Der Tag, der nicht vergeht: 25 Jahre nach dem 11. September
Fünfundzwanzig Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 lesen Angehörige wieder die 2983 Namen am Ground Zero. Eine Chronik der Stunden, der Menschen und dessen, was aus ihnen wurde.

Um 08.46 Uhr begann ein Tag, der bis heute nicht zu Ende ist. Fünfundzwanzig Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 lesen an diesem Freitag wieder Angehörige die 2983 Namen am Ground Zero. Eine Chronik der Stunden, der Menschen und dessen, was aus ihnen wurde.
Es gibt Daten, die eine Gesellschaft nicht einordnet, sondern die sie einordnen. Der 11. September 2001 ist so ein Datum. Wer an jenem Dienstag alt genug war, weiss, wo er stand, als das zweite Flugzeug einschlug. Wer danach geboren wurde, und das ist inzwischen ein grosser Teil der Weltbevölkerung, kennt den Tag nur als Bild: zwei Türme, ein blauer Himmel, eine Wolke aus Staub, die durch die Strassen von Lower Manhattan rollt. An diesem Freitag, dem 11. September 2026, jährt sich der Anschlag zum 25. Mal. Die Zeremonie am National September 11 Memorial dauert wie jedes Jahr so lange, wie es dauert, 2983 Namen zu lesen. Neu ist eine siebte Schweigeminute, am Ende der Lesung, für jene, die erst Jahre später an den Folgen des Tages gestorben sind. Sie werden von nun an jedes Jahr mitgezählt.

Der Morgen, Minute für Minute
Die Chronologie des Tages ist bis auf die Sekunde dokumentiert, durch die 9/11 Commission, das National Institute of Standards and Technology und das Memorial. Sie liest sich, ein Vierteljahrhundert später, immer noch wie ein Countdown, von dem niemand wusste, dass er läuft.
Was in dieser Liste nicht steht, ist das Entscheidende: die 102 Minuten zwischen dem ersten Einschlag und dem Einsturz des Nordturms, in denen Tausende Menschen Treppen hinunterstiegen, während Hunderte Feuerwehrleute dieselben Treppen hinaufstiegen. Beide Gruppen wussten nicht, wie viel Zeit ihnen blieb. Die einen kamen unten an. Von den anderen kamen 343 nicht zurück.
2977
Die Zahl der Toten, ohne die 19 Attentäter, beträgt 2977. Am World Trade Center starben nach der Zählung des New Yorker Gerichtsmediziners 2753 Menschen, die Insassen der beiden Flugzeuge mitgerechnet. Im Pentagon starben 125 Menschen im Gebäude und 59 an Bord von Flug 77. Auf dem Feld bei Shanksville starben 40. Unter den Toten waren acht Kinder, alle in den Flugzeugen, das jüngste zweieinhalb Jahre alt. Zehn Frauen waren schwanger. Das älteste Opfer war 85. Am Memorial stehen 2983 Namen, weil auch die sechs Toten des ersten Anschlags auf das World Trade Center vom 26. Februar 1993 aufgeführt sind.
Von den Einsatzkräften der Stadt starben 343 Feuerwehrleute des FDNY, 23 Polizisten des NYPD, 37 Polizisten der Hafenbehörde und acht Sanitäter. Die Opfer stammten, je nach Zählung, aus über 90 Ländern. Zwei von ihnen waren Schweizer Staatsangehörige, eine Frau im World Trade Center und ein Mann in einem der Flugzeuge. Ihre Namen hat das Aussendepartement damals mit Rücksicht auf die Familien nicht veröffentlicht, und daran hat sich bis heute nichts geändert. In den ersten Tagen nach dem Anschlag galten rund 700 Schweizerinnen und Schweizer als vermisst.
