The Game Awards 2026: GTA VI, ein knapper Stichtag und eine Jury unter Zeitdruck
Am Donnerstag, 10.12.2026, kürt die Gala in Los Angeles das Spiel des Jahres. «Grand Theft Auto VI» erscheint einen Tag vor dem Stichtag, die Nominierten dürften schon vorher feststehen. Die Analyse zeigt, was das für die Jury aus 160 Medien bedeutet, warum die Show umstritten ist und welche Rolle die Schweiz spielt.

Wenn im Peacock Theater in Los Angeles am Donnerstag, 10.12.2026, die Scheinwerfer angehen, ist es in der Schweiz 1.30 Uhr in der Nacht auf Freitag. Der Saal im Unterhaltungskomplex L.A. Live hiess bis 2023 Microsoft Theater. Die Game Awards vergeben ihre Preise zum 13. Mal; Millionen Menschen schauen über Livestreams zu, auf Youtube, Twitch und Dutzenden weiteren Plattformen. Am Schluss fällt der wichtigste Entscheid: das Spiel des Jahres.
Ob «Grand Theft Auto VI» zu den Kandidaten gehört, entscheidet sich nicht in dieser Nacht, sondern Wochen früher, voraussichtlich noch vor dem Verkaufsstart. Rockstar Games bringt das Spiel, das die Game Awards schon 2024 und 2025 zum meisterwarteten Titel gekürt haben, am Donnerstag, 19.11.2026, auf den Markt. Das ist einen Tag vor dem Stichtag der Gala; das Spiel ist also knapp wählbar. Die Nominierten aber hat der Veranstalter für «Mitte November» angekündigt, ein genaues Datum nennt er nicht. Liegt die Bekanntgabe vor dem 19.11.2026, müssen sich die 160 Medien der Jury festlegen, bevor die Öffentlichkeit das Spiel kennt. Ob Rockstar ihnen vorab Testversionen geschickt hat, ist nicht bestätigt.
Der Fall legt ein Grundproblem der Show offen, die sich gern als Oscars der Games bezeichnen lässt. Sie will zugleich seriöse Preisverleihung und weltweites Werbeschaufenster sein. Ihr Kalender lässt der Jury zudem wenig Luft: 2022, 2024 und 2025 gab der Veranstalter die Nominierten bekannt, bevor der Stichtag abgelaufen war. Dieser Bericht ordnet ein, was die Regeln sagen, was frühere Fälle lehren, wer als Favorit gilt, weshalb die Gala umstritten ist und welche Stimme die Schweiz in diesem Konzert hat.
| Punkt | Stand | Quelle |
|---|---|---|
| Gala | Donnerstag, 10.12.2026, Peacock Theater, Los Angeles; Vorprogramm ab 16.30 Uhr Ortszeit | The Game Awards |
| In der Schweiz | Freitag, 11.12.2026, ab 1.30 Uhr; kostenlos im Livestream, unter anderem auf Youtube und Twitch | The Game Awards, eigene Umrechnung |
| Stichtag | Freitag, 20.11.2026, 21 Uhr Ortszeit (Schweiz: Samstag, 21.11.2026, 6 Uhr); Players‘ Voice: 30.11.2026 | The Game Awards |
| Nominierungen | «Mitte November», genaues Datum offen | The Game Awards |
| Jury | 160 Medien aus rund 40 Ländern und Regionen; aus der Schweiz einzig Games.ch | The Game Awards |
| Gewichtung | Jury 90 Prozent, Publikum 10 Prozent (Players‘ Voice: nur Publikum) | The Game Awards |
| GTA VI | Erscheint am 19.11.2026 für Playstation 5 und Xbox Series X|S; wählbar; Testmuster und Embargo unbestätigt | Take-Two, Kotaku, Aftermath |
| Livestreams 2025 | geschätzt 171 Millionen (Angabe des Veranstalters, keine Zuschauerzahl) | The Game Awards |
Ein Stichtag mit einem Tag Reserve
Die Regel ist unmissverständlich. «Spiele müssen bis spätestens Freitag, 20.11.2026, 21 Uhr PT, für Kundinnen und Kunden kommerziell erhältlich sein», heisst es in den Regeln der Game Awards. In der Schweiz ist es dann Samstag, 21.11.2026, 6 Uhr. Für die Kategorie Players‘ Voice, in der allein das Publikum entscheidet, gilt der 30.11.2026. «Grand Theft Auto VI» erscheint am 19.11.2026 für Playstation 5 und Xbox Series X|S und ist damit wählbar, mit einem Tag Reserve. Eine PC-Fassung hat Rockstar nicht angekündigt.
Neu ist die Konstellation nicht, wohl aber ihre Tragweite. In den Jahren 2022, 2024 und 2025 kamen die Nominierten vor dem Ende der Frist: am 14.11.2022 bei einem Stichtag am 18.11.2022, am 18.11.2024 bei einem Stichtag am 22.11.2024 und am 17.11.2025 bei einem Stichtag am 21.11.2025. Wer in diesen Tagen erscheint, ist formal zugelassen, muss die Jury aber schon vor dem Verkaufsstart überzeugt haben. Dass späte Titel dabei untergehen können, zeigt der Fall «Star Wars Jedi: Fallen Order»: Das Spiel erschien 2019 vor dem Stichtag und war damit nach den Regeln zwar wählbar. Laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia wurde es aber als nicht wählbar betrachtet und erhielt keine Nominierung; 2020 kam es auf eine.
Ausgeweitet hat der Veranstalter dagegen den Kreis der wählbaren Werke. Seit 2024 sind Erweiterungen, Remakes und Remaster in allen Kategorien zugelassen, sofern die Jury die neue kreative und technische Arbeit einer Nominierung für würdig hält. Das betrifft im Herbst 2026 auch Nintendo: Die Neuauflage von «The Legend of Zelda: Ocarina of Time» erscheint am Donnerstag, 05.11.2026, exklusiv für die Switch 2 und ist in allen Kategorien wählbar. Wählbar sind zudem Early-Access-Spiele, sofern sie bis zum Stichtag öffentlich erhältlich sind, sowie laufend erweiterte Onlinespiele mit neuen Inhalten.

