Xiaomi SkyNomad N90: Der Smartphone-Riese baut jetzt Wohnmobile
Sieben Sitze, 1700 Kilometer Reichweite und ein Dach, das sich zum Schlafgeschoss hebt: Xiaomis erstes Auto mit Benzinmotor ist ein Camper für die Generation Bildschirm und kostet in China 33 500 Franken. Ein ausführlicher Bericht über das Auto, die Camping-Version und die Frage, ob es je in die Schweiz kommt.

Ein Konzern, der mit Handys und Staubsaugern gross wurde, verkauft seit dem 07.09.2026 ein 5,29 Meter langes SUV, dessen Dach sich per Knopfdruck zu einem Schlafgeschoss hebt. Der Xiaomi SkyNomad N90 Max kostet in China umgerechnet rund 30 000 Franken, fährt 1700 Kilometer weit und wurde in vier Minuten 10 000 Mal bestellt. Ein ausführlicher Bericht über das Auto, die Camping-Version, die Strategie dahinter und die Frage, was davon je in die Schweiz kommt.
Redaktion Expertistan · Lesezeit ca. 16 Minuten · Stand der Recherche: Freitag, 11.09.2026
Vom Smartphone zum Haus auf Rädern
Lei Jun hat es wieder getan. Der Gründer von Xiaomi, der 2021 verkündete, mit zehn Milliarden Dollar in den Autobau einzusteigen, und 2024 mit der Limousine SU7 einen Porsche-Taycan-Klon zum Preis eines VW Passat lieferte, hat am 07.09.2026 in Peking seine dritte Modellfamilie vorgestellt. Sie heisst auf Chinesisch 澎程, «Pengcheng», international SkyNomad, und sie ist in doppelter Hinsicht ein Bruch mit dem, was Xiaomi bisher baute: Zum ersten Mal hat ein Xiaomi-Auto einen Verbrennungsmotor an Bord, und zum ersten Mal richtet sich ein Xiaomi-Auto nicht an Technikfans, die schnell fahren wollen, sondern an Familien, die lange sitzen wollen.

Die Zahlen, die Xiaomi seither verbreitet, sind nach chinesischer Lesart ein Triumph: 10 000 verbindliche Bestellungen in vier Minuten, laut CnEVPost. Sie sind aber auch ein Hinweis darauf, dass Xiaomi den Erfolg dringend braucht. Die Auslieferungen des Konzerns sind im Juli und August zwei Monate in Folge gesunken, im August auf 30 153 Fahrzeuge, 17 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Das Jahresziel von 550 000 Autos ist nach acht Monaten zu 45 Prozent erfüllt. Der Konzern, der im Juni 2025 mit dem Elektro-SUV YU7 innert 18 Stunden 240 000 Vorbestellungen sammelte, hat den Sättigungspunkt seiner reinen Elektro-Kundschaft schneller erreicht, als es sich Lei Jun ausgemalt hatte. Der SkyNomad soll das ändern, und er soll es mit einem Antrieb tun, den Xiaomi bis vor kurzem gar nicht im Programm hatte.

