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Abstimmung 29.11.2026

13. AHV-Rente: Das Volk hat bestellt, jetzt soll es bezahlen

Im Dezember 2026 wird die 13. AHV-Rente erstmals ausbezahlt. Wenige Tage vorher entscheidet die Schweiz, wer sie bezahlt: 0,4 Prozentpunkte mehr Mehrwertsteuer, unbefristet. Die erste Umfrage zeigt 60 Prozent Nein. Eine Analyse über eine halbe Finanzierung, einen Graben zwischen Jung und Alt und die Frage, was ein Nein auslösen würde.

Nordfassade des Bundeshauses in Bern im Morgenlicht
Bild: Manuellopez.ch, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Im Dezember 2026 bekommen rund 2,6 Millionen Rentnerinnen und Rentner zum ersten Mal eine 13. AHV-Rente. Alleinstehende erhalten bis zu 2520 Franken mehr im Jahr, Ehepaare bis zu 3780 Franken. Wenige Tage vorher, am Sonntag, 29.11.2026, entscheiden Volk und Stände, wie diese Rente bezahlt wird: mit einer Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte, unbefristet und frühestens ab 2028. Bundesrat und Parlament empfehlen ein Ja.

Die Ausgangslage ist paradox. Am 03.03.2024 hatten 58,2 Prozent der Stimmenden die 13. AHV-Rente angenommen. Nun soll das Volk die Rechnung bezahlen. Es scheint dazu aber nicht bereit. In der ersten Umfrage von Tamedia und «20 Minuten» sprachen sich nur 36 Prozent für die höhere Mehrwertsteuer aus, 60 Prozent dagegen. Einzig bei den Sympathisanten der SP überwog das Ja, knapp mit 49 Prozent.

Dabei ist die Vorlage selbst ein Kompromiss, der niemanden glücklich macht. Sie deckt zusammen mit dem Bundesbeitrag nur rund die Hälfte der Kosten, sie gilt ohne Ablaufdatum und sie kommt zwei Jahre zu spät. Wer verstehen will, warum die Schweiz über eine Steuer streitet, die eine längst beschlossene Rente finanzieren soll, muss bei der Abstimmung von 2024 beginnen.

SteckbriefZusatzfinanzierung der AHV über die Mehrwertsteuer
AbstimmungSonntag, 29.11.2026, Volks- und Ständemehr nötig (Verfassungsänderung)
Normalsatzvon 8,1 auf 8,5 Prozent
Beherbergungvon 3,8 auf 4,0 Prozent
Reduzierter Satzbleibt bei 2,6 Prozent (Lebensmittel, Medikamente, Bücher, Zeitungen)
Dauerunbefristet
Inkrafttretenbestimmt der Bundesrat, frühestens Anfang 2028
Ertragrund 1,4 Milliarden Franken pro Jahr
Kosten der 13. Rente4,2 Milliarden Franken (2026), rund 4,5 Milliarden (2030), rund 5,4 Milliarden (2040)
Deckungzusammen mit dem Bundesbeitrag rund die Hälfte der Mehrkosten
ParlamentNationalrat 108 zu 85 bei 6 Enthaltungen, Ständerat 28 zu 13 bei 3 Enthaltungen
EmpfehlungBundesrat und Parlament: Ja
Die Vorlage im Überblick. Quellen: Bundeskanzlei, Erläuterungen des Bundesrates, Bundesamt für Sozialversicherungen, Parlamentsdienste.

Ein Ja ohne Preisschild

Die Initiative des Gewerkschaftsbunds für eine 13. AHV-Rente war 2024 ein Coup. 58,2 Prozent der Stimmenden und eine Mehrheit der Kantone sagten Ja, gegen den Willen von Bundesrat, Parlament und Wirtschaft. Am selben Tag lehnte das Volk die Renteninitiative der Jungfreisinnigen, die das Rentenalter auf 66 erhöhen wollte, mit 74,7 Prozent ab. Die Botschaft war deutlich: mehr Rente, aber nicht länger arbeiten. «Es ist auch ein Protestvotum», sagte der Politologe Lukas Golder vom Forschungsinstitut gfs.bern am Abstimmungssonntag.

