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Samstag, 12. September 2026
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Testbericht & Analyse

Xiaomi SkyNomad N90: Der Smartphone-Riese baut jetzt Wohnmobile

Sieben Sitze, 1700 Kilometer Reichweite und ein Dach, das sich zum Schlafgeschoss hebt: Xiaomis erstes Auto mit Benzinmotor ist ein Camper für die Generation Bildschirm und kostet in China 33 500 Franken. Ein ausführlicher Bericht über das Auto, die Camping-Version und die Frage, ob es je in die Schweiz kommt.

Xiaomi SkyNomad explorer studio
Bild: Xiaomi

Ein Konzern, der mit Handys und Staubsaugern gross wurde, verkauft seit dem 07.09.2026 ein 5,29 Meter langes SUV, dessen Dach sich per Knopfdruck zu einem Schlafgeschoss hebt. Der Xiaomi SkyNomad N90 Max kostet in China umgerechnet rund 30 000 Franken, fährt 1700 Kilometer weit und wurde in vier Minuten 10 000 Mal bestellt. Ein ausführlicher Bericht über das Auto, die Camping-Version, die Strategie dahinter und die Frage, was davon je in die Schweiz kommt.

Redaktion Expertistan · Lesezeit ca. 16 Minuten · Stand der Recherche: Freitag, 11.09.2026

Vom Smartphone zum Haus auf Rädern

Lei Jun hat es wieder getan. Der Gründer von Xiaomi, der 2021 verkündete, mit zehn Milliarden Dollar in den Autobau einzusteigen, und 2024 mit der Limousine SU7 einen Porsche-Taycan-Klon zum Preis eines VW Passat lieferte, hat am 07.09.2026 in Peking seine dritte Modellfamilie vorgestellt. Sie heisst auf Chinesisch 澎程, «Pengcheng», international SkyNomad, und sie ist in doppelter Hinsicht ein Bruch mit dem, was Xiaomi bisher baute: Zum ersten Mal hat ein Xiaomi-Auto einen Verbrennungsmotor an Bord, und zum ersten Mal richtet sich ein Xiaomi-Auto nicht an Technikfans, die schnell fahren wollen, sondern an Familien, die lange sitzen wollen.

Xiaomi SkyNomad N90 Max an der Küste
Der SkyNomad N90 Max: 5,29 Meter lang, sieben Sitze, 1705 Kilometer Reichweite nach chinesischer Norm. Bild: Xiaomi

Die Zahlen, die Xiaomi seither verbreitet, sind nach chinesischer Lesart ein Triumph: 10 000 verbindliche Bestellungen in vier Minuten, laut CnEVPost. Sie sind aber auch ein Hinweis darauf, dass Xiaomi den Erfolg dringend braucht. Die Auslieferungen des Konzerns sind im Juli und August zwei Monate in Folge gesunken, im August auf 30 153 Fahrzeuge, 17 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Das Jahresziel von 550 000 Autos ist nach acht Monaten zu 45 Prozent erfüllt. Der Konzern, der im Juni 2025 mit dem Elektro-SUV YU7 innert 18 Stunden 240 000 Vorbestellungen sammelte, hat den Sättigungspunkt seiner reinen Elektro-Kundschaft schneller erreicht, als es sich Lei Jun ausgemalt hatte. Der SkyNomad soll das ändern, und er soll es mit einem Antrieb tun, den Xiaomi bis vor kurzem gar nicht im Programm hatte.

Grafik Auslieferungen Xiaomi Auto 2026
Xiaomi Auto 2026: Zwei Rückgänge in Folge, das Jahresziel rückt in die Ferne. Grafik: Expertistan

Die Modellpalette umfasst vier Varianten, alle mit demselben Prinzip: Ein 1,5-Liter-Turbobenziner von Harbin Dongan mit 112 kW arbeitet als Generator, gefahren wird immer elektrisch. Der N70 ist ein 4,96 Meter langer Fünfsitzer ab 209 900 Yuan, der N90 Max ein 5,29 Meter langer Siebensitzer ab 269 900 Yuan. Darüber steht die Variante, um die es in diesem Bericht vor allem geht: der N90 Max in der «Explorer Edition» (chinesisch 探索版, Electrek nennt sie «Studio») für 299 900 Yuan, ein Fünfsitzer mit elektrischem Hubdach, Fussbodenheizung und Doppelbett. Umgerechnet zum Kurs von Anfang September 2026 sind das rund 23 400, 30 100 und 33 500 Franken; diese Umrechnung ist ein Richtwert, chinesische Preise enthalten Steuern des Heimmarkts und lassen sich nicht auf Schweizer Listenpreise übertragen.