Die Modellpalette umfasst vier Varianten, alle mit demselben Prinzip: Ein 1,5-Liter-Turbobenziner von Harbin Dongan mit 112 kW arbeitet als Generator, gefahren wird immer elektrisch. Der N70 ist ein 4,96 Meter langer Fünfsitzer ab 209 900 Yuan, der N90 Max ein 5,29 Meter langer Siebensitzer ab 269 900 Yuan. Darüber steht die Variante, um die es in diesem Bericht vor allem geht: der N90 Max in der «Explorer Edition» (chinesisch 探索版, Electrek nennt sie «Studio») für 299 900 Yuan, ein Fünfsitzer mit elektrischem Hubdach, Fussbodenheizung und Doppelbett. Umgerechnet zum Kurs von Anfang September 2026 sind das rund 23 400, 30 100 und 33 500 Franken; diese Umrechnung ist ein Richtwert, chinesische Preise enthalten Steuern des Heimmarkts und lassen sich nicht auf Schweizer Listenpreise übertragen.
Die Technik: Kunlun-Plattform, 76 kWh und ein Benziner als Zweitjob
Xiaomi nennt die Architektur «Kunlun», nach dem Gebirge im Westen Chinas. Sie wurde von Anfang an für Range-Extender ausgelegt, mit flachem Boden und einem 60-Liter-Tank. Die Batterie der Max-Versionen stammt von CALB, fasst 76 kWh und trägt den Markennamen «Drachenschuppen» (龙甲). Xiaomi verspricht dafür etwas, das kein europäischer Hersteller verspricht: eine lebenslange Garantie gegen Selbstentzündung und Brand nach einem Unfall sowie ein Ersatzfahrzeug, falls ein Qualitätsmangel zum thermischen Durchgehen führt. Ob dieses Versprechen mehr ist als Marketing, wird sich erst in einigen Jahren zeigen; die Zahlen dahinter, 18 Schutzschichten am Unterboden, 500 Joule Aufprallenergie ohne Funktionsverlust, ein Hitzetest bei 55 Grad mit voller Batterie, stammen vom Hersteller.

Der N90 Max fährt mit zwei Motoren, 210 kW vorne und 100 kW hinten, zusammen 310 kW oder 422 PS, und beschleunigt in 5,9 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 190 km/h abgeregelt. Nach dem chinesischen CLTC-Zyklus kommt er 464 Kilometer rein elektrisch und 1705 Kilometer insgesamt; in 15 Minuten am Schnelllader sollen 285 Kilometer nachgeladen sein. Bei leerer Batterie gibt Xiaomi einen Benzinverbrauch von 6,26 Litern auf 100 Kilometer nach WLTC an. Diese Werte sind, wie bei allen chinesischen Herstellern, mit Vorsicht zu lesen: Der CLTC-Zyklus liegt erfahrungsgemäss 20 bis 30 Prozent über dem europäischen WLTP. Realistisch dürften 330 bis 370 Kilometer elektrisch bleiben, was für ein 2,8 Tonnen schweres Auto immer noch bemerkenswert wäre.
Das Fahrwerk ist für die Preisklasse ungewöhnlich aufwendig: Doppelquerlenker vorne, Mehrlenker hinten, Luftfederung mit stufenlos verstellbaren Dämpfern, vier Hydrolager und Bosch-Bremsregelung. Xiaomi hebt eine Wattiefe von 750 Millimetern hervor, überwacht von zwei Radarsensoren in den Aussenspiegeln, und verspricht eine «Notschwimmfähigkeit», was in Europa kein Hersteller zu behaupten wagte. Der Ansaugtrakt des Range-Extenders sitzt 1109 Millimeter über dem Boden, unterhalb der Windschutzscheibe.

Die Assistenzsysteme laufen auf Nvidias Thor-Chip mit 700 TOPS Rechenleistung, ergänzt um zwei Lidar-Sensoren (einer davon nach hinten gerichtet), 4D-Radar und Xiaomis eigenes Fahrmodell «XLA». Die Notbremsung soll zwischen 1 und 135 km/h nach vorne und bis 30 km/h rückwärts arbeiten. Für die Karosserie nennt Xiaomi einen Anteil von 90,4 Prozent hochfestem Stahl und Aluminium, 16 Teile aus 2200-Megapascal-Stahl, zwölf Airbags und 39 Einklemmschutz-Sensoren für die beweglichen Sitze. Entwickelt wurde nach den Standards für fünf Sterne im chinesischen C-NCAP; ein europäisches Euro-NCAP-Ergebnis gibt es nicht.
Die vier Varianten im Überblick
| N70 Pro | N70 Max | N90 Max | N90 Max Explorer | |
|---|---|---|---|---|
| Preis China | 209 900 Yuan | 239 900 Yuan | 269 900 Yuan | 299 900 Yuan |
| ca. CHF (Richtwert) | 23 400 | 26 800 | 30 100 | 33 500 |
| Länge / Radstand | 4960 / 2950 mm | 4960 / 2950 mm | 5285 / 3080 mm | 5285 / 3080 mm |
| Höhe | 1785 mm | 1785 mm | 1825 mm | 1925 mm (Hubdach) |
| Sitze | 5 | 5 | 7 (2+2+3) | 5 |
| Antrieb | Heck, 210 kW | Allrad, 310 kW | Allrad, 310 kW | Allrad, 310 kW |
| Batterie | 52 kWh LFP (Sunwoda) | 76 kWh NMC (CALB) | 76 kWh NMC (CALB) | 76 kWh NMC (CALB) |
| E-Reichweite (CLTC) | 351 km | 505 km | 464 km | 462 km |
| Gesamtreichweite (CLTC) | 1351 km | 1461 km | 1705 km | 1688 km |
| 0 bis 100 km/h | 7,9 s | 5,5 s | 5,9 s | k. A. |
| Leergewicht | k. A. | k. A. | 2800 kg | 2840 kg |