Nur eine Frage liess die Initiative offen: wer bezahlt. Der Initiativtext erwähnte die Finanzierung nicht. Die Nachbefragung von gfs.bern zeigte, dass vor allem ältere Stimmende zugestimmt hatten, besonders die 60- bis 69-Jährigen, während Jüngere eher dagegen waren. Wer Nein stimmte, fürchtete laut der Analyse vor allem höhere Mehrwertsteuern und Lohnabgaben. Genau darüber muss die Schweiz nun befinden.

Zwei Jahre Gezerre im Bundeshaus

Was folgte, war eines der zähesten Finanzierungsgeschäfte der jüngeren Geschichte. Der Bundesrat schlug im Oktober 2024 eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,7 Prozentpunkte vor. Der Ständerat wollte eine Mischung aus Mehrwertsteuer und höheren Lohnbeiträgen, der Nationalrat eine reine Mehrwertsteuerlösung, befristet. In der Differenzbereinigung fanden die Räte nicht zusammen. Im Juni 2026 musste eine Einigungskonferenz vermitteln: 0,2 Lohnprozente plus 0,4 Mehrwertsteuerprozente, unbefristet.

Zwischenfrage · Abstimmen, dann weiterlesen
Mehr Mehrwertsteuer für die 13. AHV-Rente?
Ja, wer bestellt, bezahlt 50 %Nein, zuerst Reformen 50 %
0 Stimmen

Im Nationalrat fiel der Kompromiss in zwei Teile. Die höheren Lohnbeiträge scheiterten am 17.06.2026 mit 96 zu 98 Stimmen an SVP, FDP und GLP. Übrig blieb die Mehrwertsteuer. Die Debatte zeigte, wie tief die Gräben sind. «Wer heute Nein sagt, will das Rentenalter erhöhen», rief die St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi. «Die Mehrwertsteuer ist das kleinere Übel», sagte der Zürcher Grünliberale Patrick Hässig. Und der Innerrhoder Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner warnte, ohne die Zusatzfinanzierung schwinde der AHV-Fonds. Die Lücke über ein höheres Rentenalter zu schliessen, sei eine Illusion.

In der Schlussabstimmung vom 19.06.2026 stimmte der Nationalrat mit 108 zu 85 Stimmen bei 6 Enthaltungen zu, der Ständerat mit 28 zu 13 bei 3 Enthaltungen. Die FDP-Fraktion stimmte geschlossen Nein, die SVP mit wenigen Ausnahmen ebenfalls. Fünf Ja-Stimmen aus der SVP-Fraktion kamen von Abgeordneten aus der Westschweiz und dem Kanton Bern. Hätten diese fünf und die geschlossen zustimmende GLP Nein gestimmt, wäre die Vorlage gescheitert.

Grafik: Schlussabstimmung im Nationalrat zur Mehrwertsteuer für die 13. AHV-Rente nach Fraktionen
Schlussabstimmung im Nationalrat vom 19.06.2026 nach Fraktionen. Quelle: Abstimmungsprotokoll Nr. 32800 der Parlamentsdienste. Grafik: Expertistan

Eine Finanzierung, die nur die Hälfte deckt

Die Vorlage hat einen Konstruktionsfehler, den beide Lager anerkennen: Sie reicht nicht. Die 13. Rente kostet 2026 rund 4,2 Milliarden Franken, 2030 rund 4,5 Milliarden und 2040 rund 5,4 Milliarden. Die höhere Mehrwertsteuer bringt ab 2029 rund 1,4 Milliarden Franken pro Jahr. Der Bund beteiligt sich über seinen gesetzlichen Beitrag von 20,2 Prozent der AHV-Ausgaben mit gut 900 Millionen. Für 2030 bleiben damit nach eigener Rechnung rund 2,2 Milliarden Franken ungedeckt, fast die Hälfte. Wie diese Lücke geschlossen wird, ist laut Bundeskanzlei derzeit offen.

