen, ist er nicht.

Grafik Preisvergleich Schweiz
Ungefähre Schweizer Listenpreise ohne Optionen. Grafik: Expertistan

Ein zentraler Punkt wird gerne übersehen: Die EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos, für Geely-Marken 18,8 Prozent zusätzlich zum regulären Importzoll von 10 Prozent, gelten nur für batterieelektrische Fahrzeuge. Ein Range-Extender-Hybrid wie der 9X fällt nicht darunter. Das erklärt, weshalb Zeekr ausgerechnet mit einem Verbrenner-Hybrid ins Luxussegment vorstösst. Die Schweiz kennt als Nicht-EU-Land ohnehin keine Strafzölle auf chinesische Autos; hier gelten die normalen Importabgaben und die CO₂-Emissionsvorschriften für Neuwagen, die für den 9X mit 77 Gramm pro Kilometer nach WLTP unkritisch sind.

Bleiben die Schweizer Besonderheiten: 5,24 Meter Länge und über zwei Meter Breite sind in vielen Einstellhallen und Altstadtgassen ein echtes Problem; die kantonalen Motorfahrzeugsteuern, die vielerorts nach Gewicht oder Hubraum rechnen, treffen ein 2,9-Tonnen-Auto empfindlich; und das Servicenetz von Zeekr ist in der Schweiz noch dünn. Nau.ch warnt zudem vor dem Restwertrisiko für Erstkäufer einer Marke, die hierzulande noch keine Gebrauchtwagenhistorie hat. Dem stehen Vorteile gegenüber: Emil Frey als etablierter Importeur, eine für Schweizer Winter attraktive Kombination aus Allrad, Luftfederung und Reichweite ohne Ladezwang sowie ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das die deutsche Konkurrenz nicht bieten kann.

Die Konkurrenz: Wo der 9X steht

Der 9X tritt in Europa gegen zwei Gruppen an: gegen die klassischen Diesel-Luxus-SUV der Deutschen und gegen die wenigen grossen Plug-in-Hybride. Die folgende Übersicht zeigt, wie ungewöhnlich das Paket ist. Alle Werte für die Konkurrenz sind Herstellerangaben der aktuellen Modelljahre und gerundet; Preise sind ungefähre Schweizer respektive deutsche Listenpreise ohne Optionen.

ModellAntriebLeistungE-Reichweite (WLTP)DC-LadenPreis ab (ca.)
Zeekr 9X Ultra AWDRange-Extender-Hybrid, 55 kWh897 PS179 km330 kW, 9,5 minCHF 117 500 (gemäss vybe.ch)
Range Rover P550ePlug-in-Hybrid, 38 kWh550 PSca. 110 km50 kW, ca. 40 minCHF 170 000
Mercedes GLS 450 dDiesel-Mildhybrid367 PSkeinekein DC-LadenCHF 130 000
BMW X7 xDrive40dDiesel-Mildhybrid352 PSkeinekein DC-LadenCHF 125 000
Volvo XC90 T8Plug-in-Hybrid, 19 kWh455 PSca. 70 kmnur ACCHF 95 000
Audi Q9Diesel / Benzink. A.keinekein DC-LadenEUR 108 400 (DE)
Angaben zur Konkurrenz aus öffentlich zugänglichen Herstellerdaten, Stand Sommer 2026, gerundet; Schweizer Preise ohne Gewähr.

Auffällig ist, dass kein etablierter Hersteller in dieser Klasse eine Batterie über 40 kWh mit echter Schnellladefähigkeit anbietet. Der Range Rover lädt mit maximal 50 kW, der XC90 nur an Wechselstrom. Der 9X spielt hier technisch eine Generation weiter. Umgekehrt haben Mercedes und BMW, was Zeekr fehlt: ein Netz von Dutzenden Werkstätten, jahrzehntelange Restwertdaten und Marken, die in der Tiefgarage keiner erklären muss. Der Volvo XC90 ist für Schweizer Käufer die interessanteste Alternative: gleiche Konzernmutter, gleiche skandinavische Designschule, halb so viel Leistung, dafür ein Servicenetz in jeder Region und gut 20 000 Franken weniger auf der Rechnung.