Innenraum: Ein Wohnzimmer, das sich in elf Grundrisse verwandelt
Der Kern des Konzepts liegt im Boden. Die Sitze des N90 Max laufen auf Längsschienen, die Vordersitze lassen sich im Stand um 180 Grad drehen, die mittlere Konsole rollt mit dem 9-Liter-Kompressorkühlschrank durch den Innenraum. Xiaomi zählt elf Anordnungen: Konferenz, Büro, Kino, Nickerchen, Bett. Jede Umstellung ist per Sprachbefehl an die Assistentin «Xiao Ai» auslösbar, funktioniert aber nur im Stand mit unbesetzten Sitzen und wird mit Countdown und Ansage angekündigt. Das Kofferraumvolumen beträgt bis zu 1831 Liter.


Die Verarbeitung orientiert sich an der chinesischen Oberklasse: 6,8 Quadratmeter Glasfläche, ein 1530 Millimeter breites Armaturenbrett, drei Interieurfarben (Mokka, Sandkeramik, Nachtschwarz), 256-farbige Ambientebeleuchtung mit 15 indirekten Lichtquellen und ein Soundsystem mit 25 Lautsprechern und 4890 Watt. Im Zentrum steht ein 16,1-Zoll-Bildschirm mit Xiaomis HyperOS und einem Snapdragon-Chip, der nahtlos mit den Handys, Uhren und Staubsaugern des Konzerns spricht. Das ist der eigentliche Trumpf: Kein europäischer Hersteller hat ein Ökosystem, in dem das Auto einfach ein weiteres Gerät ist.


Die Camping-Version: Ein Loft über der zweiten Reihe

Und dann ist da die Explorer Edition. Was auf den ersten Blick wie ein Aufstelldach vom Zubehörhändler aussieht, ist bei Xiaomi ab Werk in die Karosserie integriert: Eine Dachkassette, die im geschlossenen Zustand 100 Millimeter aufträgt und die Fahrzeughöhe auf 1925 Millimeter bringt, hebt sich elektrisch und gibt im Innern eine Stehhöhe von 2294 Millimetern frei. Im Obergeschoss entsteht eine Liegefläche von 2110 mal 985 Millimetern, belastbar mit 200 Kilogramm, umgeben von fünf Netzfenstern mit zusammen 1,7 Quadratmetern. Das ist nicht das Doppelbett eines VW California, aber es ist eine vollwertige Schlafstatt für eine Person oder für zwei Kinder, und sie braucht keinen Aufbau, keine Stangen, keine Plane.

Unten wird gleichzeitig gewohnt. Die zweite Reihe, zwei Einzelsitze mit karierter Steppung, die Xiaomi als «italienisches Sofa» beschreibt, verwandelt sich in 30 Sekunden in ein Bett von 1,24 mal 1,87 Metern, belüftet und beheizt. Der Boden ist mit 1,7 Quadratmetern Holzoptik auf Aluminium ausgelegt, darunter liegt eine dreistufige Fussbodenheizung, die den Boden auf 38 Grad bringt; bei null Grad Aussentemperatur soll er in zehn Minuten 25 Grad erreichen. An der Seitenwand sitzt ein Einbauschrank mit 20 Litern Stauraum, ein 11,5-Zoll-Schminkspiegel mit 4000-Kelvin-Licht und ein schwebender Nachttisch mit 220-Volt- und 12-Volt-Steckdosen, Magnethalterung und Leselampe. Aus dem Dachhimmel fährt in 25 Sekunden eine 30-Zoll-Leinwand, bespielt von einem 1080p-Projektor mit 650 Lumen.


