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Analyse

Paramount und Warner unter einem Dach: Was die Hollywood-Fusion für Film- und Serienfans bedeutet

Paramount hat Warner Bros. übernommen, Netflix hat den Bieterkampf verloren: Was die Hollywood-Fusion für Kino, Streaming-Abos und Nachrichten bedeutet, auch in der Schweiz.

Der Wasserturm auf dem Studiogelände von Warner Bros. in Burbank, Kalifornien
Der Wasserturm von Warner Bros. in Burbank. Bild: Chris Yarzab, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Am 06.10.2026 hat Paramount Skydance die Übernahme von Warner Bros. Discovery abgeschlossen. Der neue Konzern heisst Skydance und vereint die Filmstudios Paramount und Warner Bros., die Streamingdienste HBO Max und Paramount+, das Fernsehnetz CBS und den Nachrichtensender CNN. Paramount bezahlte 31 Dollar je Aktie in bar, der Transaktionswert liegt bei rund 110 Milliarden Dollar. An der Spitze steht David Ellison, der Sohn des Oracle-Mitgründers Larry Ellison. Inzwischen bietet der Konzern Mitarbeitenden Abfindungen für einen freiwilligen Abgang an.

Netflix hatte sich im Dezember 2025 bereits mit Warner geeinigt, verlor den Bieterkampf im Februar aber gegen das höhere Angebot und baut nun um. Für Zuschauer stellt sich die Frage, was die Hollywood-Fusion für Kinoprogramm, Abo-Preise und Nachrichten bedeutet. Die nüchterne Antwort lautet: Vieles ist versprochen, einiges ist vor Gericht erzwungen, wenig ist entschieden. Das gilt auch für die Schweiz, wo Warner 2023 der grösste Filmverleiher war und HBO Max seit Januar direkt um Abonnenten wirbt.

PunktStandQuelle
Kaufpreis31 Dollar je WBD-Aktie in bar, Transaktionswert rund 110 Milliarden Dollar, Eigenkapitalwert rund 81 Milliarden DollarParamount (SEC, 26.02.2026), Reuters, AP
Abschluss06.10.2026, neuer Konzernname Skydance, Aktie neu an der New York Stock Exchange (Kürzel SKYD)Reuters (06.10.2026)
Schulden und SparzielRund 80 Milliarden Dollar Schulden, 6 Milliarden Dollar Einsparungen innert drei JahrenReuters, Variety Australia
BörseAktie am 14.10.2026 um 23,8 Prozent auf 7.06 Dollar gefallen, Kreditrating unter AnlagequalitätIBTimes UK
Kinozusage30 Kinofilme pro Jahr während zwei Jahren, danach 32 pro Jahr während drei JahrenVergleich mit zwölf Bundesstaaten (AP, 30.09.2026)
Abbruchgebühr2,8 Milliarden Dollar an Netflix, bezahlt von ParamountParamount (SEC), British Cinematographer
NetflixRund 1’000 Stellen weniger, Aktie am 20.10.2026 rund 45 Prozent tiefer als im Oktober 2025What’s on Netflix, NBC News
SchweizHBO Max seit 13.01.2026 ab 9.90 Franken im Monat, Paramount+ ab 7.90 Franken, Netflix-Standardabo 22.90 Frankenmoneyland.ch, PCtipp
Die wichtigsten Zahlen zur Hollywood-Fusion

Der Bieterkampf: Wie Netflix den Zuschlag wieder verlor

Am Anfang stand ein Zuschlag für Netflix. Am 05.12.2025 einigten sich der Streamingkonzern und Warner Bros. Discovery (WBD) auf die Übernahme der Studio- und Streamingsparte zu 27.75 Dollar je Aktie, bei einem Unternehmenswert von 82,7 Milliarden Dollar. Nicht dazugehören sollte Discovery Global, die geplante Abspaltung mit CNN, TNT Sports und Discovery+. Paramount Skydance hatte Warner bereits im Oktober 2025 unaufgefordert 23.50 Dollar je Aktie geboten, überwiegend in bar. In der verbindlichen zweiten Bieterrunde Anfang Dezember 2025 waren es laut einem Bericht des «Wall Street Journal» 26.50 Dollar in bar.

Drei Tage nach dem Netflix-Deal lancierte Paramount ein feindliches Barangebot von 30 Dollar je Aktie für den ganzen Konzern. Der Verwaltungsrat von WBD empfahl, es abzulehnen. Im Februar besserte Paramount nach: Der Konzern bot an, die Abbruchgebühr von 2,8 Milliarden Dollar zu übernehmen, die WBD bei einem Ausstieg Netflix schuldete. Larry Ellison garantierte das Eigenkapital persönlich, zunächst mit 43,3 Milliarden Dollar, im Schlussangebot mit 45,7 Milliarden Dollar.