Nominiert wird voraussichtlich, bevor das Spiel im Handel ist
Der Kern des Problems liegt im Kalender. Auf ihrer Website kündigen die Game Awards die Nominierten für «Mitte November» an; ein Datum nannte der Veranstalter bis zum 30.10.2026 nicht. Folgt er dem Muster der beiden Vorjahre, fällt die Bekanntgabe vier Tage vor den Stichtag, also auf Montag, 16.11.2026, drei Tage vor den Verkaufsstart von «GTA VI». Bestätigt ist das nicht. Sicher ist nur, dass die Stimmzettel der Jury früher eingehen müssen. Für 2025 nannte die Youtuberin Alanah Pearce, eine frühere Journalistin des Portals IGN, laut Journal du Geek eine erste Abstimmungsrunde am 04.11.2025.
Ob die Jury «GTA VI» bis dahin spielen kann, hängt allein von Rockstar ab. Die Regeln erlauben es ausdrücklich: «Um unsere Abstimmungsfristen einzuhalten, können Publisher oder Entwickler Spiele vorab oder schon vor der Veröffentlichung zur kritischen Prüfung zugänglich machen.» Laut dem Fachportal Aftermath, das sich auf nicht namentlich genannte Mitarbeitende mehrerer stimmberechtigter Medien beruft, lief die Frist für solche Codes am 30.10.2026 ab; offiziell bestätigt ist diese Frist nicht. Die Zahl der Vorabcodes pro Spiel sei «traditionell begrenzt». Rockstar habe den Versand von Codes nicht bestätigt, hielt Aftermath zugleich fest.

Was seither kursiert, sind Gerüchte. Der als Leaker bekannte NateTheHate behauptete Mitte Oktober, Codes könnten noch vor Ende Oktober an Medien und Creator gehen; Kotaku griff die Angabe am 15.10.2026 auf. Am 26.10.2026 meldete das Technikportal Notebookcheck unter Berufung auf ein Konto namens NateTheHate2 auf der Plattform X, Medien hätten Codes erhalten. Das Studio habe nichts bestätigt, man gehe aber davon aus, dass das Embargo für Testberichte am 18.11. falle, nur einen Tag vor dem Start, schrieb das Portal. Rockstar und Take-Two haben weder Testmuster noch Embargo bestätigt. Anfang Oktober hatte Robin Sabbadini, Autor bei Journal du Geek, einem der stimmberechtigten Medien, noch die gegenteilige Vermutung geäussert: Er glaube, Rockstar und Take-Two planten vor dem Start weder Schlüssel noch Testkopien zu verschicken.
Auffällig ist zudem, was fehlt. Der Branchendienst Game File wies im Sommer darauf hin, dass es zu «GTA VI» keine Vorschauen für die Presse gegeben hatte, was für Rockstar ungewöhnlich sei, wie Aftermath festhielt. Die Jury müsste damit ein Werk beurteilen, über das bis kurz vor der Abstimmung kaum unabhängige Eindrücke vorliegen.
Bestätigt, berichtet, Gerücht: Was zu GTA VI und der Jury feststeht
So stimmt die Jury ab: 160 Medien, je fünf Namen
Wer über die Nominierten entscheidet, legt der Veranstalter offen. Die Jury 2026 umfasst 160 Medien: 17 aus den USA, 17 aus Grossbritannien und 126 aus 38 weiteren Ländern und Regionen. Darunter sind Fachportale wie IGN, GameSpot und Eurogamer, das japanische Magazin «Famitsu», Zeitungen und Publikumsmedien wie NPR, «Variety», «El País», «Corriere della Sera» und «Le Devoir», aber auch Videoformate wie Kinda Funny oder Skill Up. Aus dem deutschen Sprachraum stimmen sieben Medien ab: «GameStar», Gameswelt, «M! Games», «PC Games» und «Die Zeit» aus Deutschland, Gamers.at aus Österreich und als einziges Schweizer Medium Games.ch. Kotaku und Aftermath gehören nicht dazu. Für E-Sport und Barrierefreiheit gibt es eigene Fachjurys.
Das Verfahren ist schlicht. Jedes Medium füllt einen vertraulichen Stimmzettel ohne Rangfolge aus und nennt je Kategorie seine fünf Favoriten. Nominiert sind die Titel mit den meisten Nennungen, beim Spiel des Jahres zuletzt sechs; bei Gleichstand können es mehr werden. Die Sieger bestimmt danach eine gemischte Abstimmung, in der die Jury zu 90 Prozent und das Publikum zu 10 Prozent zählt. Eine reine Publikumswahl lehnt der Veranstalter ab, weil sie «Spiele für nur eine Plattform grundsätzlich gegenüber Multiplattform-Titeln benachteiligt». Geoff Keighley, Gründer und Produzent der Show, ist laut den Regeln nicht Mitglied der Jury und stimmt weder über Nominierte noch über Sieger ab.
Wie die Medien intern zu ihrer Liste kommen, regelt der Veranstalter nicht. «Manche lassen einen Stimmzettel zirkulieren und gehen recht demokratisch vor», schrieb Ethan Gach, Autor bei Kotaku, Mitte Oktober. «Bei anderen bestimmen gewisse leitende Personen, welche Spiele unterstützt werden.» Bei «GTA VI» verschärft sich das Problem. Riley MacLeod, Autor bei Aftermath, hielt fest, es werde schwer zu sagen sein, «ob die unvermeidlichen Nominierungen von GTA VI die tatsächliche Gesamtmeinung eines Mediums wiedergeben». Erhält eine Redaktion nur einen Code, urteilt im Zweifel eine einzige Person für alle.
Für Misstrauen sorgt auch die Nähe zur Industrie. Im Beirat der Game Awards sitzen 15 Unternehmen, von Activision über Nintendo und Sony bis Tencent und Valve, darunter Rockstar Games. Der Beirat habe «keine Beteiligung am Auszeichnungsverfahren», hält der Veranstalter fest. Auf die Frage, ob Sponsoren und Beiräte bessere Chancen hätten, antwortet er: «Nein, es gibt keinen Zusammenhang.» Auch diese Firmen erführen Nominierte und Sieger «zur selben Zeit wie die Öffentlichkeit».
Siebzehn Tage: Was der Fall Dragon Age lehrt
Dass ein Spiel kurz vor der Gala noch gewinnen kann, ist belegt. «Dragon Age: Inquisition» von BioWare und Electronic Arts erschien am 18.11.2014 in Nordamerika, eine Woche vor dem damaligen Stichtag am 25.11.2014. Am 05.12.2014 wurde das Rollenspiel bei der ersten Ausgabe der Game Awards in Las Vegas zum Spiel des Jahres und zum besten Rollenspiel gekürt, 17 Tage nach dem Erscheinen. Kein anderer Sieger hatte seither so wenig Zeit. Bei «GTA VI» lägen zwischen Verkaufsstart und Gala 21 Tage.