Die Technik: Kunlun-Plattform, 76 kWh und ein Benziner als Zweitjob

Xiaomi nennt die Architektur «Kunlun», nach dem Gebirge im Westen Chinas. Sie wurde von Anfang an für Range-Extender ausgelegt, mit flachem Boden und einem 60-Liter-Tank. Die Batterie der Max-Versionen stammt von CALB, fasst 76 kWh und trägt den Markennamen «Drachenschuppen» (龙甲). Xiaomi verspricht dafür etwas, das kein europäischer Hersteller verspricht: eine lebenslange Garantie gegen Selbstentzündung und Brand nach einem Unfall sowie ein Ersatzfahrzeug, falls ein Qualitätsmangel zum thermischen Durchgehen führt. Ob dieses Versprechen mehr ist als Marketing, wird sich erst in einigen Jahren zeigen; die Zahlen dahinter, 18 Schutzschichten am Unterboden, 500 Joule Aufprallenergie ohne Funktionsverlust, ein Hitzetest bei 55 Grad mit voller Batterie, stammen vom Hersteller.

Zwischenfrage · Abstimmen, dann weiterlesen
Ein Smartphone-Konzern baut Wohnmobile mit Projektor und Fussbodenheizung: Ist Xiaomis Camping-SUV die Zukunft des Reisens oder ein Gadget auf Rädern?
Zukunft des Reisens 50 %Gadget auf Rädern 50 %
0 Stimmen
Xiaomi SkyNomad N90 Max Kabine Schnittbild
Die Kunlun-Plattform mit flachem Boden: Der Innenraum lässt sich auf Schienen in elf Anordnungen umbauen. Bild: Xiaomi

Der N90 Max fährt mit zwei Motoren, 210 kW vorne und 100 kW hinten, zusammen 310 kW oder 422 PS, und beschleunigt in 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 190 km/h abgeregelt. Nach dem chinesischen CLTC-Zyklus kommt er 464 Kilometer rein elektrisch und 1705 Kilometer insgesamt; in 15 Minuten am Schnelllader sollen 285 Kilometer nachgeladen sein. Bei leerer Batterie gibt Xiaomi einen Benzinverbrauch von 6,26 Litern auf 100 Kilometer nach WLTC an. Diese Werte sind, wie bei allen chinesischen Herstellern, mit Vorsicht zu lesen: Der CLTC-Zyklus liegt erfahrungsgemäss 20 bis 30 Prozent über dem europäischen WLTP. Realistisch dürften 330 bis 370 Kilometer elektrisch bleiben, was für ein 2,8 Tonnen schweres Auto immer noch bemerkenswert wäre.

Das Fahrwerk ist für die Preisklasse ungewöhnlich aufwendig: Doppelquerlenker vorne, Mehrlenker hinten, Luftfederung mit stufenlos verstellbaren Dämpfern, vier Hydrolager und Bosch-Bremsregelung. Xiaomi hebt eine Wattiefe von 750 Millimetern hervor, überwacht von zwei Radarsensoren in den Aussenspiegeln, und verspricht eine «Notschwimmfähigkeit», was in Europa kein Hersteller zu behaupten wagte. Der Ansaugtrakt des Range-Extenders sitzt 1109 Millimeter über dem Boden, unterhalb der Windschutzscheibe.