Eine Zahl wächst noch. Rund 40 Prozent der Opfer des World Trade Center sind bis heute nicht identifiziert; das Büro des Gerichtsmediziners arbeitet weiter an den Proben, Jahr für Jahr kommen einzelne Namen hinzu. Und eine zweite Liste wächst schneller: Im World Trade Center Health Program sind per 30. Juni 2026 rund 128 000 Menschen eingeschrieben, Ersthelfer und Überlebende, mit über 57 000 zertifizierten Krebsdiagnosen. Wie viele von ihnen an den Folgen des Tages gestorben sind, weist das Programm nicht aus; Medien nennen Zahlen zwischen 6000 und über 9000. Die siebte Schweigeminute, die das Memorial in diesem Jahr einführt, gilt ihnen.

Gesichter
Eine Zahl kann man nicht betrauern. Menschen kann man es. Das Memorial hat deshalb für jeden Namen eine Biografie gesammelt, und aus diesen Biografien treten einige hervor, nicht weil ihr Leben mehr wert gewesen wäre, sondern weil ihr Tod erzählt, was an jenem Morgen geschah.
Betty Ann Ong, 45, Flugbegleiterin. Vierzehn Jahre bei American Airlines, an jenem Morgen leitende Flugbegleiterin auf Flug 11. Um 08.19 Uhr erreichte sie über ein Bordtelefon die Reservierungszentrale ihrer Airline und blieb 23 Minuten in der Leitung, bis zum Einschlag. «Das Cockpit antwortet nicht. Jemand in der Business Class ist niedergestochen worden, und ich glaube, es ist Reizgas in der Luft, wir können nicht atmen. Ich glaube, wir werden entführt.» Ihr Anruf war die erste präzise Beschreibung dessen, was an Bord geschah. Sie sprach ruhig, nannte Sitznummern, blieb bei ihrer Aufgabe.
Welles Remy Crowther, 24, Aktienhändler. Er arbeitete im 104. Stock des Südturms und war in seiner Freizeit freiwilliger Feuerwehrmann in Nyack, New York. Nach dem Einschlag erschien er in der zerstörten Sky Lobby des 78. Stocks, ein rotes Bandana vor Mund und Nase, und führte Überlebende zur einzigen noch begehbaren Treppe. Eine Frau trug er siebzehn Stockwerke hinunter. Dann ging er wieder hinauf. Bis zu 18 Menschen verdanken ihm ihr Leben; erkannt haben sie ihn erst Monate später, an dem Tuch, das seine Mutter in einem Zeitungsbericht wiedererkannte. Seine Leiche wurde im März 2002 gefunden. Am 8. September 2026, drei Tage vor dem Jahrestag, erhielt er posthum die Presidential Medal of Freedom; seine Mutter Alison und seine Schwester Paige nahmen sie entgegen.
Mychal Judge, 68, Franziskaner. Seit 47 Jahren im Orden, seit 40 Jahren Priester, Seelsorger der New Yorker Feuerwehr. Er eilte mit den ersten Einheiten zum Nordturm und stand in der Lobby, als um 09.59 Uhr der Südturm einstürzte. Die Gerichtsmedizin führte ihn als Opfer Nummer 0001. Das Foto, auf dem fünf Männer seinen Körper aus dem Staub zur St. Peter’s Church tragen, ist eines der bekanntesten Bilder des Tages. «Er war ganz bei dir», sagte sein Mitbruder Kevin Mullen dieser Tage, «er schaute sich nie um, mit wem er als Nächstes reden könnte.»
Rick Rescorla, 62, Sicherheitschef. Geboren in Cornwall, Soldat der britischen Armee, dann Offizier der US-Kavallerie in Vietnam, schliesslich Vice President Security bei Morgan Stanley im Südturm. Nach dem Anschlag von 1993 hatte er die 2700 Angestellten der Bank so lange Evakuierungsübungen machen lassen, bis sie sich darüber lustig machten. Am 11. September 2001 ignorierte er die Durchsage der Hafenbehörde, im Gebäude zu bleiben, und liess alle hinuntergehen; im Treppenhaus sang er kornische Lieder durch das Megafon. Zuletzt wurde er im zehnten Stock gesehen, auf dem Weg nach oben. Seine Leiche wurde nie gefunden. Fast alle seine Angestellten überlebten.