Säulengrafik zur Hollywood-Fusion: Gebote je Warner-Aktie von 23.50 Dollar im Oktober 2025 bis zum Siegergebot von 31 Dollar im Februar 2026
Der Bieterkampf um Warner Bros. Discovery: gebotener Preis je Aktie in Dollar. Das Netflix-Angebot umfasste nur Studios und Streaming. Quellen: «Wall Street Journal» (via Wikipedia), Netflix, SEC-Filings von Paramount, Arise News.

Am 26.02.2026 erklärte der WBD-Verwaltungsrat das revidierte Paramount-Angebot von 31 Dollar je Aktie zum überlegenen Angebot. Netflix verzichtete noch am selben Tag darauf, mitzubieten. Zum Preis, der nötig wäre, um mit Paramount gleichzuziehen, sei der Deal «finanziell nicht mehr attraktiv», schrieben die Co-Chefs Ted Sarandos und Greg Peters. Die Übernahme sei immer «ein ‹nice to have› zum richtigen Preis gewesen, kein ‹must have› um jeden Preis».

Geführt wurde der Kampf auch politisch. Präsident Donald Trump forderte im Februar auf seiner Plattform Truth Social, Netflix solle die Verwaltungsrätin Susan Rice «sofort» entlassen oder «die Konsequenzen tragen». Er nannte sie «rassistisch» und «Trump Deranged», eine Anspielung auf das Schlagwort von der krankhaften Abneigung gegen Trump.

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Mega-Konzerne in Hollywood: Gut für Film- und Serienfans?
Ja, mehr Geld für grosse Stoffe 0 %Nein, weniger Vielfalt, höhere Preise 100 %
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Am 27.02.2026 unterzeichneten Paramount und WBD den Fusionsvertrag. Paramount bezahlte die 2,8 Milliarden Dollar an Netflix. Wäre die Fusion an den Behörden gescheitert, hätte Paramount WBD 7 Milliarden Dollar geschuldet. Die Aktionäre von WBD genehmigten den Verkauf am 23.04.2026. In einer nicht bindenden Abstimmung lehnten sie zugleich die Abgangsentschädigungen für Konzernchef David Zaslav und weitere Kader ab.

Video: «What Paramount’s Warner Bros. takeover means for streaming, movies and news», Associated Press, 07.10.2026. Kurzer Überblick über die Folgen der Übernahme für Streaming, Kino und Nachrichten.

Richterin, Staaten, Auflagen: Der lange Weg zum Abschluss

Die Regierung in Washington hatte wenig einzuwenden. Am 12.06.2026 schloss die Kartellabteilung des Justizministeriums ihre Untersuchung ohne Auflagen ab. Die Übernahme werde Wettbewerb und Konsumenten voraussichtlich nicht schaden, hiess es zur Begründung. Laut dem «Wall Street Journal» hatten die zuständigen Juristen der Fachebene eher zu einer Klage gegen die Fusion tendiert. Die EU-Kommission genehmigte die Fusion am 22.07.2026 unter Auflagen. Paramount muss seine Beteiligung am Verleih-Gemeinschaftsunternehmen United International Pictures (UIP) innert 13 Monaten nach dem Abschluss an Universal verkaufen. Während zehn Jahren darf der Konzern im Europäischen Wirtschaftsraum keine Vertriebsabkommen mit Universal schliessen. Grossbritannien genehmigte die Übernahme am 06.08.2026 gegen verbindliche Zusagen, unter anderem zur redaktionellen Unabhängigkeit der Nachrichten- und Kindersparten.

Widerstand kam aus den Bundesstaaten. Am 13.07.2026 klagten Kalifornien und elf weitere Staaten unter der Führung des kalifornischen Generalstaatsanwalts Rob Bonta, tags darauf folgte die Drehbuchautoren-Gewerkschaft Writers Guild of America (WGA). Am 20.07.2026 verbot Bundesrichterin Araceli Martínez-Olguín den Abschluss vorläufig. Die Staaten hätten überzeugend dargelegt, dass die Transaktion den Wettbewerb im Markt für breit gestartete Kinofilme erheblich verringern werde, schrieb sie laut der «New York Times». Nach dem Vollzug sei die Fusion «schwer, wenn nicht unmöglich, rückgängig zu machen». Paramount-Sprecherin Melissa Zukerman hielt dagegen: «Diese Fusion ist rechtmässig, wettbewerbsfördernd und wird Konsumenten, Kreativen, Beschäftigten und der Unterhaltungsindustrie nützen.»