Xiaomi SkyNomad N90 Max Seitenansicht
Kurzer vorderer, langer hinterer Überhang: Die Proportionen sind auf Innenraum ausgelegt. Bild: Xiaomi

Die Assistenzsysteme laufen auf Nvidias Thor-Chip mit 700 TOPS Rechenleistung, ergänzt um zwei Lidar-Sensoren (einer davon nach hinten gerichtet), 4D-Radar und Xiaomis eigenes Fahrmodell «XLA». Die Notbremsung soll zwischen 1 und 135 km/h nach vorne und bis 30 km/h rückwärts arbeiten. Für die Karosserie nennt Xiaomi einen Anteil von 90,4 Prozent hochfestem Stahl und Aluminium, 16 Teile aus 2200-Megapascal-Stahl, zwölf Airbags und 39 Einklemmschutz-Sensoren für die beweglichen Sitze. Entwickelt wurde nach den Standards für fünf Sterne im chinesischen C-NCAP; ein europäisches Euro-NCAP-Ergebnis gibt es nicht.

Die vier Varianten im Überblick

N70 ProN70 MaxN90 MaxN90 Max Explorer
Preis China209 900 Yuan239 900 Yuan269 900 Yuan299 900 Yuan
ca. CHF (Richtwert)23 40026 80030 10033 500
Länge / Radstand4960 / 2950 mm4960 / 2950 mm5285 / 3080 mm5285 / 3080 mm
Höhe1785 mm1785 mm1825 mm1925 mm (Hubdach)
Sitze557 (2+2+3)5
AntriebHeck, 210 kWAllrad, 310 kWAllrad, 310 kWAllrad, 310 kW
Batterie52 kWh LFP (Sunwoda)76 kWh NMC (CALB)76 kWh NMC (CALB)76 kWh NMC (CALB)
E-Reichweite (CLTC)351 km505 km464 km462 km
Gesamtreichweite (CLTC)1351 km1461 km1705 km1688 km
0 bis 100 km/h7,9 s5,5 s5,9 sk. A.
Leergewichtk. A.k. A.2800 kg2840 kg
Herstellerangaben zum Marktstart 07.09.2026 (CnEVPost, Electrek, xiaomiev.com). CHF-Umrechnung gerundet, nicht mit Schweizer Listenpreisen vergleichbar.
Grafik SkyNomad Varianten Preis und Reichweite
Vier Varianten, ein Baukasten: Preis und elektrische Reichweite. Grafik: Expertistan

Innenraum: Ein Wohnzimmer, das sich in elf Grundrisse verwandelt

Der Kern des Konzepts liegt im Boden. Die Sitze des N90 Max laufen auf Längsschienen, die Vordersitze lassen sich im Stand um 180 Grad drehen, die mittlere Konsole rollt mit dem 9-Liter-Kompressorkühlschrank durch den Innenraum. Xiaomi zählt elf Anordnungen: Konferenz, Büro, Kino, Nickerchen, Bett. Jede Umstellung ist per Sprachbefehl an die Assistentin «Xiao Ai» auslösbar, funktioniert aber nur im Stand mit unbesetzten Sitzen und wird mit Countdown und Ansage angekündigt. Das Kofferraumvolumen beträgt bis zu 1831 Liter.

Xiaomi SkyNomad N90 Max Innenraum
Drei Reihen, 95 Prozent der Kontaktflächen weich unterschäumt, 16-Punkt-Massage in den ersten beiden Reihen. Bild: Xiaomi
Xiaomi SkyNomad N90 Max Sitzkonfiguration Tisch
Konferenzmodus: Vordersitze um 180 Grad gedreht, Tisch auf der Mittelkonsole. Bild: Xiaomi

Die Verarbeitung orientiert sich an der chinesischen Oberklasse: 6,8 Quadratmeter Glasfläche, ein 1530 Millimeter breites Armaturenbrett, drei Interieurfarben (Mokka, Sandkeramik, Nachtschwarz), 256-farbige Ambientebeleuchtung mit 15 indirekten Lichtquellen und ein Soundsystem mit 25 Lautsprechern und 4890 Watt. Im Zentrum steht ein 16,1-Zoll-Bildschirm mit Xiaomis HyperOS und einem Snapdragon-Chip, der nahtlos mit den Handys, Uhren und Staubsaugern des Konzerns spricht. Das ist der eigentliche Trumpf: Kein europäischer Hersteller hat ein Ökosystem, in dem das Auto einfach ein weiteres Gerät ist.