Todd Beamer, 32, Account Manager. Passagier auf Flug 93, Vater von zwei Söhnen, seine Frau war schwanger. Als sein Kreditkartenanruf über das Bordtelefon scheiterte, landete er bei einer Telefonistin, Lisa Jefferson, betete mit ihr das Vaterunser und liess sie wissen, dass die Passagiere die Kabine zurückerobern würden. Die letzten Worte, die sie hörte: «Are you guys ready? Okay. Let’s roll.» Die Passagiere erreichten das Cockpit nicht rechtzeitig, aber sie erreichten, dass das Flugzeug nicht Washington traf.
Max J. Beilke, 69, Master Sergeant a. D. Er war in Korea und in Vietnam gewesen und wird offiziell als der letzte amerikanische Kampfsoldat geführt, der am 29. März 1973 Saigon verliess. Nach der Pensionierung setzte er sich für die Gesundheitsversorgung von Veteranen ein, gab einen Newsletter heraus, der «Max Facts» hiess, und arbeitete als ziviler Angestellter der Armee im Pentagon. Dort starb er, als Flug 77 einschlug. Er hinterliess seine Frau Lisa, zwei Töchter und drei Enkel.
Christine Lee Hanson, zweieinhalb Jahre. Das jüngste Opfer. Sie sass mit ihren Eltern Peter und Sue Kim in Flug 175, auf dem Weg nach Kalifornien, ins Disneyland. Ihr Stoffhase, ein Peter Rabbit mit zwei Winnie-the-Pooh-Stickern, ein Geschenk der Grossmutter zum Jahr des Hasen, liegt heute in einer Vitrine im Museum, weil die Familie ihn zu Hause vergessen hatte.
Bradley Fetchet, 24, Händler. Im Frühjahr 2001 hatte er die Bucknell University abgeschlossen; er arbeitete im 89. Stock des Südturms. Seine letzte Nachricht auf dem Anrufbeantworter seiner Mutter endete mit «Love you». Die Mutter, Mary Fetchet, Sozialarbeiterin, gründete wenige Wochen später mit einer anderen Witwe eine Organisation, die es bis heute gibt, und von der noch die Rede sein wird.
Was am Ort blieb
Dort, wo die Türme standen, steht heute nichts. Das ist der Kern des Entwurfs «Reflecting Absence» von Michael Arad und Peter Walker, der im Januar 2004 aus 5201 Einreichungen aus 63 Ländern ausgewählt wurde: zwei quadratische Becken in den Fundamenten der Türme, je fast einen Acre gross, in die das Wasser über neun Meter hinabstürzt und dann in einem zweiten, kleineren Quadrat verschwindet, dessen Grund man nicht sieht. Auf den Bronzebrüstungen die 2983 Namen, angeordnet nach «bedeutungsvollen Nachbarschaften»: Kollegen bei Kollegen, Brüder bei Brüdern, die Crew eines Flugzeugs beisammen. Um die Becken rund 400 Sumpfeichen. Und eine Birne, die im Oktober 2001 verkohlt aus dem Schutt gezogen, von der städtischen Gartenbehörde aufgepäppelt und 2010 zurückgepflanzt wurde: der Survivor Tree.

Das Memorial wurde am zehnten Jahrestag eröffnet, am 11. September 2011 zuerst für die Familien. Dass es diesen Termin hielt, hat viel mit einem Mann zu tun, der den Vorsitz der Stiftung 2006 übernahm, als das Projekt an Kosten und Streit zu scheitern drohte: Michael Bloomberg, damals Bürgermeister von New York. Er sammelte über 450 Millionen Dollar, ein erheblicher Teil davon aus eigener Tasche, und setzte die Eröffnung zum Jahrestag als nicht verhandelbares Ziel. Das unterirdische Museum folgte am 21. Mai 2014, entworfen von Davis Brody Bond, der Eingangspavillon von Snøhetta. Seither haben rund 97 Millionen Menschen das Memorial besucht und fast 28 Millionen das Museum. Im Juni 2026 legte Bloomberg noch einmal nach: 25 Millionen Dollar als Gegenwert für eine 75-Millionen-Kampagne, mit der unter anderem der Eintritt für Schüler, Ersthelfer und Veteranen dauerhaft frei bleiben soll. Am Vorabend des Jahrestags empfing er am Memorial König Charles III. und Königin Camilla.