Der Prozess wurde für März 2027 angesetzt. Dann kam der Vergleich. Am 21.09.2026 einigte sich Paramount mit den zwölf Staaten und mit der WGA. Bonta betonte, der Vergleich schütze Karrieren und Existenzen in Kalifornien, sei aber keine Unterstützung der Fusion. Am 30.09.2026 genehmigte die Richterin den Vergleich als «fairen, vernünftigen und in gutem Glauben verfolgten Ansatz», um die von den Staaten geltend gemachten Wettbewerbsschäden anzugehen.

Was der Vergleich vorschreibt

Skydance muss während zwei Jahren mindestens 30 Kinofilme pro Jahr herausbringen, danach während drei Jahren 32. Nur die Hälfte muss der Konzern selbst oder als Koproduktion herstellen. Verfehlt er das Ziel, muss er die Filmfirma Miramax verkaufen und pro fehlenden Film 30 Millionen Dollar an Fonds der Gewerkschaften zahlen.
Dazu kommen mindestens 1,5 Milliarden Dollar zusätzliche Filmproduktion in den USA über fünf Jahre, 47,5 Millionen Dollar für die Weiterbildung entlassener Mitarbeitender und ein Gremium aus fünf erfahrenen Journalisten, das die redaktionelle Unabhängigkeit der Nachrichtensparten überwachen soll. Die meisten Pflichten gelten fünf Jahre.
05.12.2025 Netflix einigt sich mit WBD auf die Übernahme von Studios und HBO Max.
08.12.2025 Paramount lanciert ein feindliches Barangebot für den ganzen Konzern.
26.02.2026 Paramount siegt mit 31 Dollar je Aktie, Netflix steigt aus.
12.06.2026 Das US-Justizministerium schliesst seine Prüfung ab.
20.07.2026 Eine Bundesrichterin stoppt den Abschluss vorläufig.
22.07.2026 Die EU-Kommission genehmigt mit Auflagen.
30.09.2026 Das Gericht genehmigt den Vergleich mit zwölf Bundesstaaten.
06.10.2026 Abschluss, der Konzern heisst neu Skydance.
26.10.2026 Skydance bietet Abfindungen für freiwillige Abgänge an.

Wem Skydance gehört

Skydance ist ein Familienkonzern mit finanzstarken Partnern. Laut Bloomberg investierte die Familie Ellison rund 17 Milliarden Dollar in die Übernahme, insgesamt flossen 47 Milliarden Dollar Eigenkapital. Fonds aus Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten sollten nach dem Abschluss laut einem Gesuch an die US-Medienaufsicht FCC vom April 2026 zusammen 38,5 Prozent des Kapitals halten, wie das Branchenblatt «Variety» berichtete. Der Anteil ausländischer Investoren insgesamt sollte bei rund 49,5 Prozent liegen. Stimmrechte und Sitze im Verwaltungsrat haben die Fonds keine. Die stimmberechtigten Aktien liegen bei den Ellisons und der Investmentfirma RedBird Capital.

Den Namen Skydance hatte David Ellison am 02.10.2026 angekündigt. «Wir wollten nie, dass eine neue Unternehmensidentität eine der beiden Marken schmälert, verändert oder überschattet», schrieb er. Der Analyst Ross Benes von Emarketer sah das anders: «Der Name ist vom Ego getrieben. Er erinnert alle daran, dass die ikonischsten Marken Hollywoods Ellison unterstehen.» Für das Tagesgeschäft ist Co-CEO Ynon Kreiz zuständig, bisher Chef des Spielzeugherstellers Mattel.

Das historische Tor der Paramount-Studios an der Melrose Avenue in Hollywood
Das Tor der Paramount-Studios an der Melrose Avenue in Los Angeles. Paramount und Warner Bros. sollen als eigenständige Studios bestehen bleiben. Bild: Coolcaesar, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Konzern startet mit rund 80 Milliarden Dollar Schulden. Innert drei Jahren will er 6 Milliarden Dollar einsparen, nach eigenen Angaben zu einem grossen Teil ausserhalb der Personalkosten, etwa bei der Streaming-Technik. Ohne Stellenabbau geht es dennoch nicht: Die Einsparungen sollen laut «Variety» auch über Entlassungen erreicht werden, laut Reuters dürften die Kürzungen Arbeitsplätze in ganz Hollywood treffen. Wie viele Stellen wegfallen, ist nicht bekannt. Am 26.10.2026 bot der Konzern berechtigten Mitarbeitenden einmalig Abfindungen für einen freiwilligen Abgang an. Zudem führt Skydance nach Standorten gestaffelt fünf Bürotage pro Woche ein. «Nicht alle werden hier ihre Zukunft sehen und wir respektieren das», schrieben Ellison und Kreiz laut «TheWrap» an die Belegschaft. Am selben Tag informierten auch CNN-Chef Mark Thompson und CBS-News-Chefredaktorin Bari Weiss ihre Redaktionen, wie das Portal Mediaite unter Berufung auf den Branchendienst Status berichtete.