Andere späte Titel kamen weit, aber nicht ans Ziel. «Red Dead Redemption 2», ebenfalls von Rockstar, erschien am 26.10.2018, 41 Tage vor der Gala, gewann vier Preise und unterlag beim Spiel des Jahres «God of War». «Death Stranding» erschien am 08.11.2019, wurde als Spiel des Jahres nominiert und gewann 34 Tage später drei Preise. «God of War Ragnarök» erschien am 09.11.2022 und holte 29 Tage später sechs Preise, mehr als jedes andere Spiel an jenem Abend; den Hauptpreis gewann «Elden Ring».
Eine Auswertung des Newsletters Infinite Lives vom November 2025 fand einen «klaren Trend» zwischen späten Erscheinungsterminen und Nominierungen, aber keinen Vorteil bei der Siegerwahl. Wer zu spät kommt, wird auch selten nachgeholt: Spiele, die im Dezember erscheinen, würden laut der Analyse auch im Folgejahr kaum berücksichtigt. Als Ausnahme nennt die Analyse «Super Smash Bros. Ultimate», am 07.12.2018 erschienen und 2019 als Spiel des Jahres nominiert.
Die Regel ist eine andere. Die Spiele des Jahres von 2014 bis 2025 waren bei der Gala im Mittel rund ein halbes Jahr auf dem Markt; nach den verfügbaren Daten hatte ausser «Dragon Age» keines weniger Vorlauf als «Astro Bot» 2024 mit 97 Tagen. Die Jurys hatten also in aller Regel Monate Zeit, sich eine Meinung zu bilden, zu diskutieren und Versäumtes nachzuholen.
Rockstar und die Preise: viel Lob, nie der Hauptpreis der Game Awards
Rockstar Games kennt Preisverleihungen, an den Game Awards ist das Studio aber nie ganz oben angekommen. Bei den Spike Video Game Awards, dem Vorläufer der Show, wurden laut Wikipedia «Grand Theft Auto: San Andreas» (2004), «Grand Theft Auto IV» (2008), «Red Dead Redemption» (2010) und «Grand Theft Auto V» (2013) zum Spiel des Jahres gewählt, Letzteres bei der letzten Ausgabe, die am 07.12.2013 unter dem Namen VGX lief. Seit es die Game Awards gibt, reichte es für «GTA V» 2014 zum Preis für das beste Remaster. «Red Dead Redemption 2» gewann 2018 vier Auszeichnungen: für Roger Clark als Arthur Morgan, für die Erzählung, für die Musik von Woody Jackson und für das Sounddesign.
Die Niederlage von 2018 ist lehrreich. Auf Metacritic, das Kritiken zu einem Durchschnittswert bündelt, kommen «Red Dead Redemption 2» und «GTA V» auf je 97 Punkte, «God of War» auf 94. Die Jury entschied sich trotzdem für das Action-Adventure aus dem Santa Monica Studio von Sony, das auch die Preise für die beste Regie und das beste Action-Adventure gewann. Hohe Wertungen allein garantieren den Hauptpreis nicht.

Bei «GTA VI» sind die Erwartungen aussergewöhnlich hoch. Rockstar verschob das Spiel zweimal, zuletzt am 06.11.2025 vom 26.05.2026 auf den 19.11.2026; die Aktie von Take-Two fiel danach um 6 Prozent. «Sie [Take-Two] brauchen ein grossartiges Spiel; mehr Zeit macht das wahrscheinlicher», sagte Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities, der Nachrichtenagentur Reuters. Joost van Dreunen, Professor an der Stern School of Business der New York University, verwies auf den Kalender: «Eine Veröffentlichung näher an der Festtagssaison eröffnet mehr Möglichkeiten für Bundles mit den Konsolen der auslaufenden Generation.»
Seither hält der Konzern am Termin fest. Konzernchef Strauss Zelnick betonte im August 2026 «unser hohes Mass an Zuversicht bezüglich der Veröffentlichung von Grand Theft Auto 6 am 19.11.». Take-Two rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit Nettobuchungen von 8,0 bis 8,2 Milliarden Dollar. Für die Jury bedeutet das: Kaum ein Spiel des Jahrgangs kommt mit grösserer Erwartung und mit weniger Vorlauf.
Glasgow: Ein Arbeitsprozess im Schatten des Verkaufsstarts
Während die Jury über «GTA VI» befindet, verhandelt in Schottland ein Arbeitsgericht Klagen gegen Rockstar. Im Oktober 2025 entliess das Studio 34 Beschäftigte: 31 Mitglieder der Gewerkschaft IWGB in Grossbritannien und drei Personen in Kanada. Rockstar begründet die Entlassungen mit schwerem Fehlverhalten: Die Betroffenen hätten in einem privaten Discord-Kanal vertrauliche Firmeninformationen geteilt. Die Gewerkschaft spricht von Gewerkschaftsbekämpfung. Seit dem 10.09.2026 verhandelt das Arbeitsgericht im Glasgow Tribunal Centre unter Richterin Lucy Wiseman die Klagen von 23 früheren Beschäftigten.
Ursprünglich sollte die Verhandlung am 16.10.2026 enden. Auf Antrag der Anwälte von Rockstar kamen laut dem Portal GamingBolt, das sich auf Eurogamer beruft, zwei Verhandlungstage für weitere Kreuzverhöre hinzu, am 17.11.2026 und am 18.11.2026. Die Schlussvorträge erwartet die britische Nachrichtenagentur PA im November; entschieden hat das Gericht noch nicht, ein Urteilsdatum ist nicht bekannt. Nach dem Stand vom 30.10.2026 enden die angesetzten Verhandlungstage damit einen Tag vor dem Verkaufsstart von «GTA VI» und kurz nach der voraussichtlichen Bekanntgabe der Nominierten.
Die Positionen sind unversöhnlich. «Fast ein Jahr lang wurde die Wahrheit über das, was uns widerfahren ist, von Rockstar begraben und von Spekulationen umgeben», sagte Jason Lewis, einer der Entlassenen, zum Prozessauftakt. IWGB-Präsident Alex Marshall erklärte: «Dieser Kampf betrifft mehr als ein Studio, einen Arbeitsplatz oder eine Branche.» Ein Sprecher von Rockstar hielt dagegen: «Wir weisen die Vorwürfe zurück und werden uns vor dem Gericht entschieden dagegen verteidigen.»