Zeekr 9X Panoramadach
Zweigeteiltes Panorama-Glasdach. Bild: Zeekr

Bewertung

Die Bewertung stützt sich auf die vorliegenden Herstellerdaten, die ersten internationalen Fahrberichte und die Marktlage in der Schweiz. Sie ist vorläufig, bis ein Testwagen auf Schweizer Strassen bewegt werden konnte.

Pro

  • Schnellladen in unter zehn Minuten: Kein anderer Plug-in-Hybrid kommt in die Nähe.
  • 897 PS und 4,1 Sekunden auf 100 km/h bei gleichzeitig 737 Kilometern Reichweite.
  • Sechs vollwertige Einzelsitze mit Lounge-Komfort in der zweiten Reihe.
  • Günstiger als GLS, X7 und Range Rover bei deutlich üppigerer Ausstattung.
  • Fünf Jahre Garantie, acht Jahre auf die Batterie; Emil Frey als etablierter Schweizer Importeur.

Contra

  • 2,9 Tonnen Leergewicht, 5,24 Meter Länge, über zwei Meter Breite: ein Auto gegen die Schweizer Infrastruktur.
  • Mit 117 500 Franken teurer als erhofft; der Preis ist von Emil Frey noch nicht offiziell bestätigt.
  • Nur eine Ausstattung, nur die kleine Batterie; die 70-kWh-Version und der Dreimotor-Antrieb bleiben China vorbehalten.
  • Dünnes Servicenetz, kein Gebrauchtwagenmarkt, unklarer Restwert.
  • Anhängelast von nur zwei Tonnen und eine Anmutung, die manchen zu laut ist.
KriteriumNoteBegründung
Antrieb & Technik★★★★★900 Volt, 6C-Laden, 897 PS: eine Generation vor der Konkurrenz
Reichweite & Alltag★★★★☆179 km elektrisch reichen für Pendler; 737 km gesamt ohne Ladezwang
Innenraum & Komfort★★★★★Sechs Einzelsitze, Liegefunktion, 47-Zoll-HUD, Naim-Audio
Fahrverhalten★★★☆☆Komfortabel, aber 2,9 Tonnen; erste Tests melden harte Kanten; Alltagstest fehlt
Design★★★☆☆Souverän, aber wenig eigenständig; zitiert Range Rover und Cullinan
Schweiz-Tauglichkeit★★☆☆☆Zu gross für viele Einstellhallen, gewichtsabhängige Steuern, dünnes Servicenetz
Preis-Leistung★★★★☆117 500 Franken sind viel Geld, aber weniger als bei GLS, X7 und Range Rover bei mehr Auto
Gesamturteil★★★★☆Technisch ein Meilenstein, für die Schweiz ein Nischenauto mit offenen Fragen

Fazit: Das Auto ist nicht das Problem

Der Zeekr 9X ist technisch das ambitionierteste Serienauto, das je aus China nach Europa gekommen ist. Die Kombination aus 900-Volt-Architektur, einer Batterie, die in unter zehn Minuten lädt, und einem Benziner, der die Reichweitenangst endgültig beseitigt, ist schlicht das, was Mercedes, BMW und Audi ihren Kunden seit Jahren versprechen und bis heute nicht liefern. Wer den 9X fährt, fährt drei Jahre Vorsprung.

Das Problem ist nicht das Auto, sondern der Ort. Die Schweiz mit ihren engen Städten, gewichtsabhängigen Steuern und einer Kundschaft, die Understatement schätzt, ist für einen 2,9 Tonnen schweren, 5,24 Meter langen Sechssitzer im Cullinan-Look nicht der natürliche Markt. Und mit 117 500 Franken ist der 9X kein Schnäppchen mehr, sondern ein Angebot an Leute, die ohnehin einen GLS oder X7 kaufen würden. Der 9X wird hier ein Nischenauto bleiben: für Grossfamilien mit Einfamilienhaus, für Unternehmer, die auffallen wollen, für Technikbegeisterte, die ein Statement setzen. Für alle anderen ist der kleinere 8X, der Ende 2026 folgen soll, das interessantere Versprechen.

Und doch stellt der 9X der Schweizer Automobilbranche eine unbequeme Frage: Wenn ein chinesischer Hersteller für weniger Geld als ein Mercedes GLS ein Auto liefert, das technisch einen Rolls-Royce alt aussehen lässt, wie lange lassen sich die Aufpreise der deutschen Oberklasse noch rechtfertigen? Die Antwort geben nicht die Ingenieure, sondern die Kunden. Ab dem ersten Quartal 2027.