Xiaomi hat sich offensichtlich Gedanken gemacht, wofür Chinesen ein solches Auto wirklich benutzen: Die Produktseite wirbt weniger mit Lagerfeuerromantik als mit dem «mobilen Studio». Im geöffneten Zustand lasse sich im Innenraum ein Stativ aufstellen, das Dach werde zum «natürlichen Aussichtsraum» für Fotografen, Livestreamer und Podcaster, mit Strom für alle Geräte. Die Umkleide- und Schminkfunktion zielt auf Influencerinnen, die unterwegs Inhalte produzieren. Es ist eine sehr chinesische, sehr digitale Vorstellung von Camping, und sie unterscheidet sich fundamental vom europäischen Bild des Aussteigers mit Bulli.

Den Ernst der Sache belegt die Absicherung. Das Dach hat laut Xiaomi 10 000 Öffnungszyklen im Dauertest hinter sich, der Rahmen aus hochfestem Stahl überstand einen Überschlagtest bei 44,7 km/h ohne Ablösung, 19 Schutzfunktionen überwachen das Ausfahren. Zwei Einschränkungen sind gesetzlich bedingt und stehen in jeder Fussnote: Das Dach darf nur auf nicht öffentlichen Strassen und nur im Stand geöffnet werden, und bei Regen und Schnee soll man es geschlossen lassen. In Tiefgaragen warnen die Lidar-Sensoren vor Höhenbegrenzungen, denn mit 1,93 Metern ist die Explorer Edition höher als die meisten Parkhaus-Limiten in Schweizer Städten.


Der Heimmarkt: Ein schrumpfendes Segment und ein Konzern unter Druck
Xiaomi steigt in den Range-Extender-Markt ein, während dieser schrumpft. Die chinesischen Verkäufe von Fahrzeugen mit Reichweitenverlängerer sind in den ersten acht Monaten 2026 um knapp 16 Prozent auf 616 000 Fahrzeuge gefallen, wie CnEVPost berichtet; die Kundschaft wandert zu reinen Elektroautos mit grösseren Batterien ab. Lei Jun begründete den Schritt damit, dass Li Auto und andere bewiesen hätten, «dass Konsumenten für gut gestaltete Range-Extender-Fahrzeuge zu zahlen bereit sind». Genau diese Konkurrenz ist das Problem: Li Auto hat mit L6 bis L9 die Familien-SUV-Klasse geprägt, Aito (Huawei) verkauft den M8 und M9 mit Huawei-Software, Leapmotor drängt mit dem D19 von unten. Xiaomi positioniert den N70 Max laut CnEVPost gegen den Li Auto L6 (249 800 Yuan) und den N90 Max gegen den Tesla Model Y L (339 000 Yuan).