Xiaomi SkyNomad N90 Max Bettmodus mit Projektor
Kinomodus: Zweite Reihe in Liegeposition, Leinwand am Dachhimmel. Bild: Xiaomi
Xiaomi SkyNomad N90 Max mit Hund
Xiaomi bewirbt den N90 Max ausdrücklich als Familienauto, Hund inklusive. Bild: Xiaomi

Die Camping-Version: Ein Loft über der zweiten Reihe

Xiaomi SkyNomad N90 Max Explorer Edition mit Hubdach
N90 Max Explorer Edition: Das elektrische Hubdach fährt in wenigen Sekunden aus. Bild: Xiaomi

Und dann ist da die Explorer Edition. Was auf den ersten Blick wie ein Aufstelldach vom Zubehörhändler aussieht, ist bei Xiaomi ab Werk in die Karosserie integriert: Eine Dachkassette, die im geschlossenen Zustand 100 Millimeter aufträgt und die Fahrzeughöhe auf 1925 Millimeter bringt, hebt sich elektrisch und gibt im Innern eine Stehhöhe von 2294 Millimetern frei. Im Obergeschoss entsteht eine Liegefläche von 2110 mal 985 Millimetern, belastbar mit 200 Kilogramm, umgeben von fünf Netzfenstern mit zusammen 1,7 Quadratmetern. Das ist nicht das Doppelbett eines VW California, aber es ist eine vollwertige Schlafstatt für eine Person oder für zwei Kinder, und sie braucht keinen Aufbau, keine Stangen, keine Plane.

Xiaomi SkyNomad Explorer Loft Innenansicht
Blick ins Obergeschoss: 2,11 mal 0,99 Meter Liegefläche, fünf Netzfenster, Stehhöhe 2,29 Meter. Bild: Xiaomi

Unten wird gleichzeitig gewohnt. Die zweite Reihe, zwei Einzelsitze mit karierter Steppung, die Xiaomi als «italienisches Sofa» beschreibt, verwandelt sich in 30 Sekunden in ein Bett von 1,24 mal 1,87 Metern, belüftet und beheizt. Der Boden ist mit 1,7 Quadratmetern Holzoptik auf Aluminium ausgelegt, darunter liegt eine dreistufige Fussbodenheizung, die den Boden auf 38 Grad bringt; bei null Grad Aussentemperatur soll er in zehn Minuten 25 Grad erreichen. An der Seitenwand sitzt ein Einbauschrank mit 20 Litern Stauraum, ein 11,5-Zoll-Schminkspiegel mit 4000-Kelvin-Licht und ein schwebender Nachttisch mit 220-Volt- und 12-Volt-Steckdosen, Magnethalterung und Leselampe. Aus dem Dachhimmel fährt in 25 Sekunden eine 30-Zoll-Leinwand, bespielt von einem 1080p-Projektor mit 650 Lumen.

Xiaomi SkyNomad Explorer Loft Bett
Zweites Geschoss bezogen: Die Liegefläche im Hubdach trägt bis 200 Kilogramm. Bild: Xiaomi
Xiaomi SkyNomad Explorer Innenraum Bettmodus
Erdgeschoss: Bett aus der zweiten Reihe, Fussbodenheizung, Nachttisch mit 220-Volt-Steckdose. Bild: Xiaomi

Xiaomi hat sich offensichtlich Gedanken gemacht, wofür Chinesen ein solches Auto wirklich benutzen: Die Produktseite wirbt weniger mit Lagerfeuerromantik als mit dem «mobilen Studio». Im geöffneten Zustand lasse sich im Innenraum ein Stativ aufstellen, das Dach werde zum «natürlichen Aussichtsraum» für Fotografen, Livestreamer und Podcaster, mit Strom für alle Geräte. Die Umkleide- und Schminkfunktion zielt auf Influencerinnen, die unterwegs Inhalte produzieren. Es ist eine sehr chinesische, sehr digitale Vorstellung von Camping, und sie unterscheidet sich fundamental vom europäischen Bild des Aussteigers mit Bulli.