Am 14.10.2026 fiel die Aktie von Skydance um 23,8 Prozent auf 7.06 Dollar; an diesem Tag wurde sie erstmals ohne Anrecht auf Optionsscheine gehandelt. Am Tag des Abschlusses hatte sie noch 9.53 Dollar gekostet. Schon zuvor hatten neue Anleihen des Konzerns an Wert verloren. Die Ratingagenturen S&P und Fitch stufen die Kreditwürdigkeit mit BB ein, also unterhalb der Anlagequalität.

Für Gesprächsstoff sorgt Elon Musk. Laut dem Nachrichtenportal Semafor erwog Paramount im September, Musk als einen von mehreren Investoren an Bord zu holen. Am 21.10.2026 spekulierte der Medienunternehmer John Malone über eine Investition von SpaceX in Skydance von 8 bis 10 Milliarden Dollar. Hinweise auf laufende Verhandlungen gab er laut «TheWrap» nicht. Tags darauf berichteten Semafor und der Wirtschaftssender CNBC unter Berufung auf informierte Personen, Musk habe rund 1 Milliarde Dollar in Skydance investiert, laut Semafor im Rahmen einer breiteren Kapitalaufnahme. Skydance lehnte einen Kommentar ab, von Musk lag keine Stellungnahme vor.

CNN und CBS News im selben Haus

Besonders umstritten ist die Fusion im Journalismus. Mit dem Abschluss gehören CNN und CBS News zum selben Konzern. CNN-Chef Mark Thompson und CBS-News-Chefredaktorin Bari Weiss bleiben im Amt. Weiss war im Oktober 2025 an die Spitze von CBS News gekommen, nachdem Paramount Skydance ihr Medium The Free Press für 150 Millionen Dollar gekauft hatte.

Ihre Amtszeit ist umstritten. Im Juni 2026 wurde der langjährige «60 Minutes»-Korrespondent Scott Pelley entlassen. Er warf Weiss und der CBS-Führung vor, sie hätten ihn gebeten, «Unwahrheiten und Voreingenommenheit in eine politisch heikle Geschichte einzubauen». Ein CBS-Sprecher entgegnete, die Wünsche hätten einzig dazu gedient, den Beitrag «so stark, fair und genau wie möglich» zu machen.

Der Newsroom des Nachrichtensenders CNN in Atlanta
Der Newsroom von CNN in Atlanta, Aufnahme von 2012. Der Sender gehört neu zum selben Konzern wie CBS News. Bild: Charles Atkeison, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Das im Vergleich vorgesehene Gremium für redaktionelle Unabhängigkeit wird vom Verwaltungsrat des Konzerns ernannt und beaufsichtigt. Kritiker zweifeln an seiner Wirksamkeit. Colorado und Washington trugen den Vergleich mit, lehnten diese Bestimmungen aber ab. Connecticuts Generalstaatsanwalt William Tong wollte eine vollständige Abspaltung von CNN und CBS. Ellison versicherte in der «New York Times», die Nachrichtensparten würden sich weiterhin den Fakten verpflichten, «nicht irgendeiner Partei oder Sache». Am Tag des Abschlusses stellte er sich auf eine Frage von CNN-Moderator Anderson Cooper hinter die Klage des Senders gegen den Ausschluss aus dem Pressepool des Weissen Hauses. Er verwies zudem auf die «gute Beziehung» zur Regierung.

Misstrauen weckt die Nähe der Familie Ellison zur Regierung Trump. David Ellison verfolgte Trumps Rede zur Lage der Nation am 24.02.2026 als Gast des republikanischen Senators Lindsey Graham, zwei Tage bevor der WBD-Verwaltungsrat sein Angebot zum überlegenen erklärte. Am 23.04.2026 lud er in Washington zu einem Abendessen, das laut Einladung Trumps Weissem Haus und den Korrespondenten von CBS News im Weissen Haus gewidmet war. Unter den Gästen waren laut der «New York Times» auch Beamte, die die Fusion prüften. Schon im Juli 2025, kurz bevor die Ellisons die Kontrolle übernahmen, hatte die damalige Paramount Global eine Klage Trumps wegen eines «60 Minutes»-Interviews mit 16 Millionen Dollar beigelegt. Im Juli 2026 verklagte ein Paramount-Aktionär in Delaware David und Larry Ellison sowie weitere Verwaltungsräte. Er wirft ihnen vor, dem Präsidenten unzulässige Vorteile verschafft zu haben, um die Genehmigung der Übernahme zu sichern. Paramount weist die Vorwürfe zurück.