Grafik: Kosten der 13. AHV-Rente und ihre Deckung durch Mehrwertsteuer und Bundesbeitrag 2026 und 2030
Kosten der 13. AHV-Rente und ihre Finanzierung, in Milliarden Franken. Ungedeckter Teil: eigene Berechnung aus Angaben von Bund und SDA. 2026 gibt es noch keinen Mehrwertsteuerertrag. Grafik: Expertistan

Dazu kommen zwei Jahre ohne jede Zusatzfinanzierung. Weil die Steuer frühestens 2028 in Kraft tritt, zahlt die AHV die 13. Rente 2026 und 2027 aus ihren Reserven. Laut SRF kostet das zusammen gegen 9 Milliarden Franken. Der AHV-Ausgleichsfonds, der Ende 2025 bei 60,4 Milliarden Franken lag, fällt nach den Perspektiven des Bundes ohne neue Einnahmen 2027 unter die gesetzlich verlangte Reserve von einer Jahresausgabe. Weil die höhere Steuer erst ab 2028 wirkt, dürfte das auch bei einem Ja geschehen.

Die Finanzperspektiven vom Juli 2026 zeigen, was die Vorlage leistet und was nicht. Ohne zusätzliche Einnahmen schreibt die AHV 2030 ein Umlagedefizit von rund 2,7 Milliarden Franken, 2035 von rund 4,9 Milliarden. Mit der höheren Mehrwertsteuer sinkt das Defizit 2030 auf rund 1,2 Milliarden und 2035 auf rund 3 Milliarden. Der Fonds läge 2035 bei knapp 70 statt rund 50 Prozent einer Jahresausgabe. Die Vorlage bremst den Absturz, sie verhindert ihn nicht.

Grafik: Umlageergebnis der AHV mit und ohne Mehrwertsteuererhöhung für 2026, 2030 und 2035
Umlageergebnis der AHV ohne und mit Zusatzfinanzierung, in Milliarden Franken. Quellen: Finanzperspektiven des Bundes vom 02.07.2026, Erläuterungen des Bundesrates. Grafik: Expertistan

Was es die Haushalte kostet

Über die Belastung der Haushalte gehen die Angaben weit auseinander. Der Bundesrat rechnet in den Erläuterungen mit durchschnittlich rund 180 Franken pro Haushalt und Jahr, etwa 15 Franken im Monat, wobei tiefere Einkommen weniger und höhere mehr zahlen. Die Grünen nennen für eine Person mit tiefem oder mittlerem Einkommen 70 bis 110 Franken im Jahr. Wer 100 Franken für Kleider, einen Coiffeurbesuch oder ein Essen im Restaurant ausgibt, zahlt künftig rund 40 Rappen mehr. Lebensmittel und Medikamente bleiben beim reduzierten Satz von 2,6 Prozent.

Die FDP führt eine gesamtwirtschaftliche Rechnung ins Feld. Eine Studie des Forschungsinstituts BAK Economics, auf die sich die Partei stützt, beziffert die Wachstumsverluste über zehn Jahre auf fast 3,6 Milliarden Franken, am stärksten betroffen seien KMU, Detailhandel und Gastronomie. Zudem fördere jede Steuererhöhung den Einkaufstourismus in die Nachbarländer. Bei einem Normalsatz von 8,5 Prozent bliebe die Schweiz allerdings ein Land mit tiefer Mehrwertsteuer: Deutschland erhebt 19 Prozent, Frankreich und Österreich 20 Prozent, Italien 22 Prozent.