Xiaomi SkyNomad Explorer am See mit Fotograf
Das «mobile Studio»: Xiaomi bewirbt die Explorer Edition auch als Aussichtskanzel für Fotografen und Streamer. Bild: Xiaomi

Den Ernst der Sache belegt die Absicherung. Das Dach hat laut Xiaomi 10 000 Öffnungszyklen im Dauertest hinter sich, der Rahmen aus hochfestem Stahl überstand einen Überschlagtest bei 44,7 km/h ohne Ablösung, 19 Schutzfunktionen überwachen das Ausfahren. Zwei Einschränkungen sind gesetzlich bedingt und stehen in jeder Fussnote: Das Dach darf nur auf nicht öffentlichen Strassen und nur im Stand geöffnet werden, und bei Regen und Schnee soll man es geschlossen lassen. In Tiefgaragen warnen die Lidar-Sensoren vor Höhenbegrenzungen, denn mit 1,93 Metern ist die Explorer Edition höher als die meisten Parkhaus-Limiten in Schweizer Städten.

Xiaomi SkyNomad Explorer bei Nacht
Nachtlager: Das beleuchtete Dachzelt aus der Ferne. Bild: Xiaomi
Xiaomi SkyNomad Explorer am Lagerfeuer
Vier Farben, alle der Natur entlehnt: Bergblau, Schmetterlingstalblau, Kaltkhaki und Vulkanasche. Bild: Xiaomi

Der Heimmarkt: Ein schrumpfendes Segment und ein Konzern unter Druck

Xiaomi steigt in den Range-Extender-Markt ein, während dieser schrumpft. Die chinesischen Verkäufe von Fahrzeugen mit Reichweitenverlängerer sind in den ersten acht Monaten 2026 um knapp 16 Prozent auf 616 000 Fahrzeuge gefallen, wie CnEVPost berichtet; die Kundschaft wandert zu reinen Elektroautos mit grösseren Batterien ab. Lei Jun begründete den Schritt damit, dass Li Auto und andere bewiesen hätten, «dass Konsumenten für gut gestaltete Range-Extender-Fahrzeuge zu zahlen bereit sind». Genau diese Konkurrenz ist das Problem: Li Auto hat mit L6 bis L9 die Familien-SUV-Klasse geprägt, Aito (Huawei) verkauft den M8 und M9 mit Huawei-Software, Leapmotor drängt mit dem D19 von unten. Xiaomi positioniert den N70 Max laut CnEVPost gegen den Li Auto L6 (249 800 Yuan) und den N90 Max gegen den Tesla Model Y L (339 000 Yuan).

Xiaomi SkyNomad N90 Max rot am Meer
Der N90 Max in Rot: Die Konkurrenz heisst Li Auto, Aito und Tesla. Bild: Xiaomi

Finanziell kann sich Xiaomi keinen Fehlstart leisten. Die Autosparte hat im zweiten Quartal 2026 laut electrive.com einen Umsatz von 24,9 Milliarden Yuan erzielt, aber einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan verbucht; die Bruttomarge fiel von 26,4 auf 19,2 Prozent, weil weniger teure SU7 Ultra verkauft wurden und die Komponenten teurer wurden. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank um knapp zehn Prozent auf 229 000 Yuan. Diese Zahlen stammen aus der Berichterstattung über den Quartalsbericht; wer sie für eine Anlageentscheidung braucht, sollte sie im Originalbericht von Xiaomi prüfen. Der SkyNomad ist in dieser Lage beides: ein Volumenmodell, das die Werke in Peking auslasten soll, und ein Preissignal, das die Marge weiter drückt. Dass Xiaomi die Listenpreise zum Marktstart um 20 000 bis 30 000 Yuan unter die Vorverkaufspreise vom Juli gesetzt hat, sagt viel über den Preiskrieg.