Video: Handelsblatt-Podcast mit der Politologin Cathryn Clüver Ashbrook über die Folgen der Übernahme für die amerikanischen Medien, 27.02.2026.

Hollywood ist gespalten

In der Filmbranche ist die Fusion umstritten. Vor der Abstimmung der WBD-Aktionäre im April 2026 unterzeichneten Tausende Schauspielerinnen, Drehbuchautoren und andere Filmschaffende einen offenen Brief gegen die Fusion. Nach dem Vergleich warnte die Koalition Block the Merger, eine Fusion ohne nennenswerte strukturelle Auflagen werde «Arbeitsplätze kosten, die Kreativität dämpfen, den unabhängigen Journalismus schwächen und unsere Rechte aus dem ersten Verfassungszusatz beschädigen». Den Vergleich nannte sie «zahnlos».

Es gibt auch Fürsprecher. Der Regisseur James Cameron hatte laut Medienberichten während des Bieterkampfs gewarnt, ein Kauf von Warner durch Netflix wäre «eine Katastrophe», Paramount sei «die beste Wahl». Paramount versprach schon bei der Vertragsunterzeichnung, Paramount und Warner Bros. als eigenständige Studios zu führen, je rund 15 Filme pro Jahr ins Kino zu bringen und neue Filme volle 45 Tage exklusiv im Kino zu zeigen, bei grossen Titeln länger. Ellison selbst sprach nach der Genehmigung des Vergleichs von einem «transformativen Moment für unsere Branche».

Netflix nach der Niederlage

Netflix kassierte für die geplatzte Übernahme 2,8 Milliarden Dollar, verdient gut und baut trotzdem um. Im dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 12 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar, der Betriebsgewinn um 37 Prozent auf 4,5 Milliarden Dollar. Die Prognose für den Werbeumsatz 2026 senkte Netflix aber von rund 3 auf rund 2,7 Milliarden Dollar. Laut NBC News fiel die Aktie von 124.14 Dollar im Oktober 2025 (bereinigt um den Aktiensplit vom November 2025) auf 68.69 Dollar am 20.10.2026, ein Minus von rund 45 Prozent.

Am 14.10.2026 kündigte Netflix den Abbau von rund 1’000 Stellen an, rund 6 Prozent der Belegschaft. Tags darauf gab der Konzern den Abgang von Chief Content Officer Bela Bajaria bekannt. Ihr Nachfolger wird Peter Rice, früher Chef von Fox Searchlight und von Walt Disney Television. Auch die Filmchefs Dan Lin und Doug Belgrad mussten gehen. «Es braucht keinen grundlegenden Strategiewechsel. Wir brauchen eine bessere Umsetzung in den USA», sagte Sarandos bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Gleichzeitig öffnet sich Netflix dem Kino, das Sarandos 2025 im Bühnengespräch mit dem Chefredaktor des Magazins «Time» noch ein «überholtes Konzept» genannt hatte, «für die meisten Menschen, nicht für alle». Greta Gerwigs «Narnia: The Magician’s Nephew» startet am 12.02.2027 breit in den Kinos und erscheint erst 49 Tage später auf Netflix. Der Chef der Kinokette AMC, Adam Aron, sprach von der «grössten Chance, die unsere Branche je hatte, Netflix als Anbieter von Kinofilmen willkommen zu heissen». Sarandos betonte zugleich: «Zur Erinnerung: Wir sind in erster Linie ein Streaming-Unternehmen. Das ist unser Kern.»