Bloomberg ist 84 und spricht über das Memorial mit der Nüchternheit eines Mannes, der Bilanzen gewohnt ist. Zur neuen siebten Schweigeminute sagte er: «Die Anschläge vom 11. September haben eine Verwüstung angerichtet, die weit über diesen einen Tag hinausreicht. Diese Schweigeminute stellt sicher, dass wir kein einziges verlorenes Leben vergessen.»
Zum Memorial gehört, seit dem ersten Jahrestag, auch das Tribute in Light: 88 Xenon-Scheinwerfer, in zwei Quadraten aufgestellt, die zwei Lichtsäulen rund sechs Kilometer in den Himmel werfen, sichtbar aus hundert Kilometern Entfernung. Erdacht hat es eine Gruppe von Künstlern und Architekten um John Bennett, Gustavo Bonevardi, Richard Nash Gould, Julian LaVerdiere und Paul Myoda, ursprünglich als einmalige Geste im März 2002. Es wurde nie wieder abgestellt. In diesem Jahr leuchtet es von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen.
Die Kinder von damals
Wer am 11. September 2001 ein Kind war und einen Vater oder eine Mutter verlor, ist heute Ende zwanzig oder Mitte dreissig. Manche lesen an diesem Freitag die Namen, mit eigenen Kindern auf dem Arm, die den Grossvater nie gekannt haben. «Auch wenn ich dich und Grossmutter Ruth nicht gekannt habe, lebst du in meinem Herzen weiter, und ich liebe dich», sagte ein Enkel am Morgen am Ground Zero. Ein anderer: «Wir haben dich nie getroffen, aber wir werden dich immer in Erinnerung behalten. Du hast uns die Knicks vererbt, und dieses Jahr haben wir unsere erste Meisterschaft gewonnen.» Freyda Markow, deren Cousin George Cain als Feuerwehrmann starb, sagte, warum sie jedes Jahr kommt: «Weil sie hier sind. Ihre Seelen sind hier.»
Hinter diesen Stimmen stehen Organisationen, die damals aus der Not entstanden und heute institutionell sind. Tuesday’s Children, gegründet für die rund 3000 Kinder, die an jenem Dienstag ein Elternteil verloren, hat sich in diesem Jahr in Tuesday’s Promise umbenannt, weil die Kinder erwachsen sind und die Arbeit nicht aufhört. VOICES, gegründet im Oktober 2001 von Mary Fetchet und Beverly Eckert, deren Mann Sean Rooney im Südturm starb, betreut bis heute Familien und Überlebende. Fetchet sagte im August: In diesem Jahr hätten sich 3000 Menschen zum ersten Mal gemeldet, um über ihre Schwierigkeiten seit dem 11. September zu sprechen. Zum ersten Mal, 25 Jahre danach. «Wenn man an die 400 000 Menschen denkt, die überlebt haben», sagte sie, «denen hat man 25 Jahre lang gesagt, sie hätten Glück gehabt.»
Nicht alle Angehörigen sprechen versöhnlich. Terry Strada, deren Mann Thomas bei Cantor Fitzgerald starb, führt die Organisation 9/11 Families United, die seit Jahren gegen Saudi-Arabien prozessiert und der amerikanischen Regierung vorwirft, das Königreich zu schützen. «25 Jahre lang hat eine Regierung nach der anderen die Saudis geschützt, statt zu den Familien zu stehen», sagte sie diese Woche. Und Elizabeth Miller, deren Vater im World Trade Center starb, sagte über das Verfahren gegen den mutmasslichen Drahtzieher Khalid Sheikh Mohammed, das seit über 13 Jahren im Vorverfahren steckt und nun für 2028 angesetzt ist: «Wir machen das jetzt seit mehr als 13 Jahren mit der Militärkommission, und wir sind immer noch im Vorverfahren.»