Mit den Game Awards hat das Verfahren formal nichts zu tun. Es berührt aber eine Frage, die über jeder Preisverleihung schwebt: ob neben dem Werk auch die Bedingungen zählen, unter denen es entsteht. Rockstar sitzt im Beirat der Show. Schon an der Gala 2025 protestierten laut Wikipedia Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft United Videogame Workers vor dem Peacock Theater gegen Entlassungen in der Branche; die IWGB demonstrierte im November 2025 vor Rockstar North in Edinburgh und vor den Büros von Take-Two in London. Angekündigte Proteste zur Gala 2026 fanden sich bis zum 30.10.2026 nicht.
Das Feld 2026: Viele gute Spiele, kein Überflieger
Gemessen an den Kritiken fehlt dem Jahrgang 2026 ein Überflieger. «Indem GTA 6 knapp vor dem Stichtag hineinschlüpft, tritt es zudem in eines der schwächeren Felder für das Spiel des Jahres der letzten Jahre», schrieb Kotaku-Autor Ethan Gach. Anders als in manchen Vorjahren mit «Breath of the Wild», «Elden Ring» oder «Baldur’s Gate 3» gebe es keinen klaren Favoriten, auch wenn etwa «Resident Evil Requiem» glänzende Kritiken erhalten habe.
Auf dem Bewertungsportal OpenCritic, das Kritiken aus Fachmedien bündelt, führte am 30.10.2026 «Mythmatch», ein PC-Spiel vom März, mit 93 Punkten vor «Trails in the Sky 2nd Chapter» mit 92; kleine Titel können dort mit wenigen Kritiken weit oben stehen. Mit je 91 Punkten folgen «Mina the Hollower» von Yacht Club Games und «Forza Horizon 6» von Playground Games, dazu «The Witcher 3: Wild Hunt Remastered» und «Dave the Diver: In the Jungle», eine Neuauflage und nach Einordnung der Redaktion eine Erweiterung. Unter den 20 bestbewerteten Titeln sind mindestens fünf Remaster, Ports, Erweiterungen oder Vollversionen älterer Spiele. Sie sind wählbar; den Hauptpreis hat ein solcher Titel an den Game Awards aber noch nie gewonnen.
Metacritic führte in seiner Halbjahresbilanz vom Juli «Forza Horizon 6» und «Mina the Hollower» mit je 90 Punkten an, vor «Schrödinger’s Call», «Pokémon Pokopia» und «Resident Evil Requiem» mit je 89. Seither kamen grosse Titel hinzu. «Phantom Blade Zero» des Studios S-Game erschien am 29.10.2026 und stand am Folgetag auf OpenCritic bei 89 Punkten aus 55 Kritiken. Noch ohne Wertung sind «GTA VI» und das «Ocarina»-Remake.
Einen ersten Fingerzeig geben die Golden Joystick Awards, die am 11.11.2026 in London vergeben werden. Für ihren Hauptpreis sind zwölf Titel nominiert: «007 First Light», «Big Walk», «Control Resonant», «Crimson Desert», «Dispatch», «Forza Horizon 6», «Phantom Blade Zero», «Pokémon Pokopia», «Pragmata», «Resident Evil Requiem», «Star Wars: Galactic Racer» und «The Blood of Dawnwalker». «GTA VI» fehlt, weil es laut dem Portal KeenGamer ausserhalb des Wertungsfensters erscheint. Auch das «Ocarina»-Remake und hoch bewertete Titel wie «Mina the Hollower» stehen nicht auf der Liste.
An den Prognosemärkten gilt «GTA VI» dennoch als Favorit, obwohl noch keine einzige Kritik vorliegt. Auf der Plattform Kalshi kostete eine Wette auf seinen Sieg, die im Erfolgsfall einen Dollar auszahlt, Mitte August laut dem Portal OddsShopper 64 bis 65 Cent; Ende September nannte das Portal Covers 71 Cent. «Resident Evil Requiem» lag damals bei 16 Cent, «Phantom Blade Zero» bei 6 Cent. Solche Märkte bilden Wetten ab, keine Jury-Meinung. Kotaku kommentierte Mitte Oktober trocken: «Die Leute, die ihr Geld an Prognosemärkten verschwenden, geben GTA 6 derzeit eine Gewinnchance von 68 Prozent.»
Zwölf Sieger seit 2014: Was ein Spiel des Jahres auszeichnet
Ein Blick auf die bisherigen Sieger zeigt, wie die Jury urteilt. Alle zwölf Spiele des Jahres von 2014 bis 2025 erreichten auf Metacritic mindestens 88 Punkte, die Spitze bildet «The Legend of Zelda: Breath of the Wild» mit 97. Sony Interactive Entertainment ist mit drei Siegen der erfolgreichste Verlag, FromSoftware als einziges Studio zweimal Sieger.
| Jahr | Spiel | Studio (Verlag) | Metascore | Preise |
|---|---|---|---|---|
| 2014 | «Dragon Age: Inquisition» | BioWare (Electronic Arts) | 89 | 2 |
| 2015 | «The Witcher 3: Wild Hunt» | CD Projekt Red | 93 | 2, dazu Studio des Jahres |
| 2016 | «Overwatch» | Blizzard Entertainment | 91 | 4 |
| 2017 | «The Legend of Zelda: Breath of the Wild» | Nintendo | 97 | 3 |
| 2018 | «God of War» | Santa Monica Studio (Sony) | 94 | 3 |
| 2019 | «Sekiro: Shadows Die Twice» | FromSoftware (Activision) | 90 | 2 |
| 2020 | «The Last of Us Part II» | Naughty Dog (Sony) | 93 | 7 |
| 2021 | «It Takes Two» | Hazelight (Electronic Arts) | 88 | 3 |
| 2022 | «Elden Ring» | FromSoftware (Bandai Namco) | 96 | 4 |
| 2023 | «Baldur’s Gate 3» | Larian Studios | 96 | 6, einschliesslich Players‘ Voice |
| 2024 | «Astro Bot» | Team Asobi (Sony) | 94 | 4 |
| 2025 | «Clair Obscur: Expedition 33» | Sandfall Interactive (Kepler Interactive) | 92 | 9 (Rekord) |
Wer die meisten Preise gewinnt, gewinnt nicht zwingend den Hauptpreis. 2018 holte «Red Dead Redemption 2» vier Preise, «God of War» drei; 2019 gewann «Disco Elysium» vier, das Spiel des Jahres «Sekiro» zwei; 2022 erhielt «God of War Ragnarök» sechs, «Elden Ring» vier. Umgekehrt stellte «Clair Obscur: Expedition 33» 2025 mit neun Preisen einen Rekord auf. Den alten hielt seit 2020 «The Last of Us Part II» mit sieben.