Eine Aussenkulisse auf dem Studiogelände von Warner Bros. in BurbankBesucher im CBS Broadcast Center in New York, dem Sitz von CBS NewsDer Hauptsitz von Netflix in Los Gatos, Kalifornien
Die Schauplätze der Neuordnung: das Studiogelände von Warner Bros. in Burbank, das CBS Broadcast Center in New York und der Hauptsitz von Netflix in Los Gatos. Bilder: Steven Lek (CC BY-SA 4.0), U.S. Department of State (Public Domain), Coolcaesar (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons

YouTube ist der eigentliche Gegner

Ein zentrales Argument der Befürworter ist die Konkurrenz durch YouTube. Laut den Messungen von Nielsen entfielen im Juli 2026 14,2 Prozent der gesamten Fernsehnutzung in den USA auf YouTube. Paramount und Warner Bros. Discovery kamen zusammen auf 11,8 Prozent, Disney auf 8,9 Prozent und Netflix auf 7,8 Prozent. Ein Jahr zuvor hatten Paramount und WBD zusammen noch 13,2 Prozent erreicht. Im August stieg der Anteil von YouTube laut Nielsen auf den Rekordwert von 15,8 Prozent, wie das Fachportal PPC Land berichtete; einen Augustwert für Warner Bros. Discovery nennt es nicht.

YouTube mache sich in den Medien «mit dem goldenen Ring davon», sagte John Malone. Für die Befürworter ist das der Kern der Sache: Wer gegen eine Plattform mit kostenlos hochgeladenen Inhalten antreten will, braucht Grösse, Bibliotheken und Geld für teure Produktionen. Die Gegner halten dagegen, eine Fusion zweier Studios ändere nichts an der Stärke von YouTube, verringere aber die Zahl der Abnehmer für Drehbücher, Filme und Serien.

Balkengrafik zur Hollywood-Fusion: YouTube mit 14,2 Prozent der TV-Nutzung vor Paramount und Warner zusammen mit 11,8 Prozent
Anteil an der gesamten Fernsehnutzung in den USA im Juli 2026. Quelle: Nielsen via Cord Cutters News, Addition der Werte von Paramount und Warner Bros. Discovery: eigene Berechnung.

Was die Hollywood-Fusion für Schweizer Zuschauer bedeutet

In der Schweiz zeigt sich die Neuordnung zuerst bei den Abos. HBO Max ist seit dem 13.01.2026 direkt erhältlich, für 9.90 Franken im Monat mit Werbung, für 16.90 Franken im Standard- und für 23.90 Franken im Premium-Abo. Mit dem Start verloren Sky-Kunden einen Teil der HBO-Inhalte, laufende Staffeln von «House of the Dragon», «The Last of Us», «The White Lotus» und «Euphoria» blieben bei Sky. Paramount+ kostet laut PCtipp ab 7.90 Franken im Monat mit Werbung, 12 Franken im Standard- und 17.90 Franken im Premium-Abo.

Beide Dienste gehören jetzt Skydance. Beim Abschluss bestätigte der Konzern, seine Streamingangebote würden «mit der Zeit zu einem einzigen Dienst» zusammengeführt; zusammen zählen sie nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen Abonnenten. Wann, unter welchem Namen und zu welchem Preis, ist weiterhin offen. Für Zuschauer kann das ein Abo weniger bedeuten, aber auch einen höheren Preis für das neue Paket. «Wie auch bei anderen Anbietern wie Netflix bezahlen Kundinnen und Kunden aus der Schweiz bei HBO-Max deutlich mehr» als im benachbarten Ausland, sagte Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Moneyland zur Lancierung.

Netflix bleibt laut Moneyland der teuerste Streamingdienst der Schweiz. Das Standard-Abo kostet seit Oktober 2025 22.90 Franken im Monat, beim Marktstart 2014 waren es 12.90 Franken, ein Plus von 78 Prozent. 2027 will Netflix auch in der Schweiz ein Abo mit Werbung einführen, wie der Konzern im Mai 2026 angekündigt hat. Eine erste Gruppe von Ländern folgt im März 2027; laut dem Fachportal PPC Land dürfte die Schweiz dazugehören. Die Preispolitik der Branche fasste Moneyland 2024 gegenüber SRF so zusammen: «Zuerst mit günstigen Preisen neue Kundinnen und Kunden gewinnen und dann die Preise massiv erhöhen.»

Dienst und StandGünstigstes AboStandardPremium
Netflix, Marktstart 201411.9012.9017.90
Netflix, ab April 202412.9020.9027.90
Netflix, seit Oktober 202514.9022.9029.90
HBO Max, seit 13.01.20269.90 (mit Werbung)16.9023.90
Paramount+, Stand Januar 20267.90 (mit Werbung)12.0017.90
Streaming-Preise in der Schweiz, in Franken pro Monat. Quellen: moneyland.ch, PCtipp, ecommercegermany.com.