Zeekr 9X in der Wüste
Zeekr 9X Ultra AWD: Ab dem ersten Quartal 2027 auf Schweizer Strassen. Bild: Zeekr

Datenblatt Zeekr 9X Ultra AWD (Europa, Herstellerangaben)

MerkmalWertMerkmalWert
Länge / Breite / Höhe5239 / 2029 / 1819 mmRadstand3169 mm
Leergewichtca. 2900 kgSitzplätze6 (2+2+2)
Kofferraum677 bis 2148 lAnhängelast2000 kg
Verbrenner2,0 l Turbo, 4 Zyl., ca. 280 PS (Generator)E-Motoren2 (vorne/hinten), Allrad
Systemleistung660 kW / 897 PSDrehmoment935 Nm
0 bis 100 km/h4,1 sHöchstgeschwindigkeit240 km/h
Batterie55,1 kWh NMC (CATL), 900 VE-Reichweite (WLTP)bis 179 km
Gesamtreichweite (WLTP)bis 737 kmVerbrauch gewichtet8,8 l + 28 kWh / 100 km
CO₂ (WLTP)77 g/kmEnergieeffizienz-KategorieG
DC-Ladenbis 330 kW, 10 bis 80 % ca. 9,5 minAC-Laden11 kW, 0 bis 100 % ca. 5,5 h
FahrwerkZweikammer-Luftfederung, CDC, 48-V-WankstabilisierungRäder22 Zoll, 285/45 R22
Garantie5 Jahre / 100 000 km (verlängerbar 10 J. / 200 000 km)Batteriegarantie8 Jahre / 200 000 km
Preis SchweizCHF 117 500 (gemäss vybe.ch, 10.09.2026)Preis DeutschlandEUR 119 500, Black Line EUR 126 500
Importeur SchweizEmil Frey AGMarktstart SchweizBestellstart Oktober 2026, Auslieferung Q1 2027

Quellen und Hinweise zur Recherche

Recherchestand: Freitag, 11.09.2026. Europäische Werte gemäss Zeekr Schweiz und Zeekr Europe; frühere Angaben (223/767 km) waren vorläufige Werte vor der WLTP-Homologation. Chinesische Preise und Reichweiten beziehen sich auf den Heimmarkt und den CLTC-Zyklus. Konkurrenzdaten sind gerundete Herstellerangaben und Listenpreise. Der Schweizer Preis von 117 500 Franken stammt von vybe.ch (10.09.2026) und war bei Redaktionsschluss von Emil Frey nicht offiziell bestätigt. Euro-NCAP-Ergebnisse lagen keine vor.

  • Zeekr Schweiz, Modellseite Zeekr 9X (zeekr.ch), abgerufen 11.09.2026
  • Emil Frey AG, «Schweizer Marktstart für den Zeekr 9X», 2026
  • vybe.ch, «Zeekr 9X: Das kostet der Luxus-SUV in der Schweiz», 10.09.2026; «Zeekr 9X: Das kostet der Luxus-SUV in Deutschland», 08.09.2026
  • Joos & Schach AG, Produktseite Zeekr 9X (technische Daten Schweiz, Vorbestellung)
  • Zeekr Group, Pressemitteilung «Zeekr 9X: Flagship Luxury SUV Officially On Sale», 29.09.2025
  • just-auto.com, «Zeekr launches 9X hybrid SUV in Europe», 29.07.2026
  • Automotive News Europe, «Zeekr responds to dealer demand with 9X flagship SUV for Europe», 29.07.2026
  • firmenauto.de, «Zeekr 9X startet in Deutschland: 897 PS, sechs Sitze, doch der Preis fehlt», 10.08.2026
  • Nau.ch, «Zeekr 9X: Ein chinesischer Amerikaner in Europa», 27.08.2026
  • CarExpert (Australien), «2026 Zeekr 9X review: Quick drive», 2026
  • CarNewsChina, «Zeekr 9X dominates the high-end SUV segment in China», 09.06.2026
  • CnEVPost, «Zeekr launches 5-seat 9X», 28.07.2026; «Zeekr delivers 36,981 vehicles in August», 01.09.2026
  • Bilder: Zeekr (Presseportal Zeekr Deutschland), Grafiken: Expertistan

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