Der Sieg des Rollenspiels von Sandfall Interactive markierte eine Zäsur. Laut Wikipedia war es das erste Debüt und das erste in Frankreich entwickelte Spiel des Jahres; unter den sechs Nominierten war die Hälfte unabhängig produziert. James Perkins Mastromarino, Autor beim amerikanischen Radionetz NPR, schrieb: «So vorhersehbar der Abend wurde, so wenig war es das Spiel, das er ehrte.» Jennifer English, ausgezeichnet für die beste Darstellung, sagte in ihrer Dankesrede: «An alle, die das Gefühl haben, ihr Leben stecke im schweren Modus fest: Das ist für euch.»
Wenige Tage später zeigte sich, dass Ehrungen nicht ewig halten. Die von den Game Awards unabhängigen Indie Game Awards, die das Spiel am 18.12.2025 ebenfalls ausgezeichnet hatten, erkannten ihm zwei Preise wieder ab, weil Sandfall bei der Entwicklung generative künstliche Intelligenz eingesetzt hatte; es ging um Platzhalter-Texturen, die kurz nach dem Start per Patch entfernt worden waren. «Wir vertreten eine harte Linie gegen generative KI in Videospielen», erklärte Mike Towndrow vom Nominierungskomitee. Die Game Awards selbst haben, soweit bekannt, keinen Preis aberkannt.





Vom Spartensender zum Weltereignis
Die Game Awards sind untrennbar mit einem Namen verbunden. Geoff Keighley produzierte schon die Spike Video Game Awards, die der Kabelsender Spike TV von 2003 bis 2013 veranstaltete. Nachdem Spike die Show nicht fortführte, kündigte Keighley am 10.11.2014 die Game Awards an, unterstützt von Sony, Microsoft, Nintendo und Valve; die erste Gala fand am 05.12.2014 im AXIS-Theater in Las Vegas statt. Laut einem Bericht der «New York Times», den Wikipedia zitiert, steckte er rund eine Million Dollar eigenes Geld in das Projekt. Seit 2015 findet die Gala in Los Angeles statt, in dem Saal, der seit 2023 Peacock Theater heisst; 2020 wurde sie wegen der Pandemie virtuell produziert.
Die Mischung aus Preisen und Premieren war von Anfang an Programm. Die Mitteilung zur Gründung versprach laut Kotaku «Preise, Weltpremieren, Musikauftritte und Auftritte von Spieleentwicklern». Dem Beirat gehörte schon 2014 Rockstar Games an. Keighley produziert neben den Game Awards auch das Summer Game Fest im Juni und die Opening Night Live der Gamescom.
Der Aufstieg lässt sich in Livestreams messen, auch wenn die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind. Nach Angaben des Veranstalters stieg ihre Zahl von 1,9 Millionen im Jahr 2014 auf 171 Millionen im Jahr 2025, ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gezählt werden «schätzungsweise 171 Millionen weltweite Livestreams der vollständigen Sendung» auf Plattformen von Youtube über Twitch und Tiktok bis zu chinesischen Diensten, nicht einzelne Zuschauer; Prime Video, 2025 erstmals dabei, ist nicht eingerechnet. Gleichzeitig verfolgten die Show laut dem Analysedienst StreamCharts in der Spitze 4,4 Millionen Menschen auf Twitch, Youtube und anderen westlichen Plattformen.
Die Zahl lädt zum Vergleich mit den Oscars ein, deren Namen die Show gern für sich beansprucht. Auf ihrer Website zitiert sie eine Schlagzeile der «Washington Post», wonach Keighley «die Oscars des Gamings» geschaffen habe, sowie eine des «Hollywood Reporter», die die Gala zum «Super Bowl der Videospielbranche» erklärt. Der Vergleich hinkt. Die 98. Oscar-Verleihung am 15.03.2026 verfolgten laut den Messungen von Nielsen in den USA 17,86 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer bei ABC und Hulu, die Grammys am 01.02.2026 14,41 Millionen bei CBS und Paramount+.
Nielsen misst durchschnittliche Zuschauer in einem Land, die Game Awards zählen geschätzte Streams weltweit, Co-Streams von Influencern eingeschlossen. Methodisch näher käme der Spitzenwert gleichzeitiger Zuschauer; er liegt mit 4,4 Millionen deutlich tiefer. Symbolisch rücken die Welten dennoch zusammen: Im Peacock Theater werden laut Wikipedia seit 2008 die Primetime Emmys vergeben. Ab 2029 sollen nach einem dort zitierten Bericht von «Vanity Fair» auch die Oscars in den Saal umziehen.
Preisverleihung oder Werbeshow
Ein Vorwurf begleitet die Game Awards seit Jahren: Die Preise seien Beiwerk einer Werbesendung. Nach der Auszählung eines Nutzers des Forums ResetEra, die das Portal DualShockers verbreitete, dauerte die Gala 2025 rund drei Stunden und 35 Minuten; «nur 17 Minuten» seien den eigentlichen Preisübergaben gewidmet gewesen, rund 8 Prozent. Der Rest des Abends gehörte Moderation, Musik, Trailern und Weltpremieren. Die offizielle Rückschau fasst ihn selbst so zusammen: «Expedition 33 gewinnt Spiel des Jahres, dazu Enthüllungen von Star Wars, Larian, Tomb Raider und ein Auftritt von Evanescence.»
Sendezeit hat ihren Preis. Ein 60-Sekunden-Trailer an der Gala 2025 könne «bis zu 450’000 Dollar kosten», ein dreiminütiger «über eine Million Dollar», berichtete Kotaku-Reporterin Alyssa Mercante im Dezember 2025 unter Berufung auf zwei anonyme Quellen; zwei Personen aus Verlagen hielten die Grössenordnung für üblich. Keighley vergebe zudem kuratierte Gratisplätze für Spiele, die er persönlich fördern wolle. Für die Nominierten ist der Rahmen bescheidener: Sie erhielten laut Kotaku nur zwei Tickets, das Studio hinter «Clair Obscur» habe weitere zum Nennwert von rund 300 Dollar gekauft. Der Veranstalter beantwortete die Anfragen von Kotaku nicht.