Kino in der Schweiz: Warner war die Nummer eins

Im Kino ist die Schweiz unmittelbar betroffen. Warner war 2023 mit 20,1 Prozent der Eintritte der grösste Filmverleiher des Landes, vor Universal mit 18,8 Prozent und Disney mit 16,2 Prozent. Paramount erscheint in der Statistik nicht separat; seine Filme dürften über das von Universal geführte UIP-System im Anteil von Universal enthalten sein. UIP ist in 19 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums tätig, zu dem die Schweiz nicht gehört; auch das zehnjährige Verbot von Vertriebsabkommen mit Universal gilt nur dort. Ob sich die Neuordnung auf den Schweizer Verleih auswirkt, ist offen.

Balkengrafik: Warner mit 20,1 Prozent der Kinoeintritte 2023 grösster Filmverleiher der Schweiz vor Universal und Disney
Marktanteile der Verleiher an den Kinoeintritten in der Schweiz 2023. Paramount-Filme dürften im Anteil von Universal enthalten sein. Quelle: ProCinema via Unifrance.

Für die Kinos zählt vor allem, wie viele amerikanische Filme kommen. 2025 sanken die Eintritte in der Schweiz laut den provisorischen Zahlen von ProCinema um 7,5 Prozent auf 9,85 Millionen, laut SRF rund 30 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Acht der zehn erfolgreichsten Filme kamen aus den USA. ProCinema-Geschäftsführerin Ivette Djonova begründete den Rückgang «mit einem ausgedünnten Angebot an amerikanischen Mainstream-Filmen». Die Zusage von 30 und später 32 Kinofilmen pro Jahr stammt aus einem Vergleich mit amerikanischen Bundesstaaten. Doch was Hollywood produziert, prägt auch das Programm in Zürich, Lausanne und Lugano.

Lex Netflix: Was Streamingdienste und Sender hier investieren müssen

Für das Schweizer Filmschaffen ist vor allem die Investitionspflicht von Bedeutung. Seit dem 01.01.2024 müssen Fernseh- und Abrufdienste mindestens 4 Prozent ihres in der Schweiz erzielten Bruttoumsatzes in das Schweizer Filmschaffen investieren. Die Stimmberechtigten hatten der Änderung des Filmgesetzes am 15.05.2022 zugestimmt.

2025 waren 22 Unternehmen betroffen. Bei einem massgebenden Umsatz von 817 Millionen Franken betrug die Pflicht rund 33 Millionen Franken. Investiert haben sie 19,9 Millionen Franken, 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 13 Millionen Franken wurden aufgeschoben; sie müssen bis Ende 2027 nachgeholt werden, sonst wird eine Ersatzabgabe an das Bundesamt für Kultur (BAK) fällig. Von den Investitionen des Jahres 2024 profitierten laut SRF unter anderem der Film «Landesverräter», die dritte und vierte Staffel von «Tschugger» und die Serie «Winter Palace». Von den 19,9 Millionen Franken des Jahres 2025 flossen 12 Millionen direkt in Herstellung und Ankauf von Filmen und Serien.

Grafik zur Lex Netflix: Pflicht von 30,1 und 33 Millionen Franken gegenüber Investitionen von 15,9 und 19,9 Millionen Franken in den Jahren 2024 und 2025
Investitionspflicht und effektive Investitionen der Fernseh- und Abrufdienste in das Schweizer Filmschaffen. Quellen: Bundesamt für Kultur, SRF.

BAK-Direktorin Carine Bachmann zieht eine positive Bilanz. Die Investitionspflicht habe «gut funktioniert», erklärte sie im August 2026. Offen ist, ob HBO Max und Paramount+ zu den pflichtigen Unternehmen gehören, denn das BAK nennt keine Firmennamen. Ebenso offen ist, wie sich eine Zusammenlegung der beiden Skydance-Dienste auf die Pflicht auswirken würde.

Arena: Sind Mega-Konzerne gut für Film- und Serienfans?

Pro: Ja, mehr Geld für grosse Stoffe

  • Skydance muss während zwei Jahren 30 und danach während drei Jahren 32 Kinofilme pro Jahr herausbringen, sonst drohen 30 Millionen Dollar pro fehlenden Film (AP).
  • Paramount hat zugesagt, Paramount und Warner Bros. als eigenständige Studios mit je rund 15 Filmen pro Jahr zu führen und neue Filme 45 Tage exklusiv im Kino zu zeigen, grosse Titel länger (British Cinematographer).
  • Der Vergleich verlangt mindestens 1,5 Milliarden Dollar zusätzliche Filmproduktion in den USA über fünf Jahre (AP).
  • Gegen YouTube mit 14,2 Prozent der US-Fernsehnutzung im Juli 2026 kommen Paramount und Warner zusammen auf 11,8 Prozent (Nielsen, eigene Addition). Erst die Grösse schafft ein Gegengewicht.
  • Das US-Justizministerium erwartet keinen Schaden für Wettbewerb und Konsumenten, die EU-Kommission verlangte Auflagen nur im Filmverleih (Justizministerium, EU-Kommission).
  • Ein gemeinsames Angebot aus HBO Max und Paramount+ könnte zwei Abos ersetzen (Skydance, Broadband TV News).