Finanziell kann sich Xiaomi keinen Fehlstart leisten. Die Autosparte hat im zweiten Quartal 2026 laut electrive.com einen Umsatz von 24,9 Milliarden Yuan erzielt, aber einen operativen Verlust von 2,6 Milliarden Yuan verbucht; die Bruttomarge fiel von 26,4 auf 19,2 Prozent, weil weniger teure SU7 Ultra verkauft wurden und die Komponenten teurer wurden. Der durchschnittliche Verkaufspreis sank um knapp zehn Prozent auf 229 000 Yuan. Diese Zahlen stammen aus der Berichterstattung über den Quartalsbericht; wer sie für eine Anlageentscheidung braucht, sollte sie im Originalbericht von Xiaomi prüfen. Der SkyNomad ist in dieser Lage beides: ein Volumenmodell, das die Werke in Peking auslasten soll, und ein Preissignal, das die Marge weiter drückt. Dass Xiaomi die Listenpreise zum Marktstart um 20 000 bis 30 000 Yuan unter die Vorverkaufspreise vom Juli gesetzt hat, sagt viel über den Preiskrieg.
Europa und die Schweiz: 2027 kommen die Elektro-Modelle, der Camper vorerst nicht
Xiaomi hat an der IFA in Berlin am 03.09.2026 den Europastart für 2027 bestätigt, zunächst mit der Limousine SU7 und dem Elektro-SUV YU7, verkauft über klassische Händler statt direkt. Acht deutsche Händlergruppen haben Absichtserklärungen unterzeichnet, darunter, wenig überraschend, die Emil Frey Gruppe, die in der Schweiz bereits Zeekr importiert. Für den SkyNomad gibt es keine Europa-Ankündigung. Electrek schreibt zwar von «Europa im nächsten Jahr», bezieht das aber auf die Marke, nicht auf das Modell. Wer in der Schweiz auf einen N90 Max hofft, sollte nicht vor 2028 damit rechnen, und selbst dann bleibt offen, ob die Explorer Edition mit ihrem Hubdach die europäische Typgenehmigung erhält.

Dabei wäre gerade die Explorer Edition für die Schweiz interessant. Camping ist hierzulande seit der Pandemie ein Massenphänomen, die Logiernächte auf Campingplätzen bewegen sich nach Zahlen des Bundesamts für Statistik seit 2021 auf Rekordniveau, und der Markt für Campervans ist so eng wie teuer: Ein VW California kostet in der Schweiz rund 70 000 Franken und mehr, ein Mercedes Marco Polo ähnlich viel; der California ist als Diesel oder Plug-in-Hybrid zu haben, der Marco Polo als Diesel. Ein Fahrzeug, das im Alltag ein siebensitziges Familien-SUV ist, am Wochenende ein Camper mit Fussbodenheizung und dabei 460 Kilometer elektrisch fährt, hätte in dieser Lücke keine Konkurrenz. Der Range-Extender wäre zudem zollrechtlich kein Problem: Die EU-Ausgleichszölle auf chinesische Elektroautos gelten nur für batterieelektrische Fahrzeuge, die Schweiz kennt ohnehin keine Strafzölle.
Die Hürden sind dieselben wie beim Zeekr 9X, den Expertistan diese Woche besprochen hat: 5,29 Meter Länge, fast zwei Meter Breite und 2,8 Tonnen Gewicht sind gegen die Schweizer Einstellhallen und Steuertabellen gebaut. Dazu kommt beim Hubdach die Frage, ob die schweizerischen Vorschriften ein elektrisch bewegtes Dach mit Netzfenstern als Aufstelldach eines Wohnmobils behandeln oder als Karosserieumbau, und wie Versicherer den Fall bewerten, wenn das Dach entgegen der Anleitung auf einem öffentlichen Parkplatz geöffnet wird. Und schliesslich der Preis: Ein N90 Max Explorer, der in China 33 500 Franken kostet, würde nach europäischen Homologationskosten, Händlermarge und Mehrwertsteuer kaum unter 55 000 bis 65 000 Franken landen. Das ist eine Schätzung ohne jede Herstellerangabe, aber sie zeigt: Selbst dann wäre er günstiger als jeder europäische Camper mit vergleichbarer Ausstattung.