Europa und die Schweiz: 2027 kommen die Elektro-Modelle, der Camper vorerst nicht

Xiaomi hat an der IFA in Berlin am 03.09.2026 den Europastart für 2027 bestätigt, zunächst mit der Limousine SU7 und dem Elektro-SUV YU7, verkauft über klassische Händler statt direkt. Acht deutsche Händlergruppen haben Absichtserklärungen unterzeichnet, darunter, wenig überraschend, die Emil Frey Gruppe, die in der Schweiz bereits Zeekr importiert. Für den SkyNomad gibt es keine Europa-Ankündigung. Electrek schreibt zwar von «Europa im nächsten Jahr», bezieht das aber auf die Marke, nicht auf das Modell. Wer in der Schweiz auf einen N90 Max hofft, sollte nicht vor 2028 damit rechnen, und selbst dann bleibt offen, ob die Explorer Edition mit ihrem Hubdach die europäische Typgenehmigung erhält.

Xiaomi SkyNomad N90 Max offener Kofferraum
Bis 1831 Liter Stauraum: Xiaomi zielt auf Familien mit viel Gepäck. Bild: Xiaomi

Dabei wäre gerade die Explorer Edition für die Schweiz interessant. Camping ist hierzulande seit der Pandemie ein Massenphänomen, die Logiernächte auf Campingplätzen bewegen sich nach Zahlen des Bundesamts für Statistik seit 2021 auf Rekordniveau, und der Markt für Campervans ist so eng wie teuer: Ein VW California kostet in der Schweiz rund 70 000 Franken und mehr, ein Mercedes Marco Polo ähnlich viel; der California ist als Diesel oder Plug-in-Hybrid zu haben, der Marco Polo als Diesel. Ein Fahrzeug, das im Alltag ein siebensitziges Familien-SUV ist, am Wochenende ein Camper mit Fussbodenheizung und dabei 460 Kilometer elektrisch fährt, hätte in dieser Lücke keine Konkurrenz. Der Range-Extender wäre zudem zollrechtlich kein Problem: Die EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos gelten nur für batterieelektrische Fahrzeuge, die Schweiz kennt ohnehin keine Strafzölle.

Die Hürden sind dieselben wie beim Zeekr 9X, den Expertistan diese Woche besprochen hat: 5,29 Meter Länge, fast zwei Meter Breite und 2,8 Tonnen Gewicht sind gegen die Schweizer Einstellhallen und Steuertabellen gebaut. Dazu kommt beim Hubdach die Frage, ob die schweizerischen Vorschriften ein elektrisch bewegtes Dach mit Netzfenstern als Aufstelldach eines Wohnmobils behandeln oder als Karosserieumbau, und wie Versicherer den Fall bewerten, wenn das Dach entgegen der Anleitung auf einem öffentlichen Parkplatz geöffnet wird. Und schliesslich der Preis: Ein N90 Max Explorer, der in China 33 500 Franken kostet, würde nach europäischen Homologationskosten, Händlermarge und Mehrwertsteuer kaum unter 55 000 bis 65 000 Franken landen. Das ist eine Schätzung ohne jede Herstellerangabe, aber sie zeigt: Selbst dann wäre er günstiger als jeder europäische Camper mit vergleichbarer Ausstattung.

Xiaomi SkyNomad Explorer in den Bergen
Das Auto, das Xiaomi in Europa noch nicht angekündigt hat: Explorer Edition in den Bergen. Bild: Xiaomi

Bewertung

Die Bewertung beruht auf Herstellerangaben, der Berichterstattung zum Marktstart und dem chinesischen Marktumfeld. Kein westliches Medium hat den SkyNomad bisher gefahren; die Einschätzung zu Fahrverhalten und Verarbeitung bleibt darum ausdrücklich offen.