Pikant ist der Zeitpunkt. Parallel plant das Parlament eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer, diesmal für die Armee. Der Bundesrat hatte dafür 0,5 Prozentpunkte vorgeschlagen, der Ständerat beschloss am 21.09.2026 eine Variante mit 0,2 Prozentpunkten und einem Rüstungsfonds von 24 Milliarden Franken. Der Nationalrat berät das Geschäft in der Wintersession. Die FDP spricht von einer «Salami-Taktik» und warnt vor einer Mehrwertsteuer, die gegen 10 Prozent steigen könnte.

Leerer Nationalratssaal im Bundeshaus in Bern
Der Nationalratssaal im Bundeshaus. In der Wintersession berät der Nationalrat über eine weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer, diesmal für die Armee. Bild: Burkhard Mücke, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Generationenfrage

Im Kern ist die Abstimmung ein Streit zwischen den Generationen. Die erste Umfrage zeigt das deutlich: Die Zustimmung steigt mit dem Alter, von 27 Prozent bei den Jüngsten auf 46 Prozent bei den über 65-Jährigen. Für die Befürworter ist gerade das ein Argument für die Mehrwertsteuer. Anders als Lohnbeiträge zahlen sie alle, auch Rentnerinnen und Rentner sowie Touristen. «Eine Finanzierung hat aber immerhin den Vorteil, dass sich die älteren Generationen beteiligen», sagte die Berner Grünliberale Kathrin Bertschy im September 2025 im Nationalrat.

Die Gegner sehen die Jungen dagegen doppelt belastet: Sie zahlen höhere Steuern, ohne dass die Renten langfristig gesichert wären. Der Industrieverband Swissmem schreibt, die Mehrwertsteuer würde die AHV zum dritten Mal mitfinanzieren, statt sie zu reformieren. Tatsächlich fliessen heute bereits 1,4 Mehrwertsteuerprozente in die AHV, nach einem Ja wären es 1,8. Die nächste Reform, AHV 2030, sieht laut dem Vernehmlassungsentwurf kein höheres Rentenalter vor. Sollte die Finanzierung der 13. Rente scheitern, enthält sie Szenarien mit nochmals höheren Mehrwertsteuern und Lohnbeiträgen.

Die Lager

Auf der Ja-Seite stehen neben Bundesrat und Parlament die SP, die Grünen, die Mitte, die EVP und die Gewerkschaften. Die Delegierten der Mitte beschlossen die Ja-Parole am 05.09.2026 mit 164 zu 9 Stimmen. Innenministerin Elisabeth Baume-Schneider verteidigt die Vorlage als ausgewogen. «Bundesrat und Parlament wollen nicht, dass die AHV in eine Defizitspirale gerät», sagte sie im Oktober. «Alle Generationen beteiligen sich an der Finanzierung der 13. Rente.»

Auf der Nein-Seite stehen die FDP, die SVP, die Arbeitgeberverbände und das Gewerbe. Die Gegner bekämpfen nicht die 13. Rente, sondern ihre Finanzierung. «Weniger als die Hälfte wird durch diesen schlampig ausgearbeiteten Entwurf finanziert», sagte FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher zum Kampagnenstart am 28.09.2026. Die Parteibotschaft lautet: «Der Staat muss den Gürtel enger schnallen, nicht die Bevölkerung.» Die SVP verlangt Einsparungen im Asylwesen und in der Entwicklungszusammenarbeit statt neuer Steuern.

Arena: Höhere Mehrwertsteuer für die 13. AHV-Rente?