Bewertung
Die Bewertung beruht auf Herstellerangaben, der Berichterstattung zum Marktstart und dem chinesischen Marktumfeld. Kein westliches Medium hat den SkyNomad bisher gefahren; die Einschätzung zu Fahrverhalten und Verarbeitung bleibt darum ausdrücklich offen.
Pro
- Ein ab Werk integriertes Hubdach mit Fussbodenheizung, Bett und Strom zum Preis eines europäischen Kompakt-SUV.
- Variabler Innenraum mit elf Grundrissen, drehbaren Vordersitzen und Kühlschrank, gesteuert per Sprache.
- 76-kWh-Batterie, 800-Volt-Laden, 464 Kilometer elektrisch (CLTC) und 1705 Kilometer gesamt: Reichweitenangst ist kein Thema.
- Luftfederung, Doppelquerlenker, Lidar und Nvidia Thor serienmässig in einer Preisklasse, in der Europa Stahlfedern und Halogenlicht verkauft.
- Xiaomis Ökosystem aus Handy, Uhr und Haushalt, in dem das Auto ein weiteres Gerät ist.
Contra
- Kein Europa-Start angekündigt; die Explorer Edition müsste eine Typgenehmigung für das Hubdach erst noch bekommen.
- Alle Reichweiten nach CLTC; kein unabhängiger Test, kein Euro-NCAP, keine Verbrauchsmessung.
- Obergeschoss mit 99 Zentimetern Breite ist ein Einzelbett, kein Doppelbett; Dach nur abseits öffentlicher Strassen und nicht bei Regen nutzbar.
- 5,29 Meter, 1,93 Meter hoch, 2,84 Tonnen: ein Auto gegen Tiefgaragen und Gewichtssteuern.
- Xiaomi Auto schreibt Verluste und drückt die Preise; die Langzeitqualität eines 2024 gegründeten Autobauers ist unbekannt.
| Kriterium | Note | Begründung |
|---|---|---|
| Konzept & Innovation | ★★★★★ | Familien-SUV und Camper in einem, ab Werk, mit Ökosystem |
| Antrieb & Reichweite | ★★★★☆ | 76 kWh, 800 Volt, 1700 km gesamt; Werte nur nach CLTC |
| Innenraum & Komfort | ★★★★★ | Elf Grundrisse, Fussbodenheizung, Bett in 30 Sekunden, 25 Lautsprecher |
| Camping-Tauglichkeit | ★★★★☆ | Loft für eine Person, Bett unten für zwei; Dach nicht bei Regen |
| Fahrverhalten | ☆☆☆☆☆ | Keine Bewertung möglich, kein unabhängiger Test |
| Schweiz-Tauglichkeit | ★★☆☆☆ | Nicht angekündigt, zu gross für Einstellhallen, Zulassung des Hubdachs offen |
| Preis-Leistung (China) | ★★★★★ | 33 500 Franken für ein Auto, das in Europa das Doppelte kosten würde |
| Gesamturteil | ★★★★☆ | Das originellste Auto des Jahres, vorläufig nur für China |
Fazit: Das Auto als Gerät
Der SkyNomad N90 Max Explorer ist das konsequenteste Produkt, das Xiaomi je gebaut hat. Nicht, weil es das schnellste oder schönste wäre, sondern weil es die Logik des Konzerns zu Ende denkt: Ein Auto ist ein Gerät, und ein Gerät muss so viele Funktionen wie möglich zu einem so tiefen Preis wie möglich bieten. Kühlschrank, Kino, Bett, Fussbodenheizung, Schlafgeschoss, alles serienmässig, alles per Sprache, alles für weniger Geld, als ein Skoda Kodiaq in der Schweiz kostet.
Ob das in Europa funktioniert, ist eine andere Frage. Die europäische Camping-Kultur ist analog, sie liebt den Bulli, den Geruch von Gaskocher und die Abwesenheit von Bildschirmen. Xiaomi bietet das Gegenteil: ein Studio mit Projektor, Schminkspiegel und 220-Volt-Steckdose, in dem man die Natur vor allem filmt. Dass diese Vorstellung vom Reisen bei jungen Chinesen ankommt, zeigen 10 000 Bestellungen in vier Minuten. Dass sie bei Schweizer Familien ankäme, ist nicht ausgemacht, und Xiaomi wird es vor 2028 nicht ausprobieren.
Was bleibt, ist eine Erkenntnis, die europäische Hersteller nicht gerne hören: Volkswagen hat den California seit 1988 im Programm; nach 38 Jahren gibt es ihn als Diesel und als Plug-in-Hybrid mit einigen Dutzend Kilometern elektrischer Reichweite, aber nicht als Elektroauto. Xiaomi baut seit zwei Jahren Autos und liefert einen elektrischen Camper mit 1700 Kilometern Reichweite ab Werk. Die Frage ist nicht, ob dieses Auto in die Schweiz kommt. Die Frage ist, warum es keines aus Wolfsburg gibt.