Die Kritik ist alt. «Grösste Videospiel-Preisverleihung: viel Werbung, wenig Preise», titelte Jason Schreier 2023 bei Bloomberg; der «Guardian» sprach 2022 von «drei geduldsprobenden Stunden Videospiel-Publireportagen». 2023 wurde den Entwicklern von «Baldur’s Gate 3», während sie ihren Preis einem verstorbenen Kollegen widmeten, die Aufforderung «Please wrap it up» eingeblendet, sinngemäss: Bitte zum Schluss kommen. 2024 spotteten die Muppets Statler und Waldorf in der Show selbst, das sei gewesen «wie Spielwerbung mit Unterbrechungen für Preise!».
Keighley kennt die Vorwürfe. «Manche im Netz glauben, wir bekämen das nicht mit», sagte er im Dezember 2025 Christopher Dring vom Branchendienst The Game Business, an dem Keighley selbst beteiligt ist. «Und es ist ein Balanceakt.» Seine Sicht sei immer, «dass die Ankündigungen ein sehr breites Publikum vor die Show holen». Und: «Viele Spiele werden durch The Game Awards verkauft. Balatro hat einen enormen Schub bekommen.» Diese Balance sei aber schwer zu finden, räumte er ein, «wir treffen sie nicht immer». Nach der Kritik von 2023 hatte er auf X geschrieben, er stimme zu, «dass die Musik für die Preisträger dieses Jahr zu schnell eingespielt wurde». Selbst wohlwollende Stimmen sehen die Doppelrolle: Claire Lewis, Kritikerin bei Polygon, schrieb laut Wikipedia über die Gala 2025: «Ja, es war ein dreieinhalbstündiger Werbespot. Aber es war ein guter dreieinhalbstündiger Werbespot.»
Was ein Sieg an der Kasse bewirkt
Was ein Preis wert ist, lässt sich inzwischen zumindest abschätzen. Keighleys Argument hält der Prüfung dabei zum Teil stand. Nach dem Sieg von «Clair Obscur» verkaufte das Spiel laut Schätzungen des Marktforschers Alinea Analytics unmittelbar über 200’000 zusätzliche Exemplare, gut drei Viertel davon über die PC-Plattform Steam. Laut Mat Piscatella vom Marktforscher Circana hat sich der Anteil der aktiven Spieler in den USA, die das Spiel nutzten, zwischen dem 10.12.2025 und dem 13.12.2025 mehr als verdreifacht.
Schon eine Nominierung kann wirken. In Europa stiegen die Verkäufe von «Astro Bot» in der Woche nach Bekanntgabe der Nominierten 2024 um 61 Prozent, jene von «Final Fantasy VII Rebirth» um 268 Prozent, wie Christopher Dring anhand von GSD-Daten zeigte. «Insgesamt reden wir nicht von riesigen Verkaufszahlen, aber von einem klaren Anstieg», schränkte er ein. Auch Ankündigungen strahlen aus: Nach der Enthüllung eines neuen «Divinity»-Spiels von Larian an der Gala 2025 erreichte das ältere «Divinity: Original Sin 2» auf Steam einen 24-Stunden-Spitzenwert von 10’898 gleichzeitigen Spielern.
Für ein Spiel von der Grösse von «GTA VI» ist ein Preis kommerziell zweitrangig. Für Debüts wie «Clair Obscur» oder kleine Studios dagegen kann eine Nominierung über Sichtbarkeit und Absatz mitentscheiden. Das erklärt, weshalb die Branche die Gala trotz aller Kritik ernst nimmt und weshalb die Frage, wer nominiert wird, mehr ist als eine Prestigefrage.
Die Schweiz: Eine Stimme unter 160
Aus der Schweiz stimmt 2026 genau ein Medium mit ab: das Portal Games.ch. Bei 160 Jury-Medien entspricht das rund 0,6 Prozent der Jurystimmen. Zum Vergleich: Frankreich ist mit neun Medien vertreten, Deutschland und Italien mit je fünf; aus Kanada kommen mit «Le Devoir» und Le Bêta-Testeur zwei weitere französischsprachige Stimmen dazu. Ob Games.ch einen Code für «GTA VI» erhalten hat, ist nicht bekannt.
Unter den Nominierten für das Spiel des Jahres seit 2014 und in den vollständigen Siegerlisten von 2014, 2018 und 2025 findet sich kein Schweizer Studio; die übrigen Kategorien liessen sich nicht vollständig prüfen. Geprüft wurden unter anderem Okomotive («FAR: Lone Sails», «FAR: Changing Tides», «Herdling»), Giants Software («Landwirtschafts-Simulator»), Blindflug Studios und Stray Fawn Studio. International beachtet wird die Szene dennoch. Am Deutschen Entwicklerpreis 2025 stammten neun Nominierungen und damit knapp ein Viertel aus der Schweiz; «Dungeon Clawler» von Stray Fawn aus Zürich gewann den Preis für das beste Casual Game und einen Innovationspreis. «Zwar sind die Studios und die Budgets noch immer klein, doch kreative Ideen finden immer wieder internationale Beachtung», bilanzierte SRF.
Die Branche ist klein, aber gewachsen. Eine Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Swiss Game Developers Association (SGDA) zählte 2019 rund 130 Game-Firmen mit 592 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von 150 Millionen Franken im Jahr 2018; die Zahl der Studios hatte sich seit 2010 etwa verfünffacht. Neuere Gesamtzahlen wurden für diesen Bericht nicht gefunden. Die SGDA vergibt seit 2013 die Swiss Game Awards; 2025 gewann «Herdling» von Okomotive den Preis für das beste Unterhaltungsspiel, «Danger in Pompeii» von DNA Studios jenen für das beste Serious Game. Für 2026 sind die Anmeldungen geschlossen, ein Datum der Verleihung nennt der Verband noch nicht. Politisch ist das Thema seit 2015 auf der Agenda, als die SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr einen Bericht des Bundesrats zur Förderung der Branche verlangte.