Pro: Ja zur Zusatzfinanzierung

  • Wer bestellt, bezahlt: Das Volk hat die 13. Rente 2024 beschlossen, ohne Finanzierung wachsen die Defizite der AHV deutlich schneller.
  • Alle zahlen mit: Die Mehrwertsteuer trifft auch Rentnerinnen, Rentner und Touristen, nicht nur die Erwerbstätigen.
  • Sozial abgefedert: Lebensmittel und Medikamente bleiben beim reduzierten Satz.
  • Ohne Ja steigt das Defizit bis 2035 auf knapp 5 Milliarden Franken pro Jahr, der Fonds schmilzt auf rund die Hälfte einer Jahresausgabe.
  • Je länger man wartet, desto teurer wird jede spätere Sanierung.

Contra: Nein zur Steuererhöhung

  • Halbe Sache: Die Vorlage deckt zusammen mit dem Bundesbeitrag nur rund die Hälfte der Kosten, die Lücke bleibt.
  • Unbefristet: Die Steuer bleibt auch nach einer künftigen Reform bestehen.
  • Reformdruck sinkt: Strukturelle Massnahmen wie ein Rentenalter, das sich an der Lebenserwartung orientiert, werden aufgeschoben.
  • Kaufkraft: Zusätzliche Last neben steigenden Krankenkassenprämien und Mieten.
  • Salami-Taktik: Mit der geplanten Armee-Mehrwertsteuer drohen weitere Erhöhungen.

Was ein Ja und was ein Nein bedeuten würde

Bei einem JaBei einem Nein
13. Rentewird ab Dezember 2026 ausbezahltwird trotzdem ab Dezember 2026 ausbezahlt
MehrwertsteuerNormalsatz 8,5 Prozent, frühestens ab 2028, unbefristetbleibt bei 8,1 Prozent
Umlagedefizit 2030rund 1,2 Milliarden Frankenrund 2,7 Milliarden Franken
Umlagedefizit 2035rund 3 Milliarden Frankenknapp 5 Milliarden Franken
AHV-Fonds 2035knapp 70 Prozent einer Jahresausgaberund 50 Prozent einer Jahresausgabe
Nächster SchrittReform AHV 2030 muss die verbleibende Lücke schliessenReform AHV 2030 mit Szenarien für 0,7 bis 0,9 Mehrwertsteuerprozente oder einen Mix mit Lohnbeiträgen
Folgen der Abstimmung. Quellen: Erläuterungen des Bundesrates, Finanzperspektiven vom 02.07.2026, SRF, AWP.

Ein Nein hätte eine Folge, die viele übersehen: Die 13. Rente würde trotzdem ausbezahlt. Umsetzung und Finanzierung sind zwei getrennte Erlasse. Die Rechnung würde nicht gestrichen, sondern verschoben, auf den AHV-Fonds und damit auf die nächste Reform. Der Bundesrat will die Botschaft zur Reform AHV 2030 im Frühling 2027 vorlegen. Jede weitere Erhöhung der Mehrwertsteuer bräuchte erneut eine Volksabstimmung.

Die Umfrage: Absturz mit Ansage?

Die erste Umfrage von Leewas für Tamedia und «20 Minuten» vom 07. und 08.10.2026, mit 11’239 Befragten und einem Fehlerbereich von 1,6 Prozentpunkten, ist für die Befürworter ein Alarmsignal. Mit 36 Prozent Ja und 60 Prozent Nein liegt die Vorlage weit zurück. Bei den Gegnern dominierten laut den Autoren Bedenken wegen schwindender Kaufkraft, viele hielten bessere Finanzierungsmöglichkeiten für möglich. Die erste Welle der SRG-Umfrage von gfs.bern erscheint am 23.10.2026.