Die stille zweite Welle
Am 11. September 2001 starben 2977 Menschen. Danach begann ein Sterben, das keine Uhrzeit hat. Der Staub, der über Lower Manhattan lag, enthielt pulverisierten Beton, Glasfasern, Asbest, Blei, Dioxine. Wer in den Wochen danach auf dem Trümmerfeld arbeitete, atmete ihn ein, und die Behörden versicherten damals, die Luft sei sicher. In diesem Jahr sollen 173 000 Seiten Dokumente zu dieser Einschätzung veröffentlicht werden.
Die Zahlen des World Trade Center Health Program sind die eigentliche Chronik der letzten 25 Jahre: 2015 zählte das Programm rund 3200 Krebsfälle, heute sind es über 57 000. Über 112 000 Anträge liegen beim Entschädigungsfonds, mehr als 18 Milliarden Dollar sind ausbezahlt. Auf der Gedenkwand des FDNY wurden in diesem Jahr 36 weitere Namen ergänzt, Feuerwehrleute, die an Krankheiten starben, die sie sich am Ground Zero holten. «36 weitere Erinnerungen daran, dass das Erbe des 11. September nicht an einem einzigen Tag endet», sagte Feuerwehrkommandantin Lillian Bonsignore. Bridget Gormley, deren Vater Billy, ebenfalls Feuerwehrmann, an einem solchen Krebs starb, sagte über den Jahrestag: Er sei die Gelegenheit, der Welt zu zeigen, «dass Menschen noch immer krank werden und sterben wegen 9/11».

Was folgte
Am 14. September 2001 stand Bush auf einem Trümmerhaufen am Ground Zero, den Arm um einen Feuerwehrmann gelegt, ein Megafon in der Hand. Als jemand rief, man könne ihn nicht hören, antwortete er: «Ich kann euch hören. Der Rest der Welt hört euch. Und die Leute, die diese Gebäude zum Einsturz gebracht haben, werden uns alle bald hören.» Es war der Satz, aus dem zwei Kriege wurden.
Der Krieg in Afghanistan begann am 7. Oktober 2001 und endete am 30. August 2021 mit dem Abzug der letzten amerikanischen Truppen aus Kabul; 2465 amerikanische Soldaten starben dort. Der Irakkrieg begann am 20. März 2003 und kostete rund 4500 amerikanische Soldaten das Leben. Das Projekt Costs of War der Brown University beziffert die Gesamtkosten der Kriege nach dem 11. September auf rund acht Billionen Dollar, die Zahl der direkt Getöteten auf mindestens 940 000, die der indirekt Getöteten auf 3,6 bis 3,8 Millionen, die der Vertriebenen auf 38 Millionen. Unter den amerikanischen Veteranen dieser Kriege starben mindestens viermal so viele durch Suizid wie im Kampf.
Am 26. Oktober 2001 unterzeichnete Bush den Patriot Act, das Gesetz, das der Regierung Überwachungsbefugnisse gab, deren Ausmass die Öffentlichkeit erst 2013 durch Edward Snowden erfuhr; die Massensammlung von Telefondaten wurde 2015 beendet. Es entstanden das Heimatschutzministerium und die Transportsicherheitsbehörde TSA, und mit ihr jene Kontrollen, die seither jeder kennt, der ein Flugzeug besteigt. Osama bin Laden starb in der Nacht auf den 2. Mai 2011 in Abbottabad, Pakistan, erschossen von Navy Seals; seine Leiche wurde von der USS Carl Vinson aus im Meer bestattet. Khalid Sheikh Mohammed, 2003 in Pakistan gefasst, sitzt seit 2006 in Guantánamo. Ein Vergleich von 2024, lebenslang statt Todesstrafe, wurde 2025 vom Berufungsgericht verworfen. Der Prozess soll 2028 beginnen. Ob er je stattfindet, bezweifeln jene, die ihn seit Jahren beobachten.