Contra: Nein, weniger Vielfalt, höhere Preise

  • Rund 80 Milliarden Dollar Schulden und ein Sparziel von 6 Milliarden Dollar sollen auch über Entlassungen erreicht werden (Reuters, Variety).
  • Eine Bundesrichterin sah im Juli in einer vorläufigen Einschätzung starke Hinweise, dass die Fusion den Wettbewerb bei breit gestarteten Kinofilmen erheblich verringert (New York Times).
  • Die meisten Auflagen gelten nur fünf Jahre, die Zusage von 30 Kinofilmen entspricht dem, was Ellison schon im Bieterkampf versprochen hatte (AP).
  • CNN und CBS News gehören zum selben Konzern, den die Familie Ellison kontrolliert; Kritiker zweifeln an der Wirksamkeit des Aufsichtsgremiums (AP).
  • Tausende Filmschaffende unterzeichneten im April 2026 einen offenen Brief gegen die Fusion (Wikipedia).
  • Weniger Anbieter erleichtern Preiserhöhungen; schon heute zahlen Schweizer Kunden laut Moneyland für Streaming deutlich mehr als im benachbarten Ausland (Moneyland).

Kommentar: Grösse ist kein Programm

Die Hollywood-Fusion ist ein Sieg des Geldes über den Wettbewerb. Ein Konzern, der mit 80 Milliarden Dollar Schulden startet und 6 Milliarden Dollar einsparen will, denkt zuerst an Zinsen und erst dann an Vielfalt. Die Zusagen für das Kino sind wertvoll, weil die Bundesstaaten sie vor Gericht erstritten haben. Doch sie gelten fünf Jahre. Danach entscheidet die Bilanz. Bilanzen lieben Fortsetzungen mehr als Experimente.

Bedenklicher ist, was mit dem Journalismus geschieht. CNN und CBS News werden nun von einer Familie kontrolliert, die demonstrativ die Nähe zum Weissen Haus suchte, während der Präsident den unterlegenen Bieter öffentlich angriff. Ob die politische Nähe den Ausgang beeinflusst hat, lässt sich nicht belegen. Dass ein Gremium, das der Konzern selbst bestellt, die Unabhängigkeit zweier Weltmarken des Journalismus sichern soll, überzeugt jedoch nicht. Wer Medien kauft, kauft Vertrauen mit. Ellison muss es sich erst verdienen.

Für Schweizer Zuschauer gilt eine einfache Regel: Die Macht liegt bei der Kündigung. Wer Abos monatlich kündigt und nur bezahlt, was er wirklich schaut, zwingt die Konzerne zum Wettbewerb um jeden Kunden. Neue Vorschriften aus Bern braucht es dafür nicht. Es braucht Kunden, die vergleichen. Und es braucht Anbieter, die ihre Preise erklären müssen.

Netflix wiederum zeigt, dass Grösse kein Schutz ist. Der Konzern, der Hollywood ein Jahrzehnt lang vor sich hertrieb, hat den Bieterkampf verloren und muss sich neu erfinden. Das ist kein Unglück, sondern Markt.

Stand 30.10.2026. Beträge in US-Dollar, sofern nicht anders vermerkt. Zitate aus englischsprachigen Quellen hat die Redaktion übersetzt. Mehrere Primärquellen (Reuters, Variety, Nielsen, Semafor, CNBC, CNN, «Wall Street Journal», «New York Times») waren für die Recherche nicht direkt zugänglich; die Angaben stammen dann aus Zweitveröffentlichungen der Agenturtexte oder aus Wikipedia-Artikeln mit Einzelnachweisen. Die Beteiligung von Elon Musk ist nicht bestätigt. Die Nielsen-Grafik zeigt den Juli 2026; für August lagen nicht alle Werte vor. Die Kinozahlen 2025 sind provisorische Angaben von ProCinema (Januar 2026). Die Schweizer Abo-Preise entsprechen dem Stand vom Januar 2026; spätere Änderungen sind nicht bekannt. Zeitplan, Name und Preis des gemeinsamen Dienstes von HBO Max und Paramount+ waren bis zum 30.10.2026 nicht bekannt.

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