Pro

  • Ein ab Werk integriertes Hubdach mit Fussbodenheizung, Bett und Strom zum Preis eines europäischen Kompakt-SUV.
  • Variabler Innenraum mit elf Grundrissen, drehbaren Vordersitzen und Kühlschrank, gesteuert per Sprache.
  • 76-kWh-Batterie, 800-Volt-Laden, 464 Kilometer elektrisch (CLTC) und 1705 Kilometer gesamt: Reichweitenangst ist kein Thema.
  • Luftfederung, Doppelquerlenker, Lidar und Nvidia Thor serienmässig in einer Preisklasse, in der Europa Stahlfedern und Halogenlicht verkauft.
  • Xiaomis Ökosystem aus Handy, Uhr und Haushalt, in dem das Auto ein weiteres Gerät ist.

Contra

  • Kein Europa-Start angekündigt; die Explorer Edition müsste eine Typgenehmigung für das Hubdach erst noch bekommen.
  • Alle Reichweiten nach CLTC; kein unabhängiger Test, kein Euro-NCAP, keine Verbrauchsmessung.
  • Obergeschoss mit 99 Zentimetern Breite ist ein Einzelbett, kein Doppelbett; Dach nur abseits öffentlicher Strassen und nicht bei Regen nutzbar.
  • 5,29 Meter, 1,93 Meter hoch, 2,84 Tonnen: ein Auto gegen Tiefgaragen und Gewichtssteuern.
  • Xiaomi Auto schreibt Verluste und drückt die Preise; die Langzeitqualität eines 2024 gegründeten Autobauers ist unbekannt.
KriteriumNoteBegründung
Konzept & Innovation★★★★★Familien-SUV und Camper in einem, ab Werk, mit Ökosystem
Antrieb & Reichweite★★★★☆76 kWh, 800 Volt, 1700 km gesamt; Werte nur nach CLTC
Innenraum & Komfort★★★★★Elf Grundrisse, Fussbodenheizung, Bett in 30 Sekunden, 25 Lautsprecher
Camping-Tauglichkeit★★★★☆Loft für eine Person, Bett unten für zwei; Dach nicht bei Regen
Fahrverhalten☆☆☆☆☆Keine Bewertung möglich, kein unabhängiger Test
Schweiz-Tauglichkeit★★☆☆☆Nicht angekündigt, zu gross für Einstellhallen, Zulassung des Hubdachs offen
Preis-Leistung (China)★★★★★33 500 Franken für ein Auto, das in Europa das Doppelte kosten würde
Gesamturteil★★★★☆Das originellste Auto des Jahres, vorläufig nur für China

Fazit: Das Auto als Gerät

Der SkyNomad N90 Max Explorer ist das konsequenteste Produkt, das Xiaomi je gebaut hat. Nicht, weil es das schnellste oder schönste wäre, sondern weil es die Logik des Konzerns zu Ende denkt: Ein Auto ist ein Gerät, und ein Gerät muss so viele Funktionen wie möglich zu einem so tiefen Preis wie möglich bieten. Kühlschrank, Kino, Bett, Fussbodenheizung, Schlafgeschoss, alles serienmässig, alles per Sprache, alles für weniger Geld, als ein Skoda Kodiaq in der Schweiz kostet.

Ob das in Europa funktioniert, ist eine andere Frage. Die europäische Camping-Kultur ist analog, sie liebt den Bulli, den Geruch von Gaskocher und die Abwesenheit von Bildschirmen. Xiaomi bietet das Gegenteil: ein Studio mit Projektor, Schminkspiegel und 220-Volt-Steckdose, in dem man die Natur vor allem filmt. Dass diese Vorstellung vom Reisen bei jungen Chinesen ankommt, zeigen 10 000 Bestellungen in vier Minuten. Dass sie bei Schweizer Familien ankäme, ist nicht ausgemacht, und Xiaomi wird es vor 2028 nicht ausprobieren.

Was bleibt, ist eine Erkenntnis, die europäische Hersteller nicht gerne hören: Volkswagen hat den California seit 1988 im Programm; nach 38 Jahren gibt es ihn als Diesel und als Plug-in-Hybrid mit einigen Dutzend Kilometern elektrischer Reichweite, aber nicht als Elektroauto. Xiaomi baut seit zwei Jahren Autos und liefert einen elektrischen Camper mit 1700 Kilometern Reichweite ab Werk. Die Frage ist nicht, ob dieses Auto in die Schweiz kommt. Die Frage ist, warum es keines aus Wolfsburg gibt.