Datenblatt Xiaomi SkyNomad N90 Max Explorer Edition (China, Herstellerangaben)
| Merkmal | Wert | Merkmal | Wert |
|---|---|---|---|
| Länge / Breite / Höhe | 5285 / 1998 / 1925 mm | Radstand | 3080 mm |
| Leergewicht | 2840 kg | Sitzplätze | 5 (N90 Max: 7) |
| Range-Extender | 1,5 l Turbo, 4 Zyl., 112 kW (Harbin Dongan) | Tank | 60 l |
| E-Motoren | 2 (210 kW vorne / 100 kW hinten), Allrad | Systemleistung | 310 kW / 422 PS |
| Batterie | 76 kWh NMC (CALB), 800 V | E-Reichweite (CLTC) | 462 km |
| Gesamtreichweite (CLTC) | 1688 km | Verbrauch leer (WLTC) | 6,28 l/100 km |
| Schnellladen | 15 min für ca. 285 km | Höchstgeschwindigkeit | 190 km/h |
| Fahrwerk | Doppelquerlenker / Mehrlenker, Luftfederung, CDC | Räder | 21 Zoll, 255 vorne / 265 hinten |
| Hubdach | elektrisch, Innenhöhe 2294 mm, Loft 2110 × 985 mm, 200 kg | Bett unten | 1240 × 1870 mm, in 30 s |
| Fussbodenheizung | 3 Stufen, bis 38 °C | Projektor | 30 Zoll, 1080p, 650 Lumen |
| Assistenz | Nvidia Thor 700 TOPS, 2 Lidar, 4D-Radar | Wattiefe | 750 mm |
| Preis China | 299 900 Yuan (ca. CHF 33 500) | Marktstart | 07.09.2026 (China); Europa nicht angekündigt |
Quellen und Hinweise zur Recherche
Recherchestand: Freitag, 11.09.2026. Alle technischen Angaben sind Herstellerangaben aus China nach dem CLTC- respektive WLTC-Zyklus und nicht mit europäischen WLTP-Werten vergleichbar. Die Franken-Umrechnung ist ein gerundeter Richtwert. Die Schätzung eines möglichen Europa-Preises stammt von der Redaktion, nicht vom Hersteller. Kein unabhängiger Fahrbericht lag vor. Finanzzahlen aus Medienberichten über den Quartalsbericht von Xiaomi.
- Xiaomi Auto, Produktseiten SkyNomad N90 Max und N90 Max Explorer (xiaomiev.com/skynomad), abgerufen 11.09.2026
- CnEVPost, «Xiaomi launches Sky Nomad SUVs, entering EREV market to boost deliveries», 07.09.2026; «Xiaomi Sky Nomad EREV SUVs go on pre-sale», 30.07.2026; «Xiaomi delivers 30,153 cars in August», 08.09.2026; «Xiaomi’s Sky Nomad SUVs surface in regulatory filing», 10.07.2026
- Electrek, «Xiaomi launches four SkyNomad SUVs in China from $31,275», 07.09.2026; «Xiaomi reveals SkyNomad N90», 10.07.2026
- CarNewsChina, «Xiaomi launches Skynomad N90 Max featuring a native electric pop-up roof cabin», 07.09.2026
- autoevolution, «Xiaomi Debuts SkyNomad N90 Max Explorer Edition With Dragonscale Battery», 07.09.2026
- electrive.com, «Xiaomi posts further loss in Q2 with its EV division», 21.08.2026; «Xiaomi reportedly plans Sky Nomad sub-brand», 20.05.2026
- ArenaEV, «Xiaomi Auto prepares to storm Europe in 2027», 03.09.2026
- Wikipedia (en), «Xiaomi SkyNomad N90», abgerufen 11.09.2026
- Bilder: Xiaomi Auto (Produktseiten), Grafiken: Expertistan



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