Wer die Gala live sehen will, braucht in der Schweiz Durchhaltevermögen. Das Vorprogramm beginnt in der Nacht auf Freitag, 11.12.2026, um 1.30 Uhr, die Hauptshow dürfte wie 2025 eine halbe Stunde später folgen; zuletzt dauerte sie rund dreieinhalb Stunden. Gestreamt wird kostenlos, unter anderem auf Youtube und Twitch, 2025 zusätzlich auf Prime Video. Ob SRF, RTS oder RSI die Gala übertragen, war bis zum 30.10.2026 nicht bekannt. Die Fan-Abstimmung, die zu 10 Prozent in die Wertung eingeht, endet in der Schweiz am Donnerstag, 10.12.2026, um 3 Uhr. Tickets für das Peacock Theater verkauft der Anbieter AXS seit dem 29.10.2026 in begrenzter Zahl; Preise nennt der Veranstalter nicht. 2025 reichten sie laut Kotaku von 58.92 Dollar bis über 1000 Dollar im Wiederverkauf.
Arena: Kann eine Jury GTA VI so kurz nach dem Erscheinen fair beurteilen?
Ja: Die Regeln und die Erfahrung sprechen dafür
- Die Regeln sehen es ausdrücklich vor: Wählbar ist, was bis zum 20.11.2026 um 21 Uhr Ortszeit erscheint; Vorabzugang ist erlaubt, «um unsere Abstimmungsfristen einzuhalten» (The Game Awards).
- Es gibt Präzedenzfälle: «Dragon Age: Inquisition» gewann 2014 nur 17 Tage nach dem Erscheinen; «God of War Ragnarök» holte 2022 nach 29 Tagen sechs Preise, mehr als jedes andere Spiel des Abends (GameRevolution, Game Developer).
- Tests vor dem Verkaufsstart sind Routine: Die Kritiken zu «Phantom Blade Zero» erschienen drei Tage vor dem Start am 29.10.2026; am Tag danach zählte OpenCritic bereits 55 (Vice, OpenCritic).
- Die Breite der Jury mindert den Zufall: 160 Medien aus rund 40 Ländern und Regionen stimmen ab, einzelne Lücken fallen weniger ins Gewicht; zudem zählt bei der Siegerwahl das Publikum zu 10 Prozent (The Game Awards).
- Mehr Vorlauf, als es scheint: Sollten Codes, wie berichtet, Ende Oktober verschickt worden sein, hätten Jury-Medien gut drei Wochen vor dem mutmasslichen Testembargo spielen können; bestätigt ist das nicht (Notebookcheck).
Nein: Eine Gruppenmeinung braucht Zeit
- Nominiert wird voraussichtlich vor dem Verkaufsstart: Angekündigt ist «Mitte November», 2024 und 2025 kamen die Nominierten vier Tage vor dem Stichtag; ob Rockstar Codes verschickt hat, ist unbestätigt (The Game Awards, Aftermath).
- Vorabcodes sind «traditionell begrenzt»; es werde schwer zu sagen sein, ob die Nominierungen von GTA VI «die tatsächliche Gesamtmeinung eines Mediums wiedergeben» (Aftermath).
- Jury-Medien zweifeln selbst: «Um nominiert zu werden, muss die Jury das Spiel gespielt haben» (Journal du Geek); «GTA 6 käme also zu spät, um von der Jury berücksichtigt zu werden» (Gameblog, 01.10.2026, gestützt auf den Zeitplan von 2025).
- Der Umfang verlangt Zeit: Laut Kotaku preist Rockstar «GTA VI» als langes Spiel mit riesiger Karte an, die zu mehreren Durchgängen anregt; die Sieger 2014 bis 2025 waren bei der Gala im Mittel rund ein halbes Jahr auf dem Markt (Kotaku, Berechnung Expertistan).
- Die Erwartung eilt dem Urteil voraus: Zweimal als meisterwartetes Spiel ausgezeichnet, an Prognosemärkten mit 64 bis 71 Prozent favorisiert, bevor eine einzige Kritik vorlag (The Game Awards, OddsShopper, Covers).
Kommentar: Der Stichtag ist das Problem, nicht GTA VI
Es wäre bequem, den Streit um «GTA VI» als Luxusproblem abzutun. Ein Spiel, auf das Millionen seit Jahren warten, erscheint knapp vor einer Frist; die Jury wird schon einen Weg finden. Doch der Fall legt offen, was an den Game Awards schief ist. Eine Gala, die sich als Oscars der Games feiern lässt, gab ihre Nominierten zuletzt bekannt, bevor die Frist für die Teilnahme abgelaufen war.
Damit hängt die Chance eines Spiels nicht nur an seiner Qualität, sondern an der Bereitschaft seines Verlags zur Herausgabe von Codes und an der Arbeitsweise der Redaktionen, die sie erhalten. Wer früh liefert, wird gespielt; wer sein Werk bis zuletzt unter Verschluss hält, wird auf Vertrauen nominiert oder gar nicht. Beides schadet der Glaubwürdigkeit. Nominiert die Jury «GTA VI» ohne breite Spielerfahrung, sieht das nach Hype aus. Übergeht sie es, sieht es nach Trotz aus. Und weil Rockstar im Beirat sitzt, wird jede Entscheidung misstrauisch beäugt, auch wenn die Regeln jede Mitwirkung des Beirats ausschliessen.
Die Gegenposition verdient Respekt. Ein später Stichtag hält die grossen Titel des Herbstes im Rennen. «Dragon Age: Inquisition» hat 2014 zudem gezeigt, dass eine Jury in gut zwei Wochen zu einem vertretbaren Urteil kommen kann. Kritikerinnen und Kritiker testen grosse Spiele unter Zeitdruck, das ist ihr Beruf. Wer das Spiel des Jahres 2026 ohne «GTA VI» kürt, riskiert zudem, das wohl meistbeachtete Werk des Jahrgangs nie zu würdigen: Im Folgejahr wäre es nur noch mit neuen Inhalten wählbar.
Die Lösung liegt deshalb nicht darin, einzelne Spiele zu bevorzugen oder auszuschliessen, sondern im Kalender. Die Game Awards sollten erst nominieren, wenn der Stichtag verstrichen ist, oder den Stichtag so früh legen, dass dazwischen Zeit zum Spielen bleibt. Die Golden Joysticks schliessen ihr Wertungsfenster vor der Gala, die britische Filmakademie BAFTA vergibt ihre Spielepreise erst im April. Beide Wege haben einen Preis: Späte Titel rutschen ins nächste Jahr, die Show verliert an Aktualität. Doch ein Preis, bei dem die Jury weiss, worüber sie abstimmt, ist mehr wert als einer, der pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kommt.