Xiaomi SkyNomad Explorer mit offenen Türen und Hubdach
Erdgeschoss und Obergeschoss geöffnet: Der Explorer als Ferienwohnung mit Nummernschild. Bild: Xiaomi

Datenblatt Xiaomi SkyNomad N90 Max Explorer Edition (China, Herstellerangaben)

MerkmalWertMerkmalWert
Länge / Breite / Höhe5285 / 1998 / 1925 mmRadstand3080 mm
Leergewicht2840 kgSitzplätze5 (N90 Max: 7)
Range-Extender1,5 l Turbo, 4 Zyl., 112 kW (Harbin Dongan)Tank60 l
E-Motoren2 (210 kW vorne / 100 kW hinten), AllradSystemleistung310 kW / 422 PS
Batterie76 kWh NMC (CALB), 800 VE-Reichweite (CLTC)462 km
Gesamtreichweite (CLTC)1688 kmVerbrauch leer (WLTC)6,28 l/100 km
Schnellladen15 min für ca. 285 kmHöchstgeschwindigkeit190 km/h
FahrwerkDoppelquerlenker / Mehrlenker, Luftfederung, CDCRäder21 Zoll, 255 vorne / 265 hinten
Hubdachelektrisch, Innenhöhe 2294 mm, Loft 2110 × 985 mm, 200 kgBett unten1240 × 1870 mm, in 30 s
Fussbodenheizung3 Stufen, bis 38 °CProjektor30 Zoll, 1080p, 650 Lumen
AssistenzNvidia Thor 700 TOPS, 2 Lidar, 4D-RadarWattiefe750 mm
Preis China299 900 Yuan (ca. CHF 33 500)Marktstart07.09.2026 (China); Europa nicht angekündigt

Quellen und Hinweise zur Recherche

Recherchestand: Freitag, 11.09.2026. Alle technischen Angaben sind Herstellerangaben aus China nach dem CLTC- respektive WLTC-Zyklus und nicht mit europäischen WLTP-Werten vergleichbar. Die Franken-Umrechnung ist ein gerundeter Richtwert. Die Schätzung eines möglichen Europa-Preises stammt von der Redaktion, nicht vom Hersteller. Kein unabhängiger Fahrbericht lag vor. Finanzzahlen aus Medienberichten über den Quartalsbericht von Xiaomi.

  • Xiaomi Auto, Produktseiten SkyNomad N90 Max und N90 Max Explorer (xiaomiev.com/skynomad), abgerufen 11.09.2026
  • CnEVPost, «Xiaomi launches Sky Nomad SUVs, entering EREV market to boost deliveries», 07.09.2026; «Xiaomi Sky Nomad EREV SUVs go on pre-sale», 30.07.2026; «Xiaomi delivers 30,153 cars in August», 08.09.2026; «Xiaomi’s Sky Nomad SUVs surface in regulatory filing», 10.07.2026
  • Electrek, «Xiaomi launches four SkyNomad SUVs in China from $31,275», 07.09.2026; «Xiaomi reveals SkyNomad N90», 10.07.2026
  • CarNewsChina, «Xiaomi launches Skynomad N90 Max featuring a native electric pop-up roof cabin», 07.09.2026
  • autoevolution, «Xiaomi Debuts SkyNomad N90 Max Explorer Edition With Dragonscale Battery», 07.09.2026
  • electrive.com, «Xiaomi posts further loss in Q2 with its EV division», 21.08.2026; «Xiaomi reportedly plans Sky Nomad sub-brand», 20.05.2026
  • ArenaEV, «Xiaomi Auto prepares to storm Europe in 2027», 03.09.2026
  • Wikipedia (en), «Xiaomi SkyNomad N90», abgerufen 11.09.2026
  • Bilder: Xiaomi Auto (Produktseiten), Grafiken: Expertistan

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