Die Schweiz und der Herbst 2001
Für die Schweiz war der 11. September der Auftakt zu einem Herbst, der das Land veränderte. Am 27. September erschoss ein Attentäter im Zuger Kantonsrat 14 Menschen. Am 2. Oktober stellte die Swissair um 15.45 Uhr den Flugbetrieb ein; rund 260 Flugzeuge blieben am Boden, rund 39 000 Passagiere sassen fest. Das Grounding hatte viele Ursachen, aber der letzte Akt begann, wie das Schweizerische Sozialarchiv festhält, mit den Anschlägen in den USA: Sechs Tage danach bat die Airline den Bund um eine Garantie. Am 24. Oktober starben elf Menschen im Brand des Gotthard-Strassentunnels, am 24. November 24 Menschen beim Absturz einer Crossair-Maschine bei Bassersdorf. Bundespräsident Moritz Leuenberger, in jenem Herbst Trauerredner der Nation, sagte damals den Satz, der hängen blieb: «Hört das denn nie mehr auf?»
Über 75 000 Schweizerinnen und Schweizer lebten damals in den USA, rund 19 000 im Grossraum New York. Eine offizielle Gedenkveranstaltung der Schweiz zum 25. Jahrestag ist nicht bekannt.
Freitag, 11. September 2026
Um 7 Uhr öffnete die Plaza für die Familien. Um 08.30 Uhr begann das Programm, um 08.46 Uhr die erste von sieben Schweigeminuten. Anwesend waren Vizepräsident J. D. Vance, die früheren Präsidenten Biden, Obama, Clinton und Bush, Bloomberg, Bürgermeister Zohran Mamdani, Gouverneurin Kathy Hochul und Rudolph Giuliani, der am 11. September 2001 als Bürgermeister den Satz gesagt hatte, die Zahl der Toten werde «mehr sein, als wir ertragen können». Yo-Yo Ma spielte, der Brooklyn Youth Chorus sang. Präsident Trump gedachte im Pentagon: «Wir werden niemals vergessen. Deshalb kämpfen wir heute.» Am Nachmittag spielt die New York Philharmonic, am Abend leuchtet das Tribute in Light. Die Zeremonie war live übertragen worden; sie dauerte, wie jedes Jahr, bis der letzte Name gelesen war.
Fünfundzwanzig Jahre sind eine Generation. Sie reichen, um aus einem Ereignis Geschichte zu machen, und sie reichen nicht, um aus Trauer Erinnerung zu machen. Am Ground Zero stehen heute zwei Löcher, in die Wasser fällt, und ein Baum, der nicht hätte überleben sollen. Das ist, sehr genau, der Zustand der Sache.
Quellen
Chronologie: 9/11 Commission Report; Miller Center, University of Virginia; National September 11 Memorial & Museum (911memorial.org); NIST, WTC 7 Investigation. Opferzahlen: 911memorial.org; New York City Office of Chief Medical Examiner; World Trade Center Health Program, Quartalsbericht per 30.06.2026; CBS News, ABC7 New York, NPR, 11.09.2026. Porträts: 911memorial.org (Betty Ong, Rick Rescorla, Christine Lee Hanson, Welles Crowther); National Park Service (Todd Beamer); National Catholic Reporter (Mychal Judge); Pentagon Memorial (Max J. Beilke); NY1 (Bradley Fetchet); CBS Boston zur Presidential Medal of Freedom. Memorial und Museum: 911memorial.org; Bloomberg Philanthropies; Fortune, 03.06.2026; Gothamist. Angehörige: Tuesday’s Promise; VOICES Center for Resilience; New Jersey Monitor, 11.09.2026; Spectrum News. Nachwirkungen: Costs of War, Brown University; Cornell Law School (Patriot Act); 911memorial.org (Operation Neptune Spear); CBS News zum KSM-Verfahren. Schweiz: SRF, swissinfo, Audiatur-Online, Schweizerisches Sozialarchiv. Zitate im Wortlaut: White House Archives (Bush, 11.09.2001), American Rhetoric (Bush, 14.09.2001), NBC News (Giuliani). Übersetzungen aus dem Englischen durch die Redaktion.



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