Für 2026 ist es dafür zu spät. Umso mehr Transparenz schulden die Game Awards ihrem Publikum: das Datum der Nominierungen, die Fristen der Jury und die Zahl der Medien, die «GTA VI» vor ihrer Stimmabgabe tatsächlich spielen konnten. Ob das Spiel am 10.12.2026 gewinnt, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass man dem Urteil glauben kann.
Stand 30.10.2026. Für «Grand Theft Auto VI» und das Remake von «The Legend of Zelda: Ocarina of Time» lagen noch keine Testberichte vor. Das Datum der Nominierungen war offiziell nicht bekannt; Angaben zu Testmustern und zum Embargo für «GTA VI» beruhen auf unbestätigten Berichten. Die Startzeit der Hauptshow ist aus dem Ablauf von 2025 abgeleitet. Die Livestream-Zahlen sind Schätzungen des Veranstalters und nicht mit Fernsehquoten vergleichbar. Einzelne Originalquellen (Bloomberg, «Guardian», «New York Times», «Vanity Fair», Polygon) waren nicht direkt zugänglich; die Angaben dazu stammen aus Wikipedia. Die Erscheinungsdaten von «Overwatch», «God of War», «It Takes Two», «Elden Ring» und «Baldur’s Gate 3» in der Grafik zur Vorlaufzeit liessen sich bis zum 30.10.2026 nicht an einer Primärquelle prüfen; sie stammen aus dem Vorwissen der Redaktion (jenes von «Elden Ring» aus Wikipedia) und sind in der Grafik hell markiert. Zitate aus englischsprachigen Quellen hat die Redaktion übersetzt. Gleiches gilt für die Zitate aus französischsprachigen Quellen. Expertistan führt den Artikel nach, sobald die Nominierungen und die ersten Testberichte vorliegen.
Mehr zum Thema: Zelda ist 40: Nintendo baut das bestbewertete Videospiel neu · Grand Theft Auto VI: Dreizehn Jahre Warten und ein Fieber, das die Welt erfasst · Modern Warfare 4: Call of Duty zieht nach Korea und kämpft um seine Krone
Quellen
- The Game Awards: FAQ & Rules (abgerufen 30.10.2026)
- The Game Awards: Startseite mit Ankündigung «2026 Nominees coming mid-November» (abgerufen 30.10.2026)
- The Game Awards: Voting Jury (abgerufen 30.10.2026)
- The Game Awards: About, Beirat und Leitbild (abgerufen 30.10.2026)
- The Game Awards: TGA Returns December 10, 2026 (10.08.2026)
- The Game Awards: Public Tickets on Sale October 29 (08.10.2026)
- The Game Awards: The Game Awards 2025 Breaks Record: 171 Million Livestreams (18.12.2025)
- VGC: The Game Awards claims record-breaking viewership for 11th year (18.12.2025)
- The Game Awards: Rewind 2025 (abgerufen 30.10.2026)
- The Game Awards: Rewind 2024 (abgerufen 30.10.2026)
- The Game Awards: God of War wins Game of the Year (06.12.2018)
- Kotaku: GTA 6 Avoids A Very Awkward Situation By Officially Being Eligible For The 2026 Game Awards (15.10.2026)
- Aftermath: There’s No Conspiracy For GTA VI To Be In The Game Awards (16.10.2026)
- Journal du Geek: GTA 6 ne sera probablement pas le jeu de l’année (02.10.2026)
- Gameblog: GTA 6 n’aura certainement aucune chance d’être le GOTY 2026 malgré les attentes (01.10.2026)
- Notebookcheck: GTA 6 review codes are out in the wild giving outlets just over three weeks (26.10.2026)
- GamesBeat: Take-Two reports $1.39B in bookings, down 2.7% for June quarter (August 2026)
- Reuters via The Star: ‚GTA VI‘ delay to November 2026 allows Take-Two potentially bigger launch, analysts say (07.11.2025)
- Game Developer: ‚Justice at last feels within reach:‘ Fired Rockstar workers rally in Glasgow as union busting tribunal begins (10.09.2026)
- PA Media via Irish News: Rockstar Games president Houser did not ’scream‘ at anyone, tribunal told (16.10.2026)
- GamingBolt: Rockstar Games‘ Union-Busting Tribunal Hearing Will End One Day Before GTA 6’s Release (14.10.2026)
- Aftermath: Following Firings And Grand Theft Auto VI Delay, Union Plans To Keep Pressure On Rockstar (10.11.2025)
- Attack of the Fanboy: Dragon Age: Inquisition delayed to November (22.07.2014)
- GameRevolution: Dragon Age, Nintendo Win Big at The Game Awards 2014 (06.12.2014)
- Game Developer: Elden Ring and God of War Ragnarök dominate The Game Awards 2022 (09.12.2022)
- Prima Games: God of War: Ragnarok’s Metacritic Score is Out: Where Does the Game Rank in the Series? (03.11.2022)
- VGC: It Takes Two wins the top prize at The Game Awards 2021 (10.12.2021)
- VGC: The Game Awards 2023 full winners list: Baldur’s Gate 3 dominates (08.12.2023)
- Infinite Lives: Explainer: Does release timing really affect The Game Awards? (12.11.2025)
- Gematsu: VGX successor The Game Awards announced (10.11.2014)
- Kotaku: There’s A Big New Game Award Show Happening This December (10.11.2014)
- VGC: The Game Awards 2025: Complete list of winners as Clair Obscur wins Game of the Year and sets a new record for awards won (12.12.2025)
- NPR via WUSF: Clair Obscur: Expedition 33 sweeps The Game Awards: analysis and full winners list (12.12.2025)
- NPR: The 2024 Game Awards recap: All winners and most surprising reveals (13.12.2024)
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- Pure Xbox: Metacritic Unveils Its Top 20 Games For The First Half Of 2026 (13.07.2026)
- Vice: Phantom Blade Zero Review Roundup (26.10.2026)
- Windows Central: Golden Joystick’s „Ultimate Game of the Year“ nominees are revealed, and votes for the winner are open until October 30 (26.10.2026)
- KeenGamer: Golden Joystick Awards 2026 Opens Ultimate Game of the Year Voting With 12 Nominees (28.10.2026)
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- VGC: ‚Lots of games get sold out of The Game Awards‘: There has to be a balance between reveals and awards, Keighley says (09.12.2025)
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- Swiss Game Developers Association: Startseite, Swiss Game Awards 2026 (abgerufen 30.10.2026)



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