Grafik: Erste Umfrage zur Abstimmung vom 29.11.2026 mit Stimmabsicht zu Feuerwerksinitiative, Kriegsmaterialgesetz, Fairness-Initiative und AHV-Mehrwertsteuer
Erste Umfrage zu allen vier Vorlagen vom 29.11.2026, in Prozent. Leewas für Tamedia und «20 Minuten», 07. und 08.10.2026, 11’239 Befragte, Fehlerbereich ±1,6 Prozentpunkte. Grafik: Expertistan

Zum Vergleich: Bei der letzten Mehrwertsteuererhöhung für die AHV, der Reform AHV 21 im September 2022, lagen die Vorumfragen zwischen 54 und 65 Prozent Ja, angenommen wurde die Vorlage mit 55,1 Prozent. Damals stellten sich SP und Grüne gegen die Steuer, die bürgerlichen Parteien dafür. 2026 sind die Fronten vertauscht. Dass eine Vorlage, die sieben Wochen vor der Abstimmung bei 36 Prozent liegt, noch eine Mehrheit findet, wäre ungewöhnlich. Ausgeschlossen ist es nicht, denn Meinungen können sich im Abstimmungskampf noch deutlich verschieben.

Chronik

03.03.2024 Volk und Stände nehmen die 13. AHV-Rente mit 58,2 Prozent an
16.10.2024 Bundesrat beantragt 0,7 Mehrwertsteuerprozente
12.06.2025 Ständerat will Lohnbeiträge und Mehrwertsteuer
10.09.2025 Nationalrat will nur Mehrwertsteuer, befristet
10.06.2026 Einigungskonferenz: 0,2 Lohnprozente plus 0,4 Mehrwertsteuerprozente
17.06.2026 Nationalrat streicht die Lohnbeiträge
19.06.2026 Schlussabstimmungen in beiden Räten
02.07.2026 Neue Finanzperspektiven: Lage verschlechtert
05.10.2026 Bundesrat empfiehlt Ja
14.10.2026 Erste Umfrage: 36 Prozent Ja, 60 Prozent Nein
29.11.2026 Volksabstimmung
12.2026 Erste Auszahlung der 13. AHV-Rente
2028 Frühestmögliches Inkrafttreten der höheren Mehrwertsteuer

Kommentar: Wer bestellt, muss bezahlen, auch wenn die Rechnung schlecht geschrieben ist

Die Vorlage ist kein Meisterwerk. Sie deckt zusammen mit dem Bundesbeitrag nur die Hälfte, sie gilt ohne Ablaufdatum und sie verschiebt die eigentliche Arbeit, eine AHV-Reform, die mit der steigenden Lebenserwartung rechnet, auf später. Die Kritik der Gegner ist berechtigt. Ihr Schluss ist es nicht.

Denn ein Nein spart keinen Franken. Die 13. Rente wird ausbezahlt, ob die Schweiz am 29.11.2026 Ja oder Nein sagt. Wer die Finanzierung ablehnt, bezahlt die Rente aus der Substanz des AHV-Fonds, also mit dem Geld, das künftigen Rentnern fehlen wird. Eigenverantwortung, die sonst so gern beschworen wird, heisst auch: Wer etwas bestellt, bezahlt dafür. Und zwar jetzt, nicht erst die nächste Generation.

Ein Ja ist deshalb kein Freipass. Es verpflichtet Bundesrat und Parlament, die zweite Hälfte nicht wieder über Steuern zu holen, sondern über Reformen, die bisher niemand anzufassen wagt: das Rentenalter, die Koppelung an die Lebenserwartung, die Ausgaben des Bundes. Wer das will, muss diese Vorlage nicht lieben. Er muss nur ehrlich rechnen.

Alle Angaben Stand 19.10.2026. Die Zahlen zu Kosten und Erträgen stammen vom Bund und können je nach Preisbasis leicht abweichen. Die ungedeckte Lücke ist eine eigene Berechnung. Die erste SRG-Umfrage erscheint am 23.10.2026, dieser Artikel wird danach aktualisiert.

Mehr zum Thema: Ein halbes Prozent für die Armee: Wer die Aufrüstung der Schweiz bezahlen soll · Fairness-Initiative: Die Mitte fordert das Ja zur Individualbesteuerung heraus · Kriegsmaterialgesetz: Wie viel Neutralität verträgt die Rüstungsindustrie?

